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Full text of "Über das älplerische Volkslied und wie man es findet; Plauderei"

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Uber das 




älplerische 
Volkslied 




Josef Pommer 




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Inr gtenmms uttt> Pflfgr iifö Deutzen gdksitei>f$. 





herausgegeben oon bem 




12. 



bas ilplerifdje Dolkslieb, unb tuie man es jutbet* 



plauberet 
von 

Dr. gtfff Pommer. 



Wien 1908. 

■fcfjtn Dolfs gefangner ein es, lüien, VI. ©timptnborferflrafce 

Derttleb burd? Jlbolf Hobttfdjef, IDlen nnb C e t p 3 i a< 



60 h, 



Digiti? el 




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flngfitrifteii linii pfrlfEfte 

herausgegeben von bem 

2>eutfdjeu ^offt^gefattg -Vereine in 3$tett. 

12. 



Über ks alplerifdje Mkslteb, unb wie man es finbet* 

plauberei 

von 

Dr. gofef Hammer. 

— 



Wien \W7. 

Derlag bes Beutfdjen Polfsgefang.Oereines, ZDien, VI. (Bumpenborferjlrafie ist. 
3adjb,änblertfdfer Derttteb burdf 2lboIf Hobitfdjef, IDien unb Ceipjig. 

preis 60 tf. = 60 h. ^ '''' 

/ ^ Jgw^ed by Qpogle 




ICD fc, FES 6 1976 



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Über fcas älplerifdje Voltslub, 

unb wie man es fht&et* 1 ) 

plauberci 
von 

Dr. Jvftf P0mnwt 

„2>a§ matt jid> gegenwärtig mteber met^r unb mein- 
ber pflege bes Polrsliebes 3umenbet, ift ntd?t blog Wöbe» 
faäje," fagt Prof. Dr. Wahtntü in feiner 2lbtfanblung 
über bas beutfdje Dolfslteb (1890), „fonbem ein tieferer 
(Brunb liegt Dahinter : €s ift ein elementarer gug, ber 
unfere äberbilbete geit 3ur Dolfsbtdjtung locft. <£s ift ber» 
felbe §ug, ber uns im Sommer fnnausbrängt aus ber 
Sajmiile unb bem betäubenben £ärm ber Stabt auf bas 
jtille, frifdjgrüne £anb, bamit mir bort im Sdjofje ber Hatur 
an (Seift unb Körper neue Kraft, neues £eben gemimten. 
<Hs ift jene unftiübare Setmfndjt bes Kulturmenfdjen naa> 
(Einfalt, nadj itatur." Unb follte biefer §ug, ber uns bie 
ttatnr fudjen t|etgt, unb ber ben Sllpenmanberer 3U ben 
tjöajften 3erges3innen emporlocft, follte biefe Sefmfudjt naa? 
(Einfalt, naä? Hatur ben ^reunb ber Berge niäjt aua? bem 
Volt sliebe 3nfütn*en ? Wer Ijätte, mie er, auf feinen Streif* 
3Ügen über Berg unb dal bie (ßelegenfjeit, mit Kleinbürger 
unb 2lcfersmann, mit 3^9 cr unö Jörfter, mit fjirt unb 
Sennerin 3U üerfefjren? t&ie oft fjört er ba bie fröfjlidjen 
£ieber ber (Srasmäbdjen , bie 3 0ö ^ er unö 3 ua ? e 3 er & es 
(Baisbuben ober ben luftigen (Ojorgefang ber Burfdjen 
unb Dirnbein, ber an ben 2lbenben ber Sonn* unb Feiertage 
aus ber bäuerlichen Sdjenfe an fein (Dtjr Hingt. ITCuftf* 
funbiger 2llpenmanberer, heraus mit Stift unb tlotenblatt 
bei folgen (Gelegenheiten unb feftgefyalten in rafdjer tlieber* 
fdjrift, mas ftdj bir fo, ungefudjt unb unge3mungen, bietet I 



*) 2lus ber „geitfdjrift" bes beutfdjen unb öfterreidn'fdjen 
2llpem>eretns mit freunblidjer gujtimmung ber Sdjrtftleitung 
abgebrurft. (HTit (2rgän3ungen.) 

1* 



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Wie würbe uns eine fold?e Sammelarbeit tnnmegfjelfen über 
bie langmeiligen, enblofen Stunben unb (Eage, bie mir fo 
oft eingeregnet perbringen muffen? Könnten mir ba nidjt 
bem behäbigen IDirt unb ber runblid?en tPirtin, bem felmigen 
Bergführer unb ber fdjelmifdjen Kellnerin tt^re £ieblein unb 
Sdmabatjüpfln, itjre 3°M er un0 3 u d? e 3 er / irjrc „Can3el" 
unb (Sajflfprüdje abfragen unb fie 3U Papier bringen? 
XPie ban!bar märe uns ber Dolfsliebfammler unb »forfdjer 
für foldje initmirfnngl Der ein3elne ift ja bod} bet allem 
Sammelfletge , felbft mit ben größten (Dpfern an geit unb 
(Selb, nid?t imftanbe, alle biefe, über bas gan3e £anb unb 
oft in bie abgelegensten Sdjludjten unb auf fajt un3ugäng« 
liaje Ejöfjen perftreuten <Er3eugnijfe bes fdjaffenben Dolfs« 
geijtes 31t erreichen. 

Da mag mofyl mandjer meinen, es märe bas €infadjfle, 
ftd? in einem Aufrufe an alle jene perfönlidjfeiten 3U men» 
ben, meld?e für bas beutfd?e DolFslieb qer3 unb Derftänbnis 
bep^en unb mit bem Dolre in ^üfjlung fterjen; fo namentlidj 
an bie (Seiftlidjfeit, an bie Cetjrerfdjaft unb an bie Stubieren- 
ben ber £}odj= unb UTittelfdmlen, meldte in fröfylidjer Jerien« 
3eit t>eimretjren in if^r traulidjes I}eimatbörfdjen. Dodj mit 
Siefen Aufrufen ift, mie bie (Erfahrung 3eigt, nidjt Ptel aus« 
Juristen. Klagt bod? fa>on £}ojfmann p. Fallersleben, ba§ 
feine Bitte, trnn fd)leftfd?e Doifslieber ein3ufenben, bie «t 
im ^afjre \ 8 39 in ben Breslauer geitungen peröffentlia>te, 
nur geringen (Erfolg gehabt t^abe. Unb bod? fjatte er, um 
beutlid? 31t madjen, mas für eine 5Xrt £ieber er fua>e, 
feinem Üufrufe ein großes £>er3eidmis pou Dolfslieber* 
anfängeu In' zugefügt. €r gefteljt in ber Dorrebe ju feinen 
„ Sa?leftf djen Dolfsliebern" (£eip3ig, bei Breitfopf & Härtel, 
18^2), ba§ er unb fein ,Jreunb Hilter, ber ben muftfalif d?en 
(Eeil ber Öolfslieberfammlung 3U leiten übernommen Ijatte, 
auf biefem JDege niemals 3U einem fonberlid?en €rgebni(fe 
gelangt mären, roenn bas Jreunbespaar nidjt einen anbevtn 
eingef dalagen fjätte. Hilter mußte bie göglinge bes Bres*- 
lauer £eb l rerfemtnars für bas Unternehmen 3U geminnen 
unb fie auf bas aufmerffam 311 madjen, morauf es bei einer 
folgen Sammelarbeit eigentlid? anfommt. Xtid^t jeber ift 
aber fo glütflidj, bie ftubierenbe 3ugenb miliig 3U flnben; 
audf id? mannte mia? im 3 U K 1893 in einem Aufrufe an 
alle (freunbe unb Kenner bes beutfdj«fteirifdjen Dolfsliebes 
mit bem (Erfudjen um €infenbung pou ftetrtf d?en Polfs» 
liebern, unb erbat mir insbefonbere bie ITlitmirfung ber 



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— 5 — 



Sdjüler ber Cefjrerbilbnngsanftalten Steiennarfs. Per <Et> 
folg mar ein redjt unbebeuteuber. Ülmlidjes ^atte irr 
früherer §ett in Steiermarf audj ber Spraa?forfcb,er Profeffor 
ttJeinfjolb unb ber IKuftfer 3- <£• Sdjmö^er erfahren, bie 
ber oolfsfreunblid^e efr^fje^og 3olj<wtt in ben 5oer 3at{reii 
bes Ualjrfj. angeregt fyatte, auf bas tPieberaufleben unb 
bie Verbreitung bes fteirifd?en Dolfsltebes bjn3nmirfen. 
„IDären mir cßelbmittel 3ur Perfügung geftanben," meinte 
fpäter Sdjmö^er, „Ijä'tte idj bamals meiter in bie ftiüen 
Bergminfel im £anbe vorbringen fönnen, um an (Drt unb 
Stelle 3u fein, wo etmas 3U erlauf djen gemefen märe, bie 
Ausbeute mürbe meit reicher gemefen fein. Die edjten, 
ungefdjmtnften fteirifdjen IHelobten mußte man auffudjen, 
fie machen nia>t auf ber Straße." 

UJatyrljaftig nid? t auf ber Straße I Wer fte bort fueb, t, 
roirb menig ftnben. Iiis id? im Serbjte 1890 ans Cirol 
nadf tDien 3urücffef}rte unb bem befannten ITtufiffrittfer 
^ofrat £?anslitf (f im 2Iuguft \90$) mein Sammelfyeft 
3etgte, in bas idj in ber fur3en Seit pon adjt lPod?en 25 
eitle (Tiroler Dolfslieber unb 3ufälligermeife auch ebenfo 
piele 3obler ftufammengetragen trotte unb ifjm er3ätjlte, baß 
alle biefe Pingercfyeu aus bem 3f*ltale unb bem Ausgange 
bes puftertales (von Hlittenmalb bis £ien3) ftammen, mar 
er Ifödjlidj perrounbert. <2r mar bodj audj im puftertale 
gemefen in jenen Serien, bod? tjatte er, mie er mir fagte, 
rein lieb, feinen 3obler, felbft feinen 3ud?fa?rei gehört, fo 
baß er ber feften ITTeinung mar, bas Dolfslieb fei bort 
gan3 ausgeftorben. Wo ber ^err Jjofrat etma nad? Dolfs» 
liebem gefugt fjaben mag? Pie befrachten Kellner im 
dfotel 3U (Eoblacb miffen freilid? feine (Eirolerlieber 3u fingen, 
unb im (Eifenbatjncoupä erfter Klaffe erflingen audj feine. 
2lus ben hochfeinen fuftfurorten ljaben fte fidy fdjeu 3urücF« 
ge3ogen. „3Juf ber £anbftraße madjfen fie nidjt," fagt 
Sdmtö^er, unb bort muß man fie aud? ntdjt fudjen, fonbern 
abfeits pon ber £?eerftraße. 3 C fleiner bas Pörflein 
unb je ferner pom IPeltgetriebe, befto beffer. Pas perjtecfte 
<Dberlien3 (Bauer Pembel), meiter ifelaufmärts bas Porf 
2Iinet (Witt Slnbreas Sdmeeberger) *) , iPinbifdmiatrei 
(Brauer 2Xlots Sdmeeberger) 1 ), Seifadj im puftertal (bie 
ITTaurer Senfter unb (Dbertjetter) unb namentlich, bas \2SO 
Bieter über bem ITTeere gelegene, meltentrürfte (Sebirgsborf 

*) Beibe feiger perftorben. 



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Bannperg im puftertale (Bauer 3 n 9 cnu ^ n pebretfdjer unö 
2Jnbrä Kreimer, Scfyaftjirt auf ber Bannperger „2IIbc"), bas 
maren bie Orte, mo idj meine edpten (Eirolerlieber auf« 
ftöberte. *) 3u Klammer fe^e ia> bte Hamen ber perfonen 
bei, bie meine Hauptlieferanten roaren. Derallgemeinern 
mir bas (Sefagte, fo müßten mir nun fa?on beiläufig, wo 
mir ein PolFslieb 3U fudjeu Ratten unb mo nta?t. 

Dod? mer fncfyen unb fammeln mill, m\\$ 3iierft röllig 
barüber im Flaren fein, mas es 3U fammeln gilt, bamtt er 
ttidjt Ka^engolb für (£belmctall, ober gar Kunftblumen für 
21lmraufa? unb <£belmeifj fiety anffdjmatjeu lägt. Unb mir 
merben bcsbalb bod? einige Wörtlcin über bte frage per* 
lieren muffen, mas benn eigentlich/ ein PolFslieb 
ift, mol]lgemerft: ein echtes, mirflid?es, im DolFe felbft 
entftanbenes, Fein nad?gemad?tcs, Fünftlid? am Klariere 
mfiftfam sufammengeftoppcltes. Denn bie (Sefafjr ber Der* 
medjfluug ift aro§, namentlich/ für ben, ber aus ber ferne 
Fommt, unb Sitte unb Brand?, Spraye unb Singmeife in 
unferen Bergen uicb/t, ober nur r»om ftörenfagen Fennt. 
ilnb nun nur fdjnell gerbet mit einer ftreugeu Definition 
unb mit baarfd/arfeu IhftiuFtionen l Poch/ ba Fommen mir 
fofort ins (Sebräuge. Pie Herren (Seichten fiub Feinesmegs 
einer IHeiming über bas u)efen bes PolFsltebes; ja felbjt 
bte fraae, IV ev ift bas PolF?, beautmortet fid? nidjt fo 
leicht. „XXHt ift bas DolF?", fragt Hid?arb Wagner, unb 
autmortet: „Me biejeuigen, meldte Hot empftnben unb 
i^re eigene Hot als bie gemeinfame erFenuen. Das PolF 
ftnb alfo bte, bte unmiflFürlicb unb naa> HotmenbigFett 
banbelu; feine feinbe finb bie| bie ftd? r>on biefer Hot« 
menbigFeit trennen unb naa? WillFür egoiftifch/ bjanbeln." 
fein gefagt unb febarf 3iigefpit5t. Poch» ber (Eeil ber 
(ßefamtrjcit, auf bie biefe IPortc bes Itteifters paffen, fingt 
nieb/t mebr,^ er bat bie £uft unb bie frenbe am (Sefang 
verloren. 3" btefen Sdni-bteu entftebt Fein PolFslieb mefyr, 
lebt Fcins, ober gefyt boeb rafcb 3ugruube. Weit baoon 
entfernt, bas moberue Proletariat nieb/t als DolF ober 
menigftens als (Teil bes PolFes anerFcunen 311 mollen, müjfen 
mir trot^bem f eftftcllctt, baß biefer (Teil nuferes PolFes an 
ber iicrtwbrinaung unb IPeiterbilbuua bes DolFsliebes 
Feinen Anteil bat Wev ift alfo bas t>olF, bas t?icr in 

l ) Später fammelte id? in Kaftelrut, ferner in unb um 
Kifcbüdjel mit (Erfolg (Eirolerlieber, Jobler unb Jud^er. 



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— 7 



Betraft fommt? €s ift, fur3 gefagt, ber jenige (Teil ber 
<5efamtheit, ber ber fogenannten tytyexen Bilbung bar, in 
btefem Sinne ungebilbet, aber aua> nod? nidjt perbilbet ift. 
3e meiter meg von ben St&tten moberner Überfultur biefe 
UTenfd?en leben, befto beffer. 3* weniger fte nadjgebadft 
haben über ben (Segenfa^ 3n>tf djen t^od? unb nieber, 3nnfd?en 
arm unb reidj, 3unfdjen ben einzelnen Klaffen unb Stänben, 
befto unbefangener (tnb fte geblieben, befto fyarmlofer ift 
ihr ßer3, befto einfacher ihr Sinn, jfremb tjt bem Klein« 
bürget nnferer £anbftäbte unb ITIäVfte, bem 2Jcfersmann, 
bem 3^ger unb namentlich bem jungen bäuerlid?en Dolfe, 
ben Surften unb Dirnbln, ben Sennerinnen unb flirten, 
bas neibpolle (grübeln über itjrc engen Derhältniffe. §u* 
frieben mit bem fofe, bas ilmen bef Rieben ift, freuen fte 
jld} ihres Dafeins, unb mas fte in bem engen Kreife, in 
bem fte leben, äu§erlid> unb innerlidj erfahren, mas ihr 
(Semüt erregt unb bemegt, es mürbe 3um £ieb unb mirb 
3um £ieb. Derjenige menigftens, ber unter bem Dolfe 
unferer 2Jlpen lebt, ber roeifj es, ba§ berBombesDolfs« 
liebes noa? nidjt perfiegt ijt. 3mmer neue Dolfslieber 
entfielen in unferen Bergen. Diele von ilmen allerbings 
gehen ebenfo rafd? trieber 3ngrunbe f mte fte entftanbett 
finb; aber fo maljr es ift, bafj früher in unferem Dolfe 
Cieber entftanben, fo gemiß ift es aud?, bafj heute nod? 
foldje entjtehen. (Eaufenbe pou Samenförnern ftreut im 
Jjerbfte ber Winb über bie <£rbe, bodj nur eine flehte gahl 
ermaßt im frühlinge «im Sebenl 

2Us id? im 1893 in Canbl im cfnnstale 

meilte, um Dolfslieber 3U fammeln, ba fagten mir bie 
lieberfunbigen Burfdjen, ba§ allen IDilbfdjütjen liebern, bie 
fie mir mitgeteilt hatten, eine mirflid?e Begebenheit 3ugrunbe 
lag, unb umgefehrt, ba§ jebes ^elbenftücfd^en, bas ein 
IDilbfd^ütj ober ein 3äger pertibe, alsbalb aiub im £iebe 
weiterlebe. — (Eines (Lages glücfte es ben ^ä^ern, einen 
gefürd?teten tDilbfdnttjen bingfeft 3U maa?en. (Sefeffelt 
führten fte ihn in bas Jdrfterhaus; bie ^ ör jtersfrau , bie 
gerabe am fterbe ftanb unb Sauerfraut rod?te, nahm von 
bem h^fen» bampfenben Kraute unb fdjlug es bem 2Jrre« 
ftanten in bas <Seftd?t. Um feinetmiüen blatte ihr UTann 
ja mehr als einmal hinaus gemußt in tDetter unb IDinb, 
unb mehr als einmal hatten beibe miteinanber im finfiern, 
einfamen Waibe einen Straufj auf £eben unb dob ans 
gefodjten. 3**3* mar ber <Sefürd?tete in ihrer fjanb, unb 



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fic gab ttjrem (Stimme tätlichen 2Iusbrutf, fo gut fte tonnte, 
Dodj auf bem tPege 3um (Sendet entfprang ber tPübbieb, 
unb nadj IHonaten überfiel er mit feinen (Senoffen bas 
^orfttjaus, uon bem ftdj ber ^förfter uor fu^em auf bie 
Streife in ben iPalb begeben fyatte. Xüieber jtanb bie 
förftersfrau am fjerbe unb fod?te Sanerfraut; ba über- 
wältigten bic oerroegenen (Einbrtngltnge bas Weib, banben 
es an bie Ore feft, unb nun befam fie bas tjeifje Sauer- 
fraut 3U Foften. — Kur3e geit barauf ging biefer Dorfall 
in einem neuen Siebe oon XHunb 3U ItTunb. 

Von fjerrn peter f^interleitner, Jfo^ljänbler in 
ptd?etu>ang im lltn^tale, tuurbe mir ber folgenbe 3obler 
uorgefungen, an ben ftd? eine redjt romanttfdje <Sefdjid?te 
fnüpft. 



Der geller'Starifcer. 




fy*bUi d t d i k^bUx * rt; t|&.bl-t 




dt dt W-bW-ri. £jd=bl=t Äidi t^a - M-t - 




rt; tjd=bl-t d i dt f}d«bl»i • rt. 



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- 9 - 

« 

Diefer 3obler Ijeigt ber §eller»Stanfcer, fo genannt von 
einem (ßebirge 1 ) bei Xnaria*§eII; er mar ber £ieblingsjobler 
eines Wi Ibf djüfcen, bes „Sdjeiterbobenpolbl's". Seine £iebfte, 
eine Sdjmoagerin (Sennerin), Fonnte ben 3°^^ r r>or3Üglidj 
fdjön fingen. 2Us bas £iebesüertiältnis beiber nidjt olme 
folgen blieb, foü ber XDilbfdjütj bas IHäbcfyen anf eine 
Jelsmanb ber geller'Staritjen geführt, erfdjoffen unb in ben 
äbgrunb geftü^t liaben. 33epor er ifyr aber ben Cob gab, 
mußte fte mit itjm uodj einmal feinen £ieblingsjobler 
fingen. — IHein (Semätjrsmanu glaubt fteif unb feft an 
biefe (ßefdjidjte unb üerfidjert, bajj ber Sdjetterbobenpolbl 
nodj fjeute lebe. So oft ber alte IPilbfa^ü^ biefen Nobler 
Ijöre, muffe er meinen. — ttfas fner früher mar, bcr 
metjmntige 3 0C,Icr » 00er °er Keim 3U ber abenteuerlichen 
^ätyung? tPer mill es entf Reiben? 3Jber fidler l?at 
beibes Fein fjotjes Hilter. 

Der IKolnrenroirt in fufdjl, einem Dörfdjen im Sal3« 
burgifdjen, fang mir im Jatjre 1888 einen lebhaft bewerten 
3obler r>or, ben idj auf3eidmete. €r ftcr^t in meiner erfien 
3oblerfammIung (3obler unb 3 ua ? e 3 er pou Dr. 3- Pommer, 
bei Hebay & HobitfdjeF in IPten) unter Hummer ^9. 21 Is 
idj brei 3 a ^ re fpäter bas friebltcbe (Drtcfyen mieber auf* 
fnd?te unb ben 3 0ö ^ r mit bem IPirte 3U fingen begehrte, 
tonnte er fid? besfelben nidjt mefjr entftnnen. So rafa? 
oergeljt unb oerroelft gar manches biefer luftigen £iebdjen. 
Von ben Die^eiligen, <5ftan3ln unb Sdmabaljüpfeln, mili 
idj gar nid?t reben, bie butjenbmeife bei bäuerlichen eft* 
lid^fetteit improt>iftert merben. 2Xud? bie f}iftorifd>en (Hreig* 
niffe ber legten 3 a ^ r 3 e ^ ntc riefen bas DolFslieb tferoor. 
ITT. V. Süfj bringt in feiner Sammlung von Sa^burger 
PolFsliebern einige foldje In'ftorifdje £ieber, bie burdj ben 
(Segenftanb, ben fie befingen, auefy ben Semeis ityrer c£nt« 
ftelmngs3eit erbringen. So 3. 3. Zlt. 36, D'Sa^burga 
fanbtroötjra (1809); Xlx. 37, s'(Solbögga»£iab (\8\o); tlr. 43, 
Das Kontuma3«£teb, auf bie beim Jlnsbrudj ber Cholera 
im September \S5\ an ber Saalbrücfe vorgenommene 03reny 
fperre unb bort .errichtete Föniglid? bayrifcfye Kontuma3« 
Hnftalt; 2Xx. jw, Üba b'Sal^burga ^2. Das £ieb ermätmt 
eine Heife mit bem Dampf fcfyiff nad? bem bef eftigten £iti3, 



*) Die geHer»Staritjen ift ein (im „§inFeu") bis 1.6*9 m 
fjotjer Porberg bes 6odjfd?mabs unb liegt 3mifdjen biefem 
unb ber (Drtfdjaft Zltaria*3ett. 



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— 10 - 

bie <£tfenbatm, bie von £tn3 nad> 3ubmeis ffit^rt, bte Stabt 
5al3burg unb bas llTo3artbenfmal u. bgl. Ztr. 3*, über bas 
neue (Selb (1859); Hr. 35, gmo Jtjlinga'Banan Aber 
b'€ifnbatm im 3alfre 1860; Hr. 37, s'£ofomorit> als 
(5ct3tcufl (^860), ufn). 

3n bem oon mir herausgegebenen ßeirifd?en Volts* 
liebe, „IlTei jung's £ebV, fmbet fid? eine Strophe (bie 
britte), meldte jtd? auf ben f elt^ug ber perbünbeten preußen 
unb 6f*erreidjer gegen Dänemarf im 3 a ^ re 186* bqtetjt. 
Pas £ieb lautet: 

mein junges £eben. 

IPdnn i aufbeut auf meifi junges feb'n, 
Wo i Überdll bin fdjon ummag'leg'11, 
2lfn fjeubob'n ob'n, brinn im Ktiattftdll 
Unb moa§ (Sott, wo no überäll. 

IDdnn i aufbenf auf bö fa?5m §eit, 
Wia am Kirdjtdg t^dt mi no's Haff'n g'freut, 
Koa Bua mdr ma 3'ftdrF unb fa ZKanb'l 3'refaj, 
Unb am (Edn3bob'n mar i dümeil fefd?. 

IDdnn i aufbenf auf bds <Sams'lfd)ta§'n, 
Qdb t>or b'Jaga oft bamifd? renna müaff'n, 
f^db üiel Dianb'ln g'ltabt, g'fungen fydb i g'nua, 
3n Sdjlesmig tdpfer g'rafft als Steirerbua. 

UO&nn i eppa eppa neama bufferin tät, 
IDdnn i eppa eppa a foa Sdmeib met^r Ijdtt, 
IPdnn i eppa eppa f^Stt foa ^reub 3an tbein, 
Sft is aus ba (S'fpafj, dft Idß ma's fein. 

IDorte unb tDeife biefes im beften Sinne bes Wortes 
tmmoriftif d?en liebes fyabe id? üon bem (Dberfonbufteur 
ber Subbatm, UTat^ias Knabl. 2lus berfelben (Duelle 
flammt ber ron mir bem £iebe beigefügte 3<>bler, beffen 
Heimat 2Iuffee ifr. („Steirer lieber" für rierftimmigen 
UTännerajor bearbeitet von Dr. 3- Pommer. £eip3ia. Per« 
lag ron f. €. <£. £eucfart.) Das Kärntnerlieb „3 bin ber 
(Euntfyofer" (in jüngjler §eit nadj tt>ien x>erpflan3t unb im 
(Eingltangl gefungen — ans (Eurnfyofer mürbe babei Curl» 
tjoferl) ljat 3roei ätmlidje (Sefä^e: 2. U>dnn i aufbenf, auf 
mei junges £eb'n, u>o i Überdll fdjon bin ummag'Ieg'n, auf n 
f^enbob'n unb im Kälberftäll, mag ba Gimmel no, n>o 
fiberdü. — 3. (letjtes) (Sefätj: W&nn i aufbenf auf meine 



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— u — 



jungen Jäh*/ *>te 1 f^ r Ä groß** Qallobri mär, i fo 
mändje XHdg nnb mänd?e f^älbe 3og'n, barum tnan mt 
hia3 bie tPirt no lob'n. — Diefes £teb vom Curnfyofer 
ftammt angebtid? oon Haimunb (gorton, bem mohlhabenben 
Befitjer bes (Eurnhofes bei St. Peit (ftefje *?ans Hccf^cims 
Sammlung: 222 ea?te Kärntnerlieber, §ahl \ <*«>). IPas 
war nun früher: unfer ffceirifdjes £ieb mit feiner fdjdnen, 
refignierten legten Strophe, ober bas £ieb t?om (Eurnhofer? 
Die beiben tPeifen (tnb ©erfdjteben, bod? rjat aua? bie bes 
Steirerliebes fämtnerifd?en (C^arafter. Ja? t^alte bas flei* 
rifdje £ieb für eine tPeiterbilbung bes (Eurnhofer Siebes 
mit IPeglaffmtg feines erften (ßefäijes. Der (Sebanfe bes 
HücFblidfes auf eine tolle, luftige, genußfrohe Jugenb mirb 
weiter ausgeführt nnb mit einem Ztusbltcf auf bas natienbe 
2llter gerunbet abgefd^loffen. (Pgl. bie ZT0Ü3 im Brieffaften 
unter „£ran3l" im 9. £}eft auf 5. 152 bes Jahrganges 
b. §eitfa>r. „Das beutfdje Polfslieb".) 

Denfelben Krieg für bie Befreiung Sd?lesmig»£joljtems 
hat 3um (Begenftanb bas fieirifdje Solbatenlieb r>om Jäger» 
bataillon Zlx. 9. Diefes £teb ©erbanfe id? ebenfalls meinem 
£anbsmanne Htathias Knabl. (Es beftngt ben 2lbfdjieb 
eines fteirifdjen Jägers ron Pater, HTutter unb Dirnbl, 
ben 2Jbmarfd} nad? Deutfdjlanb, bie 2lffäre bei Klofterbrutf, 
bie (Erjtürmung eines Balmhofs, bas (Sefedjt bei (Öoerfee, 
ben mit bem fteirif d?en Infanterieregiment, König ber 
Belgier, gemeinfdjaftlich ausgeführten Sturm auf ^Jriebericia, 
bie (Eroberung ber Jufel Sylt nnb ben (friebensfdjlnß. 

Jm Sommer bes Jahres *885 fanb ia> auf einem fliegen* 
ben Blatte, gebrntft unb 3U haben bei £. £. Qoffmann, „Des 
io^enannten rofenfarbenen fjanns fein Kaiferlieb"; — 
(Segenftanb: Kaifer f erbinanb nnb bas Jahr W8. — Der 
lange Peter, Knedft beim IPirte Siegel in Seeham am 
(Ernmmerfee, 3eigte mir \ssz ein qan$es Budj, ü 0 11 gef (trieben 
mit £iebern über bie (Dffupation von Bosnien unb ber 
Ber3egomina. Sqblreid? finb bie Solbatenlieber aus ben 
Kriegen 3urif djen (Öjterreidj unb Jtalien in ben Jahren \8W 
nnb (859, unb aus jüngfter Seit ftammt ein £ieb auf ben 
(Eob bes Kronprin3en Hubolf, bas mir ber Kned?t £eo 
Spannring in £anbl im (Ennstale porfang. Pon rühren» 
ber Ztaiüität 3eugt bic Wahl ber HTelobie biefes £iebes. 
Die Solbaten hatten balb herausgebradjt, baß ber Kronprin3 
einen ZTTarfd? befonbers liebe. So roenig nun bie frohe 
IPeife biefes Solbatenmarfdjes 3U bem traurigen Jnhalt 



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— \2 — 



bes Siebes pafjt, fo manu fyxt boa? bas £jer3 für ben (Toten 
gefcfylagen, bas gerabe biefer IPctfe feines liebltngsmarfdjes 
Sie IDorte unterlegte, meldte r»on bem (Tobe bes Faiferlidjeu 
prin3en e^ählen. — Unb ba fomme mir nodf einer unb 
rebe mir baoon, bafi Fein PolFslieb mehr entfielt! 4reilia> 
ift nidjt alles Heuentftanbcne mertüoll unb bauerhaft, bodj 
bas mirb früher aud? nia?t anbers gemefen fein. Tim bas 
Befte ober mas befonbers Dom gnfall begüuftigt mürbe, 
hat fta> aus ben früheren 3ahrhnnberten bis in bie (Segen« 
roart herübergerettet. — Dodj icfy gerate aus bem IDege. 
3d? mollte ja 3unäd?ft nur 3eigen, mas man unter einem 
PolFsliebe üerftcht, bamit ber 2Jlpenmanberer, ber bereit ift, 
meiner Anregung 3U folgen, aua? miffe, mas er 3U fud^en 
l^abe, unb mas ber 2luf3eia7nung mert fei. 

Vex 2Iusbru<f PolFslieb mirb nod? immer in metn> 
fadjer Bebeutung t>ermcnbet. 3 m ftreugften Sinne bes 
IPortes be3eid?net man mit biefem lUorte lieber, „bie 
aus bem DolFe felbft hervorgegangen, aus bem national* 
gemüt hcransgefungen ftnb unb biefen Urfpruug burd? ydtf&t 
unb ^orm beurFnnbenV) Was unter DolF 31t oerftehen ift 
unb melier (Teil ber (Sefamtfyeit au biefer 2Jrt poetifd?» 
mnftFalif4er probuFtion, r>on ber mir tyer fpredjen, tätigen 
2lnteil nimmt, r\aben mir im vorhergehenden bereits an» 
gebeutet, unb es fei tyev nur nod? bas fd?öne Wort Berbers 
angeführt: „PolF h e «f?t nicht ber pöbel auf ben (Saffen; 
ber fingt unb bietet niemals, fonbern fdjreit unb oer« 
ftümmclt." freute cntfterjt unb lebt bas PolFslieb in 
unferem Sinne nur mehr in jenem (Teile ber Zlatton, bem 
bie höheren getftigeu Bilbungsmittel rerfd?loffen finb. 
„21Uein biefer (Teil ift bas, roas einft alle maren, bie 
f ubftauj unb ber müttcrlid?e 23oben, morüber bie gebilbeteu 
Stäube bwäMsgemadtfen fittb, aus bem fie aber Fommen. 
Piefc Waffe mur3elt in ber alten, eiufadjen Sitte unb lebt 
ein cergleidmngsmeife nnbemufites Heben. Unb eben biefes 



*) l^ermann Dunger beftniert in H. IDuttFes „Säd?« 
ftfd?er PolFsFunbe" bas DolFslieb als ein Sieb, bas 

\. im DolFe felbft, b. h- m oen mittleren unb 
niebereu Sd?ia?teu ber 3et>ölFerung eni^tanben ift, 

2. gebädjtnismägig überliefert mirb, 

3. tatfäd?lid? gefnngeu mirb, unb bas 

in 3nhalt unb .form ber ^nfchanungs« unb 21us« 
brurfsroeife bcs PoIFes entfpriajt. 



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- *3 - 

Traumleben, biefes bämmerige IPalbesbunfel bes Volts* 
gemüts tft bie mahre (ßeburtsfiätte bes Dolfsliebes. 3n 
btefem £oben ermäct»ft jene naive Kunft, beren <5runb3ug 
bie Schönheit ber Unfdmlb ift, bie nicht fid? felbft nnb itjrcn 
hetl'gen tDert errennt." Der Dieter tritt nicht Terror, 
mirb nicht genannt, niemanb fragt nach ihm; er t^at im 
Hamen aller gefungen, benn er b\at €mpfinbnngen nnb 
<£r(ebniffe ausgef proben, bie allen gemeinfam finb. Das 
Pol! iß eigentlich ber Dichter, ber Sänger ift nur „ber 
OTnnb ber Sage", „lieber aus ber Sphäre ber be< 
mußten Btlbung, meiere populär werben nnb 
meü fie bem Dolfstone gut nachgefühlt finb, 
felbft in ben Dolfsmunb übergeben, finb barum 
nimmermehr Dolfslieber 3U nennen." (Difa>er, 
äfHj. § 892.) <2s genügt fomit burchaus nicht, mie Hie- 
mann in feinem ITCuftflertfon tut, bas Dolfslieb im engjten 
Sinne 3U befinieren, „als ein lieb, bas im Dolf entjtanben 
ift, bas h*tfjt(l), bejfen Dichter unb Komponift nicht mehr 
befannt finb". Der letztere Umftanb trifft mohl bei ben 
metften urirflichen,, Dolfsliebern 31t, ift aber boch nur ein 
nebenfächlieher. Überbies hat Freiherr uon Ditfurth in 
feiner ausge3eichneten Sammlung fränfifdjer Polfslieber 
bei einer 3temltcfc»en 2ln3af?l von Siebern bie perfon namhaft 
3U machen vermocht, meldte bas lieb erfonnen hat. €in 
fjanbtverfsgefell, ber ausgemanbert ift, ein Sdjmieb, eine 
fjanbarbeiterin unb anbere leute aus bem Dolfe merben 
ba als Sa>öpfer vorgeführt. Unb mir felbft mürbe auf 
meinen Sammelreifen ba unb bort ein Burfdje ober ein 
ITtäbcheu genannt, von benen es in ihrem Dorfe befannt 
mar, ba§ fte „lieber machen" fönnen. 2lnberfeits gibt es 
viele lieber, benen man in IDort unb XDeife anmerft, bafj 
fte ben Kreifen ber (Sebilbeten entflammen, obmotjl fte vom 
Volte aufgenommen morben finb unb von ilmt austvenbig 
gefungen merben in berfelben einfachen IDeife, mie es bies 
mit feinen von ihm felbft erfunbenen liebern tut. Der 
Komponift unb meift auch ber Didier ift vergeffen. Da- 
burch alfo tvirb ein lieb noch feinesmegs 3um mirf liehen 
Dolfslieb. ^offmann von Fallersleben hat für foldje 
lieber ben Hamen „volfstümliche lieber" in Sdm>ang ge- 
bracht, in feinem fchätjensmerten Suche „Unferevolfs- 
tfimlichen lieber" ein De^eidmis von über taufenb folgen 
00m Dolfe aufgenommenen Kunjtliebern mitgeteilt unb ver* 
fncht, ben Dichter unb Komponiften nach3umeifen. Der ver- 



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— I« — 



bienftoolle PolFsliebforfdjer jTan3 Magnus Böfjme Ijat 
im 3abre *895 bei BreitFopf & Härtel in leip3ig einen 
über 600 Seiten ftarFen ^oliobanb erfa?einen laffen unter 
bem Citel: PolFstnmlid?e lieber ber Deutfa>en im 
18. unb \9. Ja^rt^unbert. Der Banb enthält 780 fold?e 
lieber mit ifjren IHelobien. Da mag man benn nadjfetjen, 
toas bas für lieber finb, benn beffer als jebe Definition 
belehrt bas Stubium oieler Beifpiele. (Einige foldje oolFs- 
tümlid?e lieber mögen tjier genannt fein: „Die IPadjt am 
Hinein"; „Stimmt an mit gellem, fyotjem Klang"; bas 
„Hbdnlieb"; „Sa}lestDig«£}olftein, meerumfa?lungen"; „Der 
(Rott, ber (Eifen mad?fen lieg"; „IPenn aüe untreu toerben"; 
Der fajtoäbifaje Hilter an feinen Sotm („Sohn, ba fjaft bu 
meinen Speer"); lieb eines lanbmanns in ber ^rembe 
(„(Traute ^eimat meiner lieben"); (Etoiger lPed?fel („<£$ 
fann ja nia?t immer fo bleiben, ljier unter bem toedjfeln* 
ben ITIonb"); „i^ans unb liefel"; „2la>, wenn bu toärft 
mein eigen"; Das ^e^leib („IPia i bin Damianen 3U mein 
Dianbl gfa)lia)en"); „So leb benn wo^l, bu ftiUes fyms"; 
„Wenn bie Sajtoalben fyeimtoärts 3iefjen" ufto. Sold?e 
lieber gelten oon ITTunb 311 IHunb, oererben fid? oon <5e» 
djleajt 3U ö3efa>Iea7t unb toerben fnebei mob.1 aua> oom 
tngenben PoiFe in feinem Sinne unb ngd? feinem <5e« 
djmacfe unb Können umgemanbelt (biefe Ünberungen ftnb 
meift matjrbafte Perbefferungen, ogl. H. fjilbebranb: 
„Kunftlieb unb PolFslieb", in ben Materialien 3ur 03efd?. 
b. beutfajen PolFsliebes), olme besfjalb aber 3U toirFlid?eu 
PolFsliebern 311 toerben, toeil ilmen boa? immer bie fjaupt« 
fad?e fetjlt: bie rtaioität, Urfprünglid?Feit unb KinbiidjFett, 
fur3 bas unbewußt poetifa>e. So fjörte idj \89\ in bem 
Dorfe ^ufd?! oon bem lanbFrämer in <Sefellfa?aft oon 
Bauern auf bem See bas fentimentale lieb „IPie bie Blüm« 
lein braußen 3ittern' M ) in länblid?er 2Irt fingen. (Slaubt 
jemaub toirFlia>, baß bas meinerlid^rüftrfelige §eug babnrd? 
3um PolFslieb geworben ift?l IPie Fur3lebig überbies 
biefe 21rt oon liebern ift, geftetjt Böhme im Portoort bes 
genannten IDerFes felbft 3U, inbem er einbeFennt, baß 
oon ben oon fjoffmann oon Fallersleben aufge3äb l lten, u*2 
als oolFstümlid? be3eidmeten liebern in ber (Begemoart 
Faum noa? Imnbert im PolFe leben. 



*) Pf. <L 0. Sternau «Dtto 3ulius 3nFermann). IPeife 
oon 2Jug. IPagner. 



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— \5 — 



<Dft nennt man audj einfädle lieber, roeldje uolfsmäfjig, 
b. f). fd?li<b,t unb letdjtfapa? in DTelobte unb fjarmome 
fomponiert ftnb, Polfsheber. Die meiften Kompofitionen von 
5 i leb er gehören f^ier^er, manage ponjlnien jtnb 3U polfs« 
tümha)en fiebern geworben, wie 3. 8. Snnajen uon dtjaran, 
bie £orelei u. a. 2lud? uon itmen ift hjer nidjt bie Hebe. 

Das bentfdje Polfslieb ift ferner, roie fdjon ermähnt, 
„ntdjt ber (Saffenfyauer, ben ber pöbel in ben Strafen 
jofylt, es ift and? nidjt bas Polfsfängerlieb , bas im (Tingel- 
tangel von ben Brettern, roeldje bie tPelt — nidjt bebenten, 
ans Reiferen Kehlen erflingt, es ift aber audj nidjt bas 
platte, getft» nnb gemütlofe, mit falfdjer Sentimentalität 
ober feilten IVifyen fyerausgepntjte Surrogat, bas fogenannte 
,£ieb im Polfston'." (gmeite tflugfdjrift: gur Kennt, 
nis nnb pflege bes beutfdjen Polfs liebes ron Dr. 3°^ 
Pommer.) 2ln anberer Stelle (Deutfdje geitung Pom *7. 
(Dftober 1895) fagte ia? über biefe angeblichen Kärntner* 
ober Steirerlieber, bie unter Porantritt dfyomasKofdjats 
uon (ßauby, Blümel u. a. in erfd?recfenber 2Jn3afjl 3U 
CTarfte gebracht werben, folgenbes: „(Es ftnb bies feine 
magren Polfslieber, fonbem trielmeljr redjt gefäfyrlidje 
f einbe bes edjten Polf sliebes , n>ie jebe Ztacb,atmiung ein 
(ßegner bes Urfprfinglidjen ift . . . So wenig ber (Erwadjfene 
imftanbe ift, bie verlorene Unfd?ulb feiner erften 3ugenb 
mieber^ugeminnen, fo wenig man fidj mieber fünftliw, nah? 
unb finblid} machen fann, ebenfowenig fann man ein 
wirf licb.es Polfslieb fdjreiben." Der berühmte ITTufif« 
tljeoretifer 2lbolf Bernljarb ITCarr, äußerte ftdj fdjon 
1837 in feiner £efyre t>on ber mufif alif djen Korn» 
pofition I., 378, wie folgt: „(Es barf faum ermähnt wer» 
ben, ba§ mir unter bem Hamen Polfslieb nur bie IPeifen 
begreifen, bie wirf lieb, im Polfe gelebt fjaben, nidjt bie, 
meldte irgenb ein Komponift gut ober fd?led?t im 
Sinne bes Polfes perfertigt r>at. Solare gemadjte 
Polfslieber 1 ) mögen einen fünftlerifd?en IPert traben, weld?en 
fie wollen; immer febjt ifmen bas eigentliche XPefen, fie 
Ijaben nidjt im Polfe gelebt unb finb nidjt fein (Eigentum 
geworben; bas Polf fjat ftdj nid?t in itmen eingewöhnt unb 
fte finb nidjt ftnn« nnb ftimmgeredjt gemalt, es t^at nidjt in 
Urnen gelebt unb feinen Sinn, feine Seele in fte hinein* 



*) 3rrtümliaj unb irrefnfjrenb fo genannt. Dr. p. 



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gefunden l Per 2lnteil, ben bas DolFslieb uns abgewinnen 
Fann, ift fo widrig unb bilbenb, baß fein 3ünger ber 
(EonFuuft oerfäumen follte, fidj mit bem PolFslieb ernftlid? 
3U befdjäftigeu , unb 3war nidjt um es nad^uatftneu 
— bas ift eitel — , ober gelegentlid? eine PolFs» 
weife in eigenen IDerFen an3ubringen — bas ift 
gering — , fonbem um tiefer in bie Seele feiner 
Kunft ein3ubringcn." 

Über bie PolFsliebfurrogate ber legten 3 a fy r 3 e »? ntc fäüt 
Dr. Otto (Elben in feinem im Auftrage bes 21usf dm jf es 
bes Peutfdjeu Sängerbunbes gefd>riebenen gefdnd?tlid?eu 
lUerFe „Der PolFst ümlidje beutf d>e IHänuergefang" 
((Tübingen, 1887, bei £aupp) folgenbes treffenbe Urteil: 
„3n bas Kapitel von ber Überflutung gehören aud? in 
neuefter §eit bie l>olFslieber ein3elner (Sebiete, namentlid? 
ber illpenwelt, welaje gerabe3U gewerbsmäßig fyer» 
t>orgebraa?t unb auf ben UTarft geworfen werben. 
Pie tiroler, fteiermärFif d?eu unb Färntnerif d?en DolFslieber 
tjaben in ber (Sunft bes großen publiFums eine fiegtjafte 
Beliebtheit 311 re^eidmen , wie fie gerabe3u unerhört ift. 
(Es fdpeint, baß ber eigeutümliaS gemütlidje PialeFt ber 
öfterreidnfdjen lieber unb ber uufere §eit erfüllenbe all» 
gemeine §ug nad) ben 2Upen, ben Kof d}at\a)en unb feiner 
(Scnoffen (Eonfä^en fo weite Perbreitung gefajafft bat. 
3tnmcrtnn märe biefe, eine Selmfudjt uaa? bem (Semüt« 
lidjeu unb (Einfadjeu befuubenbe (Erfdjeinung in unferer 
geit erquirflid), menn niebt biefe gemalten DolFs* 
lieber 311 gutem (Eeil fo gar füßlidj fcfymadjtenb 
unb meidjlidj mären! Sie fi ub <Er3engnis ber 
IHobc, fieoerbalten fid? 311m edjten DoFslieb etwa 
wie eine 33ellinifd?e 311 einer HT03 a r t f d>en (Dperl" 
XTamentlidj uufere trüber aus bem Pentfdjen Hetäre 
muffen tyier auf ifyrer £>ut fein; fie jtub gar leid?t 3U 
täufdjen. Pie itmen frembc Ittunbart 3iefyt fie an, bas edjte, 
urmüa?fige, gefunbe, fcrnfrifdje, älplerifdje PolFslieb Fennen 
fie meift nidjt, unb ba nimmt benn manajer mertlofe Spiel» 
marFen für ed>tes (Solb. 3°? tonn nur jeben, ber unfer 
alpenlänbifdjes , im DolFe felbft entftanbenes £ieb Fennen 
lernen will, auf bie wenigen aitsge3eidmeteu Sammlungen 
edjten alpenläubifd>en PolFsgutes rerweifen. (Es ftnb bies 
bie Sammlungen: 222 edjte Kärutnerlieber, gefammelt 
unb für rier HTännerftimmen gefegt i>on ^ans Herfb^eim 
(Derlag bes Peutfd?eu DoIFsgefaugoereines in ICHen), 



— 17 — 

(Öfterreidjifdje Polfsmeifen (aus ©beröfterreid?) in 
einer 2htsu>ahl von £iebern, 2Upenmelobien unb (Tä^en, 
gebammelt oon meilanb 2lnton Hüter von Spann, 
XPien, bei ITTan3 (leiber nur mehr antiquarifdj haben), 
<Dfterreid?ifa>e Polfslieber (aus ttieberöfterreid?) mit 
ihren Singmetfen, gefammelt unb herausgegeben von 
J. Cfdjtfdjfa unb 3. HI. Sa>ott?y (IPien, bei Qart- 
leben), ebenfalls vergriffen, unb Qeiberid? unb peter* 
flamm (brei ^efte), 25 fteirifdje Polfslieber, gefammelt unb 
eingerichtet für Klaoier mit unterlegtem Cejt r»on Pictor 
garf (<8ra3, bei (Eenbler). 3- Süefj: Polfslieber 
ans Sal3bnrg; (f. Koljl: CE t e Cirolerlieber; 
Deutf dje unb Deutf a?öfterretd}if aje Polfslieber, int 
Auftrage bes D. P<5. P. herausgegeben son Dr. 3« Pommer 
Wien, bei 21b. Hobitfdjef); $ lugf d?riften sur Kenntnis 
unb pflege bes beutf a?en Polf sliebes, herausgegeben 
00m Deutfdjen Polfsgefangoerein in IPien. £Der nnfer 
edytes, älplerifdjes Dolfslieb fennen lernen roill, muß biefe 
XDerfe ftubieren, anbers geht es eben nid?t, menn man 
eine 2lnfa?auung t>on ber Saaje bekommen null. IPer ftaj 
aber biefe mühe genommen h^t, ber ftnbet fidj reidj belohnt. 
€s geht ihm eine neue IPelt auf, con beren Dafein er bisher 
feine ähnung hatte. Jür Kofdjat unb bie anbern „Polfslieb« 
madjer" nrirb er fia? allerbings ben (Sefdjmacf grünblidj 
t>erberben. €s mirb ihm (ein, als ob er com Baume ber 
£rfenntnis gegeffen hätte, unb er mirb oon nun au unterfdjei« 
ben fönnen 3n>if djen gut unb böfe, 3tt>tf djen edjt unb uuedjt. 
Diefes Unterfdjeibungsoer mögen ift Saa)e bes (Sefühls, unb 
id? fyabt an ben Ittitgltebem bes r>on mir in IPien vor 
ad?t3ehn 3<*tlKft ins £eben gerufenen Deutf d?en Polfs« 
gefanguereines, ber ausfdjliefilid? bas edjte Polfslieb 
pflegt, bie erfreulidje Erfahrung gemadjt, bafj faft alle 
Diejenigen, meldje im Dereine burdj ein, 5mei 3 a *? rc oas 
roirfltdje, edjte Polfslieb gehört unb gefungen haben, Sinn, 
Perjiänbnis unb <Sef dnuaef fo cerfeinert unb gefajärft 
hatten, ba§ mau ihnen nidjt fo leidet mehr uuedjte für 
ed?te tPareu auffdjmatjen fann. (Eine Definition, unb märe 
fte noa) fo fdjarf unb grünblidj, hätte ben gleiten (Erfolg 
mohl faum gehabt. 3ob" Weier behauptet in feiner 2lb. 
hanblung über bentfa)c unb nieberläubifaje Polfspoefie 
((Srunbrifi ber germanifdjen Philologie, heraus» 
gegeben r>ou I7 ermann Paul, 2. 3anb, \. Abteilung, 
Seite 751 ff.) fogar, baf$ man eine ftreuge Definition bes 

12. $lugfd?rift. 2 



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- \8 — 



DolFsliebes nod? uidjt 311 geben permöge, „fo ba§ man bei 
ber Beurteilung nur auf bas (ßefü^I angeroiefen ift, bas 
jeboa? ben Kunbigen feiten täufabt". 1 ) 

Prei Schriften möchte id? fa?liejjlid? nodj als förber» 
lidj für bie Klärung bief er Begriffe empfehlen: leben unb 
fühlen im beutfa?en DolFslieb von Dr. 21 b 0 i f 
i^auffen (Sammlung gemeinnütziger Porträge, fyeraus» 
gegeben com beutfa?en Derein 3ur Verbreitung gemein« 
tiit^iger Kenntuiffe in Prag) unb r>on ben fing fajrifteu, 
weldfe ber beutfaSe DolFsgeiangrerein in IDien 3ur ^örbe« 
ruug ber Kenntnis unb Pflege bes bentfa?en DolFsliebes 
herausgibt, befonbers bie erfte : Pas öfterreidjif dje 
PolFslieb von meilanb 21nton Hitter von Spaun mit 
einem Hochrufe ron 2Jba Ib er t Stifter, unb bie fünfte: 
„tücgmeifer burdj bie Literatur bes beutfd?en 
DolFsliebes". jätr bie Kenntnis besnia?t alpenlänbifd^en 
beutfebeu DolFsliebcs finb befonbers lehrreich bie Dorrebeu 
3ur Sammlung fd?lefifd?er PolFslieber von ^offmann r>on 
Fallersleben unb <£rnft Hilter, ferner in (Ernjt 
<S. IPolframs Ilaffauifd?eu PolFsliebent, unb namentlich 
in ber febon genannten, trcfflid>en Sammlung fränfifdjer 
DolFslieber bes ^reiberrn con Pitfurth- flicht 3U vev 
geffeu finb bie fd^arffinnigen unb feinempfunbenen €r» 
flärungen beutfeber DolFslieber in Dilmars „fjanb* 
büdjlein für freunde bes beutfdjen DolFsliebes" 
unb bas Flaffifa>e Wevf „2llte hodj» unb nieberlänbif d?e 
DolFs lieber" (mit 2lbhaublung unb 2Inmerfungen), 
herausgegeben ron £11 b tu ig Urlaub (leiber ohne JTlelobieu), 
enblid? bie breibaubige Hiefenfammlung „Peutfdjer 
£ieberhort" oon <£rF unb Böhme. 

Hub nun narfj öiefen für eine „piauberet" roohl etmas 

*) 3 rr ^i ift bie Behauptung IV. Saferer s in feiner 
Siteraturgefdn'djte (S 25^): „(Ein anberes Ken^eidjen bes 
DolFsliebes als meite Verbreitung unb allgemeine Beliebt« 
heit gibt es nicht." <£s ift bies" eine falfd^e Anficht, bie 
fieb nur aus Scberers tatfäcblidier UnbeFanntfd^aft mit ben 
lebenbigeu, gcfuugeueu, ntdji in „DolFslieb-fjerbarien" auf» 
gcftapelten PolFsliebcrn crFlärt. IVev bas neuere DolFslieb, 
namentlich unfer älplerifd^es, mirflia? Fennen lernen mill, 
muß es 3UDÖrbcrft fingen hören unb womöglich felbft fingen ; 
einen anberen Weg,, 3U feinem mirflid^en Derftäubnis 3U 
gelangen, Fenne id> nicht. Per (Eert allein tuts nta?t! 



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- 19 - 



3ii fdnueren gelehrten Zluslajfungen enblia? 3U unferem 
eigentlid?en (D?ema: „Wie man ein Polfslieb finbet." 
^uerjt einige öeifpiele baoon, was alles an Polfspoef ie 
in unferen 2Upen 3U finben ijt. Diefe Seifptele follen 
3etgen, tuona^ gefudjt werben fann unb foll. 

2lm elften wirb ber ^rennb ber Serge in bie Sage 
fommen, jaucfoen 3U tfören. Unter 3aud?3ern, 3ua?e« 
Sern 1 ) (audj 3 ua ?i3 ern )f 3 u 3 crn t>erftetjt man 3ud?fa>reie, 
2ln» ober €d?orufe, meldte tjart an ber <Sren3e bes llTufi* 
falifajen, 3mifdjen 3obler unb unartifuliertem Sdjrei in ber 
ITTttte fielen unb fidj besljalb audj fefjr ferner 3U Papier 
bringen Iaffen. Sie merben in möglidjft fyotjer läge in bic 
Serge tjineingerufen, entmeber um bas €djo 311 werfen ober 
um bie 2lnmefenfieit Fimbpgcbcn, bas Kommen an3umelben, 
fidj gegenteilig 3U oerftänbigen, mofjl 01107, um noaS aus 
weiter Jfeme einen 21bfdjiebsgru§ 311 fenben; 3 33.: 

Der ^allftätter 3» a ?^3cr. 
Der Sua: 

§d - ba • rd s ba . rd = bd! 



Das Dirnbl (als Antwort) : 




3 « be s ri • bi « ri * tn'l 



Dom Hogfelb bei Qaffein. Dura? prof. Dr. 21 BdfTer 
überliefert. 

tDenn man biefen prächtigen 3 ua ? c 3* r / roic es am 
oberen Sanßbatbfee g?tan, in bie f elswänbe btnetnruft, fo 
oertjallen bte fui^en Übergangsnoten, unb wie ferner (Drgel» 
ton tjaüt ber Dreiflang, in feineu Seftanbteilen pielfad? 
wiebertiolt, ©on nah. unb fern in wed?feinbem Spiele 3urücf. 

l ) Die erjle Silbe ift 31t betonen. 

2* 




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Der (Dffenfeer -3ud?i3cr. 




3 = jit rju Im rj» tml 



Der Studierter 3ud?e3er. 
Seife unb langfam. 

3« s t ljä » be » ri = ä\ 
Darauf folgenb: 




3n » i ri - l}d«be ^ ri=d. 



3d? trotte am 28. 3uni 1890 bas Studiert beftiegen 
unb in ber Sämglfürte bes beutfdjöfterreidjifdjen 2I(pem>er* 
eins (bie fpäter abgebrannt tft) übernadjtet. 3<*? f? atte noa ? 
nid?t lange gefa>lafen, als id? burd? ben noranfteffenben 
3aua73er gemeeft mürbe. ZHit beiben Betneu 3ugleid? aus 
beut Bette fahren, £id}t madjen, Bleiftift unb Ztotenpapicr 
tyerporfudjen, mar bas Wext einiger 21ugenblide. Unb fo 
gelang es mir benn andj, bas (Sefyörte fefouljalten. Der 
Burfdje, ber ben Huf ausgeflogen trotte, mar mit feinem 
Sdjatj um 3 Itfyr morgens aus Spital am Semmering 
Ijeraufgefommen unb ftrebte bem (Gipfel 311. Der 3od?e3er 
mürbe nidjt mefjr mieberljolt, unb id? tjabe ilm and? feittfer 
nie meljr gehört. Wk ia> am nädjfteu (Eage erfuhr, mar 
ber „Hufer" ber „Bua von ber BreAelfeufayn", ber Sohn 
ber „^aar'Diftl" in Spital gemefen. Bei folgen (gelegen* 
Reiten tyeifjt es flinf fein, "benn auf fein (Sebäajtnis Sarf 
man ftdp nidjt rerlaffen. ibotfte man mit bem 2Iuffdjreiben 
bis 3um näd?ften (tage wavien t mürben bie meijt febr 
originellen unb fdjmer 311 bel^altejiben 3Nä?C3<* mofyl faum 
genau roiebergegeben werben fömteit. — €in anbermal 



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— 2\ — 



madfte idj von $ nfd?l im Sa^burgifdjen aus einen Spedier« 
gang buraj bie (Elmau über ben beroalbeten Hücfen bes * 
ÖElmauerffeins 3ur Straße, n>eld?e uon Sa^burg nadj St. 
(ßilgen fütjrt. Da fjörte ia> im Cale jaudtfen; idj ant« 
»ortete aus bes IPalbes Statten bem Huf er, fo gut id? 
tonnte, mit bem gleia>en Hufe. Das rei3te ben Surften, 
unb er rief einen anberen, fdm>ierigeren 3aud>3er 3U mir 
herauf. 3 0 ? Wieb it^m bie Antwort md?t fdmlbig unb 
wanbette babei meines IPeges meiter. <£r 30g im Cale 
unter unb hinter mir nadj unb ließ, cermunbert unb burd? 
meine jieten Antworten gerei3t, 3 u dje3er auf 3 u d? e 3 er » 
einen fdjöner unb fdjnneriger als ben anberen, erf djallen. 
€r almte n>offl nidjt, baß ber IKann, ber für fein Auge 
nnftdjtbar über ifnn im XPalbe balnnmanbelte, auf in aller 
(Eile 3ufammengef nagten papterblättdjen alle ifym 3ugerufenen 
3ud?fa>reie rafdj auf 3eidmete. l ) — Das ift eine trefflidje 
Htettfobe. ben Seilten itjrc 3ud?e3er 3 U entlocfcn, inbem mau 
fte in einen 3ud?e3ermettftreit üermitfelt, leiber lägt fte ftd? 
nur feiten anroenbeu. (Dgl. „3udje3er ber Blafenbirn» 
Sefferl, D. b. Dl. IV, S. 1*2.) 

Ungefd?ufter hatte idj es einige 3 a ^ re früher (1889) 
angeftellt, als idj vom Königsfee aus 3ur (ßotjenalm auf 9 
ftieg. Sdjon eine Diertelftunbe unter ber fjöhe bes Alm* 
bobens fafy idj am Hanbe eines Abfluges, unter bem ber 
ll>eg Einläuft, ein merf mürbiges , einem mit Hebelarmen 
oerf ebenen Sdjöpfbrunnen ätmlidjes (Serüfte. An ben beiben 
€nben bes 3weifeittgen fjebcls faßen 3mei ^irtenbuben unb 
f^aufelten ftdj in fdjuunbelnbe fjöbe, olme ben neben ilmen 
gälmenben Abgrunb 3U beadjten. Solaje toUFärjne Suben 
muffen audj» gut jobein unb juebejen fönnen, badjte id> 
mir. 211s icb bei ibneu oben angefommen u>ar, t^teg id> 
fic oon ihrer Sdjaufel I^crabjicigcn unb forberte fie auf, 
mir ehuas ro^uftugen ober bod? Dor3ujobeIu. „Wit Fönnen 
uidfts," mar bie in foldjen fällen ftets gehörte, verlegene 
Antwort, unb alles fragen, bitten unb Aufmuntern brad?te 
Feinen Sterbenslaut aus ihrer Kettle. Da marf tdj benn 
ein paar tticfclftücfe in ben Sanb unb perfprad? fte bem* 
jenigen, ber ben fdjönften 3 nd ?f c *? re i I?ören ließe. Aber 
felbft ber fdmöbe HTammon fonnte iln* Sd?meigen nia>t 
brechen. 3e£t erfd?allte plöt$üdj hinter meinem Hütfen bie 



l ) mit einem Phonographen ließe fidj foldjen improoi* 
fierten 3»d?*3*nt nid?t beifommen. p. 



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— 22 — 

• 

Stimme eines alten v fraud?ens: „H?enu tljr fo bumm feto. 
• fo merb' t^alt ict^'s oerfudjeu, menn's ber ^err erlaubt. " 
2Us \a) ber ältlicben ^rauensperfon anftdpttg mürbe, Der» 
fprad? id? mir nicfyt mcl bavon unb rnelt bie Zlitfelftücfc 
für rjiuausgeroorfen. Pod? ba ^tanb bie 2Jlte fd?on am 
2lbgrnube unb rief 3ur (Softenalm funab unb 311m f^otjen 
(Söü hinüber mit retner unb Fräftiger Stimme in rjödjfter 
(Tonlage einen 3üud?3er nadj bem anbern in bie £üfte. Pic 
befieu berfelben Faun man in meiner Sammlung: 252 
3 ob l er unb 3 ua ? c 3 cr (Wien, bei 2lbolf Hobit|'d?eF) auf 
Seite 205 ff. unter ZU. u bis \6 nadjfeljen. Pas (fraudjen, 
bas fo präa?tig jud^eu konnte, mar bie ^örftersmitme 
(Sertraub Ittobcregger aus 23era?tesgaben , meldte auf ber 
(Sot^eualm 3ur Sommcrfrifdje meiltc. 3d> trug nid>t mir 
ityre 3udje3er forgfältig niebergef abrieben mit nad? i}aufc, 
fonbern merfte mir and? für ein nädtftes Ittal red?t gut 
au, mie mau es nidjt aufteilen bürfe, menn mau oon 
fyrtenbuben ctmas tjeransbefümmen mill. Zlls idj mit ber 
alten £tan ber 2llml|ütte 3umanbelte, in ber bamals nodi 
bie fa>önc Sepfyerl regierte, ba beFamcu aud? bie Buben, 
bie bei irjrer Sd>auFel 3urü(fgeblieben maren, auf einmal 
ifjre Stimmen mieber unb jaud^teu nun and? ungebeten unb 
11nbe3ab.lt 311m Violen (Söll hinüber. Per £>err, beffen Häbc 
fie frurjer rerfdn'icfytcrt rjatte, mar im ^Ibgernm begriffen, 
ttjr (Etjrgci} mar gemeeft, unb nun mollteu fie ^eigen, ba% 
fte es mit ber Jörftersmitme fa?ou noa? aufnehmen Fönnten. 
— (Seliugt es, ben (El?rgei3 ber £eutc 311 meefen, bann 
fudjen fie fid? meift in eifernbem JUettFampfe 31t überbieten, 
unb ber Sammler fjat oft alle ^anbe coli 3U tun, um mit 
bem 2luffd)reiben uadjFommen 3U Fönnen. 

Pie fd?öne Sepljerl fatj idj bamals im freien gemaubt 
unb anmutig itjre fie t>on allen Seiten bebrängenben Kütye 
tränFeu. 2Jbenbs Famen bie Sennerinnen aus ben ZTadjbar« 
Kütten fyerbei unb tan3ten in bem engen Küdjenraume mit« 
cinanber unb mit ben tyrtenbuben ein Stnubcbcu lang; 
bie (Eau3inufiF beforgte ber (Saisbub mit feiner IHunb» 
Ijarmonifa, — aber fingen unb jobein tjörte tefy Feinen (Eon. 
Pen (Sefang pflegen bie Sennerinnen auf ber (Sotjenalm 
itidjt mein*, r»erfid?ertc midj v f ran ZITobercgger. 

Zlidjt fo häufig mie jud^eu Faun man in unfereu 
2Jlpcu jobein rjören. Pas au 3°&k rn retdjfte £anb ift 
motyl bie StciermarF, bann folgt Sirol unb (Dberöfterreid?; 
bas fo Iicbcrreidje Kärnten ift au 3obIcru faft bas ärmfte 



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— 23 - 



2Jlpenlcmb. — €s follen nun einige 3°blerprobeu folgen. 
Unter 3 ob ler rerfteljt man eine meift im 8 / 4 (Eafte ein« 
tjerfdn-eitenbe IDeife, meldte u>ie faft ein £ieb, jebod? olme 
3ugrunbegelegten Safctejt auf blofje 3oblerftlbeu nnb 
•IDorte gebaut ift. Oft nähert ftd? ber 3obIer ber 
£iebform, öfter nodj bem (Can^e. (Er tritt foroofjl felbft= 
jtänblid? auf, als audj oerbunbeu mit Biebern; in biefem 
^alle bilbet er gemötmlidj beu Sdjlujj. mitunter flnbet er 
fia? aud? in bie IDeife eines Siebes eingefdjaltet cor. Per 
3obler roirb einftimmig ober me^rftimmig gefungen („gc« 
jobelt"); am rfäuflgften ift bie 3meiftimmige (form; Riebet 
enthält bie tiefere Stimme gemöifnlid? bie l)auptmelobie, bie 
rjörjcrc Stimme, ber fogenannte Überfdjlag, bie meift um 
einige (Eafte fpäter eintritt als bie Uuterftimme, Ijat ben 
(Ifyarafter einer Begleitung. (Eine IHelobie burdj eine 
3meite, tjöljer gelegene begleiten, nennt man überhaupt 
„Überfd? lagen". So roerben faft alle Kärtn er lieber in 
btefer eigentnmlidjen 21rt, b. lj. mit ber begleitcnben Stimme 
in ber tjödjften £age, gelungen. Piefes Überfdjlagen ift 
aber nidjt ausfdjltefjlidj färutnerifd? ober nur bem 3ö^ler 
eigen, fonbem flnbet fid? fefyr fjäufig aud? außer Kärnten 
bei bem älplerifdjen Dolfsliebe, namentlid? in Steiermarf 
nnb in (Tirol. £fyarafteriftifd? für ben 3<>blergefaug ift es, 
ba§ bie tieferen (Eöue ber ÜTelobie mit ooüer Stimme, „mit 
ber Brnft", bie fjötjeren jebodj mit ber fogenannten fiftcl 
herausgebracht merben muffen, hierbei gilt es burcfyaus nidjt 
als geboten, biefen Übergang aus ber einen Stimmart in 
bie anbere unmerflicr» 311 machen, „bie Kcgifter aus3itgleid?en", 
im (Segenteile, mau lägt Siefen Übergang uamentlid? bei 
(Eonfprüngeu r>ou größerer IPeite fogar abftditlia? beutlid) 
tjörbar merbeu. Per 3°belube empjtnbet babei beu foge* 
nannten Sdjlag in ber Kcfyle. 3 C työtjer ein folcfyer 3°^ cr 
angeftimmt mirb, befto fd?öner fliugt er. 3^? ^ a ff c 3unäcfrft 
einen einftimmigen 3<>bler folgen, beu beim „(S'rafii'dmoat'n", 
in bem (Sipfel eines Saumes fya'ngenb, mit Dorliebe 
21ubreas Sdmeebcrger ber ältere 3U Glittet im ^\d\ak, öcr 
Dater bes jetjigen 1 ) IDirtes gleiten Hamens, 31t jobeln 
pjlegte. Unter „ (S'rafjf dmoat'u" ift fyer bas 21bi?aucn bel- 
üfte oon Habel^ol3bäumen 311m §roerfe ber Streugcminuuug 
perjtanben. Per 3obler iantei wie folgt: 



l ) Piefer liebfrofje Mann ift fettfyer ebenfalls ge* 
ftorben. 



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— 2* — 



Beim (S'ragf djnoat'n. 



Sangfain. 



Hafdjer. 




Jjd » rd-i • d«i = d*i fjd=bi = i»bi • d»t* 

■4-*- T — (-# 




d » t - bt > d = i » d ri *bi = d = i « l}d * i • d • t = & . i 




ljd=bi « i = bi • d-i * d • i»bi • d = i = d! 



Diejenigen Hoteu, melaSe „in ber (fifiel" gefunden 
roerben muffen, habe id> burd> ein barübergefe^tes Sternchen 
fenntlid? gemacht. Per 3obIer ift für eine ntänncrjtimme 
notiert, würbe von einer folgen gejobclt alfo um eine 
(Oftare tiefer Hingen, als er gefdjrieben fielet. tTatürltd? 
barf ber 3°bler aber ttidjt fo tief angeftimmt werben, benn 
ba mürben bie fjöljeren töne faum mit ber j-iftel heraus* 
gebraut werben fönnen, fonberu er muß in einer b.öperen 
£age, etwa in f- ober g-dur genommen werben, alfo als 
ob er für eine Ittä'nnerftimme wie folgt notiert märe: 



21% fpr edjen itt ber fiftel, wenn mir eine IDeiber« 
ftimme uadjaljmen mollen. 3 eöer HTann beftfct bie fä'fn'g» 
Feit, in ber fiftel 3U fingen, nur finb biefe QCÖne bei bem 
Ungeübten rautj unb fa^mad?. lücr bas ^iftelfingen lernen 
will, mufj es 3uerft rea?t leife oerfudjen. Sei fortgefetjter 
Übung merbcu bie ^ifteltöne tjell, rein, wofylflingenb unb 



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— 25 — 

voll. 3dj f elber ifabe biefe „Kunft" erft im 2llter von <*o 
3afyreu erlernt, als es fidj mir forum tjanbelte, ben £anb* 
lenten, olme ausgelaa>t 311 merben, basjentge, mas idj mir 
auf gef abrieben f^atte, 31U probe genau fo nadftufingen, une 
fie es mir porgefungen i\aüen. IHeine <Seroanbtf}eit im 
Zlieberf djretben unb bieje ifätngfeit, alles genau fo nadtfn» 
fingen, mie id? es con itmeu gehört b,arte, erregte if^r 
Staunen unb ifyren Beifall. Wie oft fjörte td? ba ifyr 
ftaunenbes: „(Er fydt's fa?on bav&dt", b. tj. es ift ifjm fd?on 
gelungen, bas Dorgefungeue fefoufyalten unb aufeufdjreiben ! 
XHefer beifällige Huf bes (2rftaunens 3eigte mir jebesmal au, 
ba§ id? meine £eute in biejenige Stimmung perfekt blatte, 
in ber ilmen etmas einfiel unb in ber fie leidet unb freubig 
hergaben, u>as fte au Hoblern unb bergleid>en mufifalifdjem 
Dolfsgut befagen. 



(Ein auberes ^eifpiel eines einftimmigcn 3°M cr s: 




II * ma=bum unb dl=le mit«etn-dub unb fyd'i 




ja - 1 = ja bd«t ja ^ i « ja. t}d«i jd bu = i-ri»bi 



jd bu-i=bi«a l]d«i « ja bd4 • jÄ«t * jd ljä«t - 

jd bu = i»bi*a fyd » i. 

Miltenberg bei Zlenberg (Steiermarf). 



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— 26 — 



Dr. Tinton Wevie tv$äfylt in feiner roertoollen Samm* 
lung jtetrtfd?er 2llpenlieber, mit Hamen „2Umraufd?" (<ßra3 
\8SQc, Perlag von 3°f c Pty tftenretd)) von biefem jobler 
folgenbes <Sef djid?tdjen : „Sei bem ^eftmaljl, roeld-es am 
3uni 1829 unter freiem Gimmel im (Sorten 3U (Eggen* 
berg bei <Sru3 3ur ^feier bes sefwjäljrigen Seftelfens bei* 
lanbmirtfd}afts=(ßefeUfa}aft ftattfanb, erfjob 3U (Enbe ber 
Cafel ein alter Bauer aus Miltenberg bei tleuberg bas volle 
(Blas unb fang biefen 3<>bler." 

tlodj fei ein einfttmmiger 3°M cr ermähnt, ber fogc* 
nannte „UTetylfuppenbubler", ber aus ber Stoiber (Segenb 
(Steiermarf) ftammen foll. „Dübeln" t^etgt fomel als 
pöbeln; basfelbe bebeutet „u>ulla3en" obfr „tml^en". Die 
3obler feigen in (Dberöfterreid*- aud) älmer, in ^lieber* 
Öfterreidj Dubler, in Steiermarf tDufla3er ober £julla3er, 
mitunter aua? 3ud?e3er. IHeljlfuppenbubler Reifet biefer 
3obler r>ermutlia> bafyer, meil bie 23äurin mittels biefes 
3oblers bie auf bem ^felbe Mlrbeitenben 3ur Ittefjlfuppc 
^eim3urufen pflegte. Diefer 3obler ift bnrdj riele Q&nbe 
gegangen, bis er in meinen Befitj fam. Dr. Kaufmann, 
praftifajer 2lr3t in ber Peitfdj (Steiermarf), felbft ein Jreunb 
bes üolfsgefanges unb ein tüdjtiger pöblet, machte midj 
barauf aufmerffam, ba§ ein XDerfsbeamter in ber Deitfa? 
biefen 3 0 °l cr fenne. 3 0 ? raubte mid*- brieflich oon Wien 
aus an ben genannten Deitfdjer Hv$t mit ber Bitte um 
eine Ztieberfdjrift biefes 3°M ef s. 33<*lb traf eine Korre* 
fponbet^farte aus ber Deitfd? bei mir in U>ien ein unb 
braute mir bie untenftefjenbe tfieberfdjrift: 

fjol'la-re i bi«fji<a • i bt«a = rjo f*«ol = la«re 



i fjoMa^re i bt«a « bo ljol=la»re 



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- 27 — 





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i bi'tn-a p i bi>a ■ fjo fjoMa-re i ä. 

So mollte jener IPerfsbeamte biefen 3°°^ r 3 U tffirjlen« 
felb oon einem Setjrer gehört Ijaben, ber ihn felbft mieber 
in ber 5tain3er (Segenb gelernt hatte. Diefe 2Jrt ber 
2Iuf3eidmung erfd?ien mir aber, was H^yt^mus nnb Zatt* 
einteilung anbelangt, unmöglich richtig 3U fein. (Es gibt 
eine gemiffe muftfalifdje Konfequett3, nnb nad? biefer mufi» 
faiifdjen iogif mufjte ber 3obler anbers lauten, aber roie? 
3dj hatte ben 3obler niemals gehört, bie (Selegentjeit in 
bie Deitfdj 3U reifen, um bort ben 3°&l er felbft 3U hören 
nttb uiebe^ufdjreiben, fehlte mir, fo ©erlegte id} mich benn 
aufs Baten. €ine Korrefponben3farte mit ber rott mir 
gemutmaßten ^form bes Hoblers (ftehe na^te^enbe ZTieber* 
fdjrift) flog 3ur Peitfdj, unb nad? menigen (Tagen fd?on 
hatte id? bie Jreube, oon Dr. Kaufmann bie 2Intmort 3U 
erhalten, bag meine Permutnug oollftänbig 3utreffe: 



Der mehlfnppen = Z>ubler. 
i_ fr- f z _-f=:^-*- 




^ai.la*rd=i bi =bi * a = ri bi=a bä lfiUla»Z&* 




i IjdMa« rä= i s bi»a l^äl»la=rd i = bUtn=a ri 



r frr— f ^- — ~ — 



~4l 



bi=a \[h bdMa--ra • i bi - jä. 

So trotte id? alfo, gefdmlt burdj langjährige (Erfahrung, 
auf (ßrunb einer faft nur bie 3uteroaüe richtig miebergebenben 



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— 28 — 

nieberfdfctft bie rubttae ^afftttta bes JoMcrs feft^u (teilen 
r>ermoaSt, ohne benfclbcn je felbft gehört vi haben. 3* 
e^ätylc bies nicht, um midj mit biefem Stücfdjen groß 311 
macfyeu, fottbttn nur, um au biefem ^eifpiele 3U 3eigeu 
erftens, baß mau fieb auf eine frembe ITieberfcfyrift nid?t 
immer rerlaffcu Fanu; jtueiteus, baß mau burdj fortgefetjte 
^cfcfyäftiguug mit i>olFstümlid>er IHufiF ihre ITTclobif unb 
ixljytbmif fid? gat*3 311 eigen mad?eii Faun; britteus, um 
511 bemcrFen, baß feinesmegs bas llieberfdjreiben ber ein3elucu 
Scr/ritte ber IHelobie bie größte ScfytuierigFeit madjt. Diefe 
liegt üielmelir in ber 23eftimmuug ber (Eaftart, ber (EaFt* 
eiuteiluug unb uameutlid? bes Hljytfmius. Zhefe Sdmnerig« 
Feit mirb tyauftg uod? babnrcfy errjö^t, baß bie Sänger beu 
lluterfcfyicb fdnuerer unb leichter (TaFtteile uidjt gehörig 
ljcrr>örbebcu , baß fte lauge ZTotcu rerFüt^en, Fur^e ZToteu 
verlängern , ober baß ftc bas (Tempo bes ganzen Stncfcf 
öerföleppeit, was man ein £teb „Rieben" rjeißt. 3 n manchen 
^Segenben merbcu 3°°l cr 11110 lieber bis 3ur UnFenutlicfyFcit 
rou (EaFt unb Rhythmus „ge3ogcn". Viertens bemerFe \<b 
au biefer Stelle, baß mau ftcb um bie (Eonart, in ber ber 
botreffenbe Säuger beu 3 00 ^ cl ' oocr öa5 ^* c0 Demi 
Hieberfdncibeu nicht weiter 311 beFnnnncru brandet. ITTan 
wählt bie näcr»ftbefte einfache (Eonart, c- ober d-dur, f- ober 
g-dur (ttTolltouartcu Fommeu meines Höffens im 3obler 
gar nidjt unb im älplerifcfyeu £iebc nur fern* feiten unb ba 
nur beim Kärutncrliebe ror). Ulan fud>t eine folcfye (Eonart 
511 ftubeu, bie bie 2luweubnug ricler Nebenlinien übcrflüffig 
madjt. Die Sänger fingen ja and] uicr/t immer in berfelbcu 
(Eouart, fouberu fo tjoa? ober fo tief, mic es ihre Stimmlage 
unb oft and? itjre mehr ober weniger gehobene Stimmung 
mit fieb bringt. 

2lls ^cifpiel für einen 3 0ö ^ er mx * <?au3 befonbers 
eigentümlichem Hrtytrnnus wäfyle idj beu 3weiftimmigeu 
fogeuauuteu f}n$ jobler aus <£ifener3, fo genannt nadj bem 
Jforftmart Jfrau3 qnfi in (Eifener5, beffen „Seibjobler" er ift. 

Per ^uß'3° oler - 

€ifener3. 

$^~v — ' 

3a • Ii » ä-bl*i * je • t « bi r^a* • Ii - ä=bUt« 

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- 29 - 




je « i tjd= li«ä=bl«i je = t - bt f}&«H«A«M4 




% faft eine Stunbe lang bofterte id> an biefem 3 ooIcr 
tjerum, bis es mir gelang, unterftüfct u'on £?errn §u% unb 
bem in, (Dberfteiermarf megen feines ßnmors unb feiner 
£ieber roeit befannteu ^orftabjunften Tilade IPürtenberger *), 
ben fdn»ierigen H^ytlnnus biefes Joblers enbgältig feft« 
3iifteüen. 

Iüeitere 3 oö ^ r P ro ^ C11 f e ^ c wan in meinen beiben 
Sammlungen nadj, meldte unter bem (Eitel „3obler unb 
3udje3er", unb „252 3°°f cr lut0 3ud?e3er" bei 
Hebay & Hobitfdjef in tPieu erfdnenen finb, unb in meiner 
britten Sammlung: „<w fohlet unb 3 llc ^? c 3 er an - 
Steiermarf unb bem fteirifd?»öfterreia}ifä?en <Sren3gebiete. 
inelobifa>«alp^abetifdie 2Jnorbnung". 2Dien, 190*,, Derldg 
bes Deutfd?en PoIfsgefang«Dereins in lUien, VI- (Sumpen" 
borferftr. Preis 3 IHf. = 3 Kr. ZTur ben einen fyerr- 

lia>en, breiftimmigeu 3obler, beffen fjeimat Sdjlabmiug ifr, 
geftatte mau mir nod?, In'er folgen 3U laffen: 



l ) t 1905. 



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— 30 — 



Per Sdjlabmtnger Dreibubler. 1 ) 
£angfam. 



tjä.Ia.rä i ä i ä i Iji.bl i^bi* jä<& 



5' 



. <»f , , ff _ , g 



I 



i 



tja=M • i • M jä-ä l?a.M i.&i jd'ä 



2. Stimme: fi * berb'2Hm. 




i 



') Htebergef daneben t>on bem Wiener 23firgerfd?ullefyrer 
Karl £iebleitner. — Dreibubler Ijetgt ein breiftimmtger 
3obler. 



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- 31 - 




ba M = i*bi = jii-M tjä«bl • i=bi • jd«bl b^a' i ä i 




• * * * 9 l ff • V • * 9 V ff • * ° V < 



X 



I 



ä i j&^bl't-bt'j&'bu*lt = jd=bl'i*bt * I^dl * bi < ri. 

2. Stimme: ü • bcr b'2Jlm. 




Diefer Dreibubler ift ein flaffifd?cs Beifpiei für bas naa?« 
almienbe Hadjeinanbereintreteu ber ein3elnen Stimmen. 
(Pgl. ba3u: „Die IDiebertjolnng unb tladjatjmung 
in ber rnefjrftimmigf eit". Stubie 3ur <Sefd?idjte ber 
Harmonie r>on (Suibo 2lbler, Dierteljatjrsfdjrift für ITTufif- 
n>ijfenfd?aft, IL 1886, S. 27iff.) 

21uf einige ber in ben erften beiben ber genannten 
Sammlungen reröffentlid?ten 3obler mödjte ia? in Kür3e 
nodj befonbers aufmerffam madjen. Zins bcr erften Samm» 
Inng ijt tjerpo^utjeben „ber Küaljfuaajer" Qobler unb 
3uÄe3er, Hr. \5) f aus Knittelfelb in Steiermark befonbers 
merrtuürbig burd? feine Sedtfelmtelfejtolen, ber „IlTonbfeer 
tfergjobler" (ZTr. so), fo genannt, meil er beim Berg» 
heuen unb anberen Ianbmirtfä>aftlia>en Bergarbeiten gerne 
gefungen mirb ; er getjt ausna^msmeife im 2 / 4 (Eaft, 
roätnrenb ber 3obler fonft ben s / 4 (Eaft liebt. Wie eine 
£era>e 3ur Sonne emporfteigt, fo ftrebt ber 3tr>eiftimmige 
3obler (3» u. 3v 23r. 52) (£ ralilalelatjut, 3ur fjöfje auf. 
3d? perbanfe itjn meinem perftorbeuen Kollegen unb 



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— 52 — 



jrreunbc prof. l^eiurid? DTayer, ber ityu von ber Bauern 
tod^tcr vom „ ITTofcr im dal" in 2lngerberg (llnterinutal tu 
(Eirol), namens Katharina Kuppredjter, gehört, fidy gemerft 
unb mir rorgefuugen rjattc. €in fogenanntcr „Jür- 
einanber" ober „Ihird)einanb" ift ber meit üerbreitete 
3obIer 27r. 5*. Die Stimmführung bei berartigen Joblern 
ift fo befdjaffen, bafc abmedjfelub bie llnterftimme über bie 
(Dberftimme Inuanffteigt nnb bann mieber in bie urfprümv 
Iidje iage unter fic 3urücf Fcryrt. £?alb fingt alfo bie eine, 
halb bie anberc Stimme bie böseren (Ebne. IHan pergletd>c 
ben Beginn bes c^mnnbner 3°°l crs (f- unten). Diefer 
3obler roirb foiuobl im puftertal in (Tirol, als and) im 
i7od?fdjmab«(Sebiete in Steiermark nnb 3iuar auf ber Sonn« 
fdnenalm gejobclt. 3" (Dberöfterreidj , Steiermark unb 
(Tirol beFaniit nnb beliebt ift ber breiftimmige „Sd?ei»e" 
(3- M- 3-i -* r » 6 *)- Dr. Wevle bringt iTyn in feinem 
„ 2Umrauf cb ", als Qo^Fiied^tjobler von lila ri 03c 11 
aus bem 3^1?« \8<k\, im ; , (Taft. 3 n meiner erften Samm- 
lung ficht er unter ber §abl 6^ im 2 / 4 (Taft. Sobeme foll 
eine ilbfür^uiig für Sd)n>ei3 fein unb fomit Sdweijerjobler 
bebeuteu. Kf}yttmüfd) intereffaut ift ana) ber merftimmige 
3obler ber (Srabeubauern uon Übelbad? in Steier« 
lltarf (3- u. 3> Hr. 67). Die 3u?ei unteren Stimmen, bie 
ben 3°Met beginnen, haben ben Bbytbmus: 



Pic beibeu oberen Stimmen, bie nadjeinanber im 
9. unb 13. (Eafte eintreten, jebod? ben Hhyttnnus: 



21us ber 3tr>eiteu Sammlung (252 3°°l cr unb 3 un V 
e3er) fei befonbers hervorgehoben : ber <5rin3tnger 
2) übler, gelungen oon bem Totengräber, lüeinhauer unb 
£ettgeb (f)curigenf genfer) HTanuhart in ^rin^ing bei IDieu 
{llx. \7), nnb ber (Smnnbner 3 ob l er (Hr. 27b), oermöge 
feiner Stimmführung ein „^ürcinanber". Per erfte (Teil 
beißt „ber (Serabe" nnb beginnt wie folgt: 






jj? M i\rß 




ufn». 



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— 53 — 



Per jipette Ceti Fefyrt ben H^ytt?mus um uttb Ijeifjt 
infolgebejfen audj „ber Perfekte". €r beginnt: 

i r= = T -^ S J> 1 , 

TV^i> — 

3efoubers originell ift ber „Perbrafjte" aus (Dber« 
öjterreiaS (Hr. 3 0 feiner fonberbaren Stimmführung megen, 
bie anfänali ben <£inbru<f maabt, als mären bie beiben 
Sänger auseinanber gefommen unb faum ermarten lägt, 
ba{$ (te fid? 311m Scfyluffe uneberftuben. Der £7013» 
fa>n>emmer»3obIer (Hr. ^o), aus (bberlien3 im 3feltale, 
roirb beim Ejol3fd?memmen 3uerft abmedjfelnb unb oann im 
gufammenflang oon 3roei burd? ben $lu% coneinanber« 
getrennten E}ol3fned?ten gefungen (2la>tel=(£riolen). 

Per dauern jobler (Hr. ^9) mürbe mir überliefert 
burd? (E^erefe prey, Kellnerin in llnfen, mela?e ifm €nbe 
ber fteb3iger 3a*?re oon 3roei 3äterinneu gelernt fjatte, bie 
über ben dauern f}er naa> St. JTtartin bei £ofer ins 3^ten 
gefommen marcn. Pie untere Stimme fingt ben gemöfm« 
licfyen 3oblerte£t, bie obere jebocb Sdntabatuipfln. 

Pie Prey fang banad? aua? bie folgenden brei Pier» 
3eiler, bie nadj ber Permutung Z°k n ITteiers „mofjl fünft« 
mäßiger £}erfunft" fein bürften (3mei von Kobell) 1 ). 

Proben auf ber illma 
Pd g'freut fi' mei' (Smüat, 
IPo bie 2Jlmrofen mäd>fen, 
Unb ber <£n3tan blüafjt, 
Port, ipo ber €n3ian blüafyt. 



*) Pa§ bas IHäbdjen, bas vor Seiten mit einer (Eiroler 
Sängergefellfdjaft als Sängerin fyerum3og, in biefer Um« 
gebung nidpt oiel €d?tes u>irb erlernt ijaben, ift flar, aud? 
gebe tdj olme ipeiters 311, ba§ in biefen brei Sdmabafnipjtn 
„funftmäfjiger 2lusbrurf" pormaltet. 3°? ^ a ff c &i c f e Stellen 
gefperrt brucfen. Häfyer auf bie frage nadj bem llrfprung 
biefer Sdmabatjüpfl ein3ugef}en mirb tDotjl noa? anbermeitig 
(Selegentjeit fein. £jter er.^är^Ie idj metjr, als id? bo3iere. 
Überdies ift an biefer Stelle'ljauptfä^lid? vom IITuftfalifa}en, 
m'djt vom (Eerjlicfyeu bie Hebe. 

12. $lugfdfrift. 3 




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— 3<* — 

Die (ßamferln am (S'iua'nb 
Unb ber punft auf o bcr Sdfeib'n, 
'sDianbl auf ber Älm, 
3s mei' (Euan unb tuet' (Ereib'n, 
Däs is mei' (Euan unb mct' (Ercib'n. 

(Dft fdjtögt ber Sua b'äitfjer 
So meftmnatig fein, 
(Es muaß eam in b'^inger 
Die £tab' fommeu fein, 
<Es muaß eam bie £iab' fommen feinl 

Dura? bie felbfränbtgc f üfyruug ber beiben Stimmen 
ergibt ftdj DÖttig unge3umngen im 6. unb (Tafte ber 
intereff ante , fjarmonifdje (Effeft 3tueier, unmittelbar auf» 
einanber folgenber SefunbenOteroalle : 

Diefes Intervall finbet ftet) audj in bem folgenben 
frönen 3 oolc r» oen idj 3U (bftern bes 3afyres ^892 in 
Hottenmann aufgef abrieben tjabe: 



Per *}äbsbi = dbl ibiri. 
langfam, ben Hfjytfjmus gut fjerporgefjoben. 




^äbsbi « 5«bl *i«bi « ri t>d-i • d=bl - i-bi=ri ljd=bt- 




jä*bi * ri«bi * bUbi • ri»ä' fjäbl = i»bi • ri fjäbsbt= 



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— • 35 — 



d*bl * t»bUri fyd«i « d = bl - i • bt - rt fjä«bi 



jd = bt s rt-bt - bi = bi ü=ber b'Slm I 

3n neun oerfdnebenen Sangarten erfajemt in Hr. 58a — i 
ber weit oerbreitete 3obler ,,§ätt' i bi ; fjäb' i bi". (Er 
nmrbe mir überliefert aus Spital, <2ifener3, bem (Ennstal, 
Doran (als Küafjalter), (Saisborn im paltentale, (Erofaiaa?, 
Porbernberg in SteiermarF, 3enbadj in (Tirol unb Klagen« 
furt in Kärnten. Die erjte Stimme beginnt in ber €ifen- 
er3er Singart: 




l.St.:£?ätt'i bi, bätt' t bi, tjätt'i bi = ebu = la = ri.e 
2. St. : §db' i bi, tjdb' i bi, Ijäb' i bi « e bu«li . . . 

Die 3toeite Stimme fällt um I / 4 fpäter, alfo auf ben 
Hieberflreid? mit berfelben lüeife ein, bie ftc aber auf bie 
IPorte „tjab' i bi" fingt. <£in 3°°^ cr wtt fold?er Stimm« 
füljrung fjeißt ein „Haa?einanber". 3 mmcr Ijöljer unb 
ryör^er miebertjolt fjörte idj ir^n im Anfange ber neun3iger 
3aljre in 3""sbrurf oon ber bem ed?t Dolfstümliajen fonfr 
feinesmegs 3ugeroanbten (Tiroler Sängergefell fd^aft <£ber 
unb ITlaitfl jobein. 

Selten oerlägt ein 3°bler ober ein älplerifd?es DolFs« 
lieb feine urfprüngltd?e (Eonart; ausnatymsroeife ift bies ber 
$aü bei bem ,,fotmsborfer''«3obler, fo genannt oon bem 
Orte fotmsborf bei geltmeg in Steiermarf (252 3- »• 3«i 
Hr. 6<t). Der $ otmsborfer beginnt in meiner 2Juf3eidmung 
mit bem 3erlegten Dominant = Septimenafforb oon f-dur 

3* 



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— 56 — 

cbecb unb füljrt im fünften (Lafte burdj ben Dominant» 
Septimenafforb von c-dur ghdgh (in ber (Dberftimme: 

h F g h I) in bic nädj jt fjötf ere (Eonart über, um , nad^bem 
er ftdj uier (Eafte lang in biefer bemegt tjat, roieber in bie 
^nfangstonart f-dur 3nrücf3ufefyren. (Ein geia?en feiner 
Beliebtheit ift, ba§ er aua? an anberen (Drten, 3. 23. in 
bem entfernten (ßilgenberg bei Braunau im 3f*npiertel gern 
gefungen mirb. 

Unter ben Dreiftimmigen biefer Sammlung feien befon« 
bers tjen?orgetjoben ber „^urtfjer Dreier'' (252 3« b. 3., 
168 a) aus ^urt^ bei lÖeifjenbad? an ber (Erifting in 
Hteber öfterreich, ber „f?allberger" (Hr. 172), angeblich fo 
genannt, tueil er in bie Berge tjaüt, unb ber „Küaijmeldjer" 
(Hr. \75), beibe aus ginfenbacb, am 2Iberfee im Saly 
burgifd?en, enblid? ber föjtliche „fefa'fammbrahte" (Hr. 196). 
Den Schlug ber Sammlung bilbet ber uralte, fünffttmmige 
„fjore" aus Porau (Hr. 2 u) unb ein feajsjtimmiger (Hr. 2 12), 
eigentlich eine Perbinbung r»on 3mei breiftimmigen , aus 
Sdjlabming in Steiermark Der f}ore mirb fefjr gerne 
beim ItTäljen gefungen. Die ITtänner jtngen bas: %oxe, 
£}ore, unb fdjtrnngen babet bie Senfen nach bem (Tafte, bie 
iftäbdjen fingen ben eigentlichen 3°bler. 

Tin bie 3°bler, bie ich in giufenbach am 21berfee auf« 
gefd^rieben habe (Hr. 99 bis 107), fnüpft fidj eine fleine, 
für ben Sammler lehrreiche (5efd?id?te. — 3°) wax im 
3a^re 1891 von meinem Stanborte fufd?l am (fufdjlfee 
mit ben beiben Söhnen bes bortigen Sägmüllers fjans unb 
Jran3l nad? ginfenbaa? aufgebrochen, um bort, in ber 
Heimat ber beiben Burfdjen, mit ttn*er Unterftütmng auf 
bie Dolfsliebfucfye aus3ugehen. 3« oer geräumigen tÖirts* 
ftube in §infenbadp Ratten jtd? 3iifammengefunben ber 
£efjrer bes (Drtes mit feiner jungen frönen f rau, bie man 
mit Stol3 bie Hofe com 21berfee nannte, ber förjter mit 
feiner (Sattin unb einige Sägearbeiter unb f}ol3rnedjte, 
unter benen fidj gan3 befonbers ber ßo^fnecht Peter 
hervortat. (Es mar gerabe Übung ber §infenbad?er Bledj» 
muftf, unb beoor es 3um Singen unb Hotenf (^reiben 
fommen fonnte, mußte mo^I ober übel btefe Übung ber 
länblid?en Itluftfgefellfajaft genoffen merben. Das mar benn 
etmas langweilig unb ftellte große 2lnforberungen an (Se« 
bulb unb Herfen ber Wattenben. Der £efn*er fpracb, fein 
IDort unb rauchte unermfiblid? aus feiner langen Pfeife, 
ber ^örfter perlegte ftdj auf ben (Erunf, unb als 3um 



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Sdjluffe einige oberöjterreid?ifd?e £änbler gefpielt mürben, 
ba entmitfelte fid? fogar ein regelrechtes (tä^ajen mit 
„Pafdjen" nnb Singen von Dterjeiligen. Die Hofe rom 
2lberfee tankte ftttig unb anmutig mit, nnb ber fjo^fnedjt 
peter, ihr dän^er, ftrampfte mit ben fd?merbenagelten 
Sdmffen, fdjlug in bie garten £?änbe, ba§ jeber „pafdjer" 
mie ein fleiner piftolenfdmfc Hang, unb fanbte babei uer» 
ftotjlen feine Derfajmifcten Blicfe 3um f örftertifdj hinüber. 
Dann ging's enblidj ans Singen unb 3°beln unb meine 
(Ernteäett mar gefommen. Da fang ber geftrenge fjerr 
(Jörfter mit bem mettergebräunten £jol3fnedjt, von bem 
man mir ins <Dfyr raunte, ba§ er ftdj braugen im lüalbe 
mitunter mit gan3 etmas anberem befdjäftige als mit 
f^o^fällen, einen 3meiftimmigen Jobler um ben anbern. 
Iltögen bie beiben immer fo frieblidj miteinanber Derfefn-en 
unb fte ber büftere (Lanntnwalb niemals als feinbe mit 
ber gelabenen Südjfe in ber fymb einanber gegenüber jtet^en 
f efyen ! — 3« meinen beiben Joblerfammlungen ift bie ftatt« 
ltd?e gafjl von 280 3°M ern unb 52 Jud^em enthalten. 
Seit bem <£rf deinen ber 3meiten Sammlung (tjerbft ^92) 
fyabe id? fleißig meitergefammelt unb befttje freute (1896) 
fdjon mieber \oh 3°bler unb 30 3 U£ *? e 3 er » ote noc *? nx ty 
im Drude erfd?ienen finb. x ) So reid? ift unfer Dolf an 
biefen beiben 2lrten älplerifdjer Polfsmufif, unb menn es 
bem ein3elnen im laufe oon ad?t 3 a ^ rett gelungen ift, 
faft 400 3 00 ^ er unö beiläufig ioo 3 ua ?^3^ r auf 3uf abreiben, 
roie reid? fonnte eine foId?e Sammlung erft merben, wenn 
ber ein3elne in feinem IPirfen uon ber 03efamtfjeit unter« 
ftütjt mürbe ?1 fjunberte unb fjunberte r>on Bergmanberern 
finb ftdjer fomeit muftfalifd? gebilbet, ba§ es ifmen ein 
letztes ift, mas fte an Dolfsmeifeu auf ihren 03ebirgs. 
manberungen bereit, and} nieber3ufd?reiben. 3d? menbe 
midj an biefer Stelle an alle Jreunbe ber ZTatur unb 
namentlia? unferer 2llpen mit ber be^Ud^en Bitte, midj 



l ) Seither ijt meine britte Sammlung erfdnetten: 
3obler unb 3 ua ?^3 er aus Steiermark unb bem 
fteir. = öfterr. <5ren3gebiete\ (XPiener 2TtuftM)erlags^ans, 
1902. Sie ift 1906 in ben Derlag bes Deutfd?en Dolfs« 
gefangpereins, IPien VI., (Sumpenborferftrage \5\ über« 
gegangen. Preis 3 Kr.). 21uf biefe reid^alttge Sammlung, 
pielfad? tjodmttereff anter 3oblerbiibungen Fytcr näb^er einsu» 
gelten, mürbe 311 meit führen. 



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bei meiner Sammelarbeit bnrdj (Etnfenbungen gtitigfl 3U 
unterftüfcen. 3eber, aua> ber fleinfte Seitrag wirb banfbar 
angenommen. 

tlädrft 3oblern unb 3udje3ern bürften bie 2llpenfreunbe 
auf itjren XPanberungen am elften Dte^eiltge, foge- 
nannte Sd^nabatfüpfln, 3U frören befommen. Dr. TVevle 
leitet biefes XDort pon S^nattern unb ßüpfen ab, unb 
meint in feinen IPorterf lärungen : „Pie rur3= unb leia>t- 
gefdjür3te Pidjtung rjfipft, fpringt von ber gunge". Zladf 
S aktueller ift es ein furßes, aus einem ober 3n>ei Heim« 
paaren, jebenfaüs aus Pter 2lbfd?nitten ober geilen be* 
ftelfenbes £iebd?en, bas nad? gemiffen lanbläuftgen Hany 
melobien gefungen unb häufig Pom Sänger ober dinier 
aus bem Stegreif gebid?tet wirb. l ) 

Per Sdjriftfteller £7 ans (Srafjberger, in (Dbbacfy bei 
3ubenburg an ber fteirifa}»rarntnerifd}en <Sren3e geboren, 
tyat fidj in feinem lebfrif djen Büdjlein „ttij für unguat" 
an bas, wie er felbft fagt, gefährliche Unterfangen gewagt, 
mit bem lebenbigen Särndbatjüpfl 3U wetteifern unb felber 
Sdmabafyüpfln 3U bia>ten. Unb es ift itnn bies ntdjt übel 
gelungen, wenn ber Kenner feinen Die^eiligen aud? nodj 
immer bie fänftltd?e UTadje a^ufeffen permag. €in XPort 
aus ber Dorrebe bes genannten Büdjleins fyat fid? ber 
watfere Solm bes fteirifdjen 2Jlpenlanbcs bei feiner Arbeit 
treulid? por 2lugen gehalten: „Pas Sdmdbafyüpfl ift nidjt 



*) 2luf bie ehemals üblta)en Sdmittertänse, Sdmitter« 
Impfe, be3ieb 1 t fid? benn, wie es fdjeint, audj ber, weil er 
ntdjt meljr aus ber Sad?e felbft gan3 flar ift, bnrdj ein 
gewiffes Spielen mit ben tauten nad? allen Pofalen variierte 
Jlusbrntf : bas Sdmitterlutpflein (Sdmiba, Sdfnaba, Sa>neba, 
Sdmeiba, Sd^noba, Sdmubatjipji) , als metonymifd^e Be- 
nennung für ein fur3es, aus einem ober 3mei Heimpaaren, 
jebenfalls aus pier 2lbfdmitten ober geilen beftefyeubes 
£ieba>en, bas nad? gewijfen lanbläuflgen (Ean3melobien 
gefungen, unb häufig Pom Sänger ober <£än3er aus bem 
Stegreif gebietet wirb. Sie fommen aud? unter bem Hamen 
StücFl, Sd^naba, Sdmabagangl, Sdmabatjagn, Schleifer«, 
Sdjlumper», Sdmapper», Schelmen», Sdmmperlieblein ufw. 
por. ttadi ber „2lllgem. gtg." pon (845, Beil. S. (<H5, 
Reißen fte öfterreia?ifd? (5'fetjeln, f eltner &$an$eln, fteirifdj 
Baff ein; Sdmaberbjipfel fei urfprtinglid? tirolifd} unb fomme 
pon fänatttxn." Schneller, Bayrifd^es ZPörterbudj, II. 587. 



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- 39 - 

I 

bas tänbelnbe, fentimentale Ding, als meines es manche 
Didjterlinge im Dialeft=£obengeu>anb in Perruf gebradjt 
traben. <£s ift pielmetn- eine lebensvolle, gefunbe unb auf» 
richtige Poejte — bas felbftgefd?affene £aienbret>ier unferes 
Bauernftanbes" 3d? fann biefes Büdjlein namentlidj wegen 
feiner fadjfunbigen unb lefjrreidjen (Einleitung: „Über 
Jjerfünft unb IPefen bes Sdmdbatjüpfls" beftens empfehlen, 
menn td? and? bie Behauptung, ba§ bie alte £Zibelungen= 
ftrop^e bas ITTetrum unferer Diejenigen fei, ntdjt 3U unter» 
fdjreiben oermag, unb wenn mir audj bie rom Dolfe felbft 
gemalten Sdmäbafyüpfln nodj beffer gefallen als bie (Srafj« 
bergerf a?en. 

3aj laffe nun einige Seifpiele von Sdmäbafjüpfln folgen, 
n>eld?e tm Polfe felbft entftanben ftnb: 



Der (ßoasbua. 
Unb beim <Si» gi«go = gl tjän is (Soas g^äl=t ; n, 



■ iJ _J J 




J J. 


■ J ■ ■ ■ 








1 w w w — 1— " 

0 0 #— — 0 0 0— 











bin is a nit läng blib'n, is a boä » ftdr^rer 




~ r W w V W 

5a>mdb'n*Fä = fer ü'berb'Hteftlfup^p'n um»ma=g'ftieg'n. 



Diefer (ßaisbube fajeint 3U ben mobernen Dienftboten 
3U gehören. ttirgenbs fyält er lange aus. Unb um einen 
Dorroanb, feinen Dienftpoften 3U med^feln, ift er nidjt ©er« 
legen. (Ein unfd?einbares 3 n f e ^/ ei" „Sdjmabenfä'fer" (bie 
gemeine Küd?enfd?abe, blatta orientalis) fyat's itnn angetan. 
(Er far? bas liebe (Derlen über bie bicfflüfßge UTefylfuppe 
fyinüberfried^en, unb ba roar's um feinen 2Jppetit gefdjetfeu 
— er befdjlofj, ben Dienft 3U fünbigen. tPie anfajaultd?, 



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- *o - 

tute plaftifdj weift bas Volt uns in mentgen Strichen bie 
qan$e Situation ba^uftellen ! Ifian fiet^t iffn fSrmlia?, bcn 
„botfjtarren Sdjmabenfäfer", mie bcr fonft fo Sdmellfüfjige, 
vor Kälte frarr ober pom pielen ^reffen fdjmerfäfltg gemalt, 
müfyfam fia? über bie UTel^lfuppe tnnbemegt. — Piefes 
Sdmdbafyüpfl wirb and? naa? ber folgenben, mit ber erfien 
pertuanbten IPeife gefunden: 

Unb beim <Si-gl-go - gl f^dn is (Soas g'fjdl » t'n, 





% 


1 - 






: L==,L -^ 



bin is a net Idng blib'n, is a boc? * ftdr * rer 



i y f j j' j j' j'i j ii 

Scbmd'b'n-ffcfer üsberb'HTefjHupsp'n um^masg'fiieg'n. 

Sdmdbafyüpfln finb bie fdjroere Menge aufgefdjrieben 
morben. Xeiber bat man ben Itlelobien nidjt biefelbe 2luf- 
merffamfeit 3ugemenbet, n>ie ben IPorten. Die Sdjn&ba* 
Intpfifammlungen , beren mir eine 3iemlidje §at{I bejttjeu, 
bringen meift im Anhange einige menige Sd?ndbatjüpfl' 
meifen, bas ift aber aud? alles. (Es gibt piel mein* foldje 
It>eifen, als man gemötmlidj glaubt. 3d> felbft r^abe beren 
2<* auf gef abrieben. Die Meinung, baft man jebes 5d}n^ba» 
Ijüpfl auf ein unb biefelbe JDeife ftnge ober bod? fingen 
fdnne, ift unridjtig. t)erfd?iebenc £anbftridje, ja mitunter 
felbft perfdjiebene (Drte, fyaben ifjre eigentümlidjen, per« 
fcfytebenen ZPeifen, auf bie man bie Sdmdbafn'ipfln 3u fingen 
pflegt. 2Jus ber 2Jmftettener (Segenb ift mir 3. B. eine 
gatt3 eigene 21rt von SdmdbafjüpfTn befannt gemorben. 
Zladf ber Überlieferung eines borttgen Zimmermanns finb 
bie Sdmdbatjiipfln in 2lmftettens Umgebung ausnalmtsmetfe 
brei3eilig, bie ba3u paffenbe IPeife ift Jjö'djft eigentümlid?. — 
<£s mirb fta> fomit empfehlen, ber muftfalifcb.en Seite bes 
SdmdbaljüpfU größere ^nfmerffamFeit als bisher 3U 
fd?enfen. 



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_ 41 _ 



Don ben oielen Sdjnabahüpfffammlungen feien genannt: 
(Lauf enb Sd?nabahüpf In, gefammelt unb mit (Einleitung, 
erFIärenbem XPörteroer3eidmis unb adjt (I) Singmetfeu per» 
fe^en unb herausgegeben oon ^ritj (Sunblaa). £eip3ig, 
Perlag oon Philipp Keclam jun. (Unioerfalbibliothef). 
^892. — Sdjnabahüpf In aus ben 2Upen, heraus» 
gegeben oon lubmig o. Qdrmann. Dritt« oerbefferte 
Suflage. 3nnsbrurf , bei IPagner. (IKit nur fteben Sing» 
loeifen für \o\\ Pier3eiligel) 3m Dorbergrunbe biefer 
Sammlung jteht (Tirol unb Kärnten. ( 1 89 — S d} n a b a * 
l^üpf In aus (Eirol. (Sefammelt unb herausgegeben oon 
Kubolf Qeinrid? <Srein3- £eip3ig, bei Raffel; ohne 
Singmeifen. — <£. K Blümml unb 5. Kraufj, 
„Jluffeer unb 3fd?Ier Sdjnaberhüpf 1", mit einem 
Anhang: Pier3ei(er aus bem bayrifd^öfterr. Spradjgebiet. 
UTit 23 Singmeifen. Ieip3ig, 1906; Deutfdje Derlagsaftien» 
gefeflfa?aft. 2Iudj in ben Polfslieberfammlungen oon 
(Efd?ifa?fa unbSa>ottfy (nieberöjterreia)ifch), ITT. X). Sü§ 
(fa^burgtfd?) , 21. Spaun (oberöfterretdn'fch) , Dr. V. 
pogatf ety ni gg unb Dr. (Em. £jerrmann (färntnerifd?) 
unb 2Jlmraufcb (fteirifdj) oon Dr. 2Inton tDerle f?nben ftc^ 
3ahlreid?e Sdmabahnpf In , bei Süjj beren \ooo mit (nur) 
fünf oerfanebenen Singmeifen, bei XPerle \&oo. <$ür bie 
neue Auflage feines Ülmraufdj, bie Dr. IPerle nodj als 
82 jähriger (Sreis plante, h a * te * r 9 ar beren ^000 3ufammen* 
gebraut, roie er mir fur3 oor feinem (Eobe er3ählte. (Er 
hatte fle nad? einem eigenartigen plane in (Sruppen georb« 
net, um bas £eben unb (Treiben bes fteirifajen Bauers oon 
ber IPiege bis 3um (grabe mit beffen eigenen HPorten -m 
fd?ilbern. Über 900 ^oliofeiten ^atte bas HTanuffript, in 
bas mia? Dr. IDerle (Einfielt nehmen lieg, für ein fo 
umfangreiches H)erf moüte fid? 3um großen Sd?mer3e bes 
alten JTtannes Fein Derleger finben. (Ein (gefudj an ben 
fteirifdjen £anbesausfdm§ um eine Unterftütmng oon nur 
500 fl. 3um §merfe ber Drucf legung mar oon biefer Körper» 
fdjaft unbegreiflid?ertoeife abgemiefen roorben; bas Wext 
blieb ungebrurftl Der tiefgefränfte ITTann, ber bis in fein 
hohes (greifenalter 3obIer, Polfstoeif en , £än3e, Sdfnaba* 
hüpfln unb anbere Dolfsbidjtungen mit augergetoöhnlidjem 
(fleige unb betounberungstourbiger (Sebulb 3ufammen« 
getragen tiatte, ftarb (1893), ohne baß es ihm gelungen 
märe, feinem jteirif d?en £>olfe, bas er fo innig geliebt hat, 
ein (Ehrenbenfmal auf3urid?ten aus beflfen eigenen Korten 



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— *2 — 



unb Weihn. Sein UTanufFript cerftaubt in einer <Sra3er 
SibliotfyeF 1 Das Hingt moijl nidjt feljr ermutigenb für ben 
angetjenben DolFslieberfammler. — Unb nun fdmell 3um 
2lbfd?Iu§ biefes (Segenftanbes nod> ein paar proben edjter 
Sdmabalnipf In : 



U ITIet' ^er3 is oafdjloff'n, 
§angt a großes Sdjlofj b'ran, 
3s an oan3iga 8ua, 
5er ma's auffpiarn Faun. 

2. 2Jn Sprung übas (Safferl, 
2ln 3^07030 brauf, 

2ln Klopfar ans f enfterl, 
Sdjeans Sdjafcerl, inday auf. 

3. §u mir bearfft nöt Femma, 
lUei' 3ött is nöt lar, 
£iegt ba (Eennbefen brinn 
Unb bö fjeugäbl a. 

^. Du 8ua, fei g'fcfjeit, 

£}ia3t Fimmt fdjon bar 2lboentl 

Pen fjuat unt'r b^ay'n 1 ), 

Dö Bet'n (ben Hofenfran3) in b'Qänb'. 

5. Dort ob'n auf ber Ülm 
Stellt a meijje ifeid?t'n 2 ), 
Da gengan bö 23uam 
§u ba Sdjmoag'rin beidjt'u. 2 ) 



tlr. 5 aus: Dr. K. tPeintjolb „Über bas Deutfäje 
DolFslieb in Steiermark, in ben Mitteilungen bes fjijtorifdjen 
Dereines für SteiermarF. 9. fteft 1859. 

21ber aua) im PoIFe felbft gibt es gar mannen, ber 
für DolFstümlidje Dichtungen Sinn beftfct unb fie nieber« 
3uf abreiben t>erfud>t i\at So fanb ia> bei ber StodPerin (3n« 
motmerin eignes Storf in 2Jltȣaffing, SteiermarF) ein 



3aljren eine tüdjtige Kirdjenfängerin mar, bie 2Infangs3ei 



x ) &'3 a £' n (fprid? i nid^t j; (Eon auf bem Dipt|tfjong 
ia) = bie Sdjfel, eigentlich bie 2ld?feltjölile. 

2 ) $ eidjt'n (jfidjte) unb beidjt'n ijt auf ber legten Silbe 
t'n 3U betonen. 




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- «3 - 

von über 50 Dolfsliebern üermerft fjatte. 3 a > ft e fatt* fogar 
rerfudjt, oon einigen bteXPeifen niebe^ufdjreiben unb fanbte 
fie mir im Hinter bes 3afn*es 1896 nadj IPien. 

Pon ßeinrid? Specfmofer, Untermofersfofm in fafftng 
(Steiermark, gemefenem gugf fiterer bei bem fteirifdjen 
Hegtment ber Belgier, erhielt id? ein gan3es f?eft vott 
Sdmabatntpfln. Don ifmen mill ia> einige anführen: 

Da (Sarns auf ba Wanb 
dt ft' linfs ummibratu\ 
ie aufridjtig'n Dirnb'ln 
San fooiel bünn g'fät (gefät). 

(Sar u>eit von unt' auffa, 
21 lujttga 3ua, 

ftan's a (Erüd?erl voü Blenfdja, 
Bring's £ib l ) neama 3ua. 

3m (Dberlanb brob'n 
(gibt's IPafferl trüabi 2 ), 
Unb im £affinger (Eäl 
Da gibt's Dirnb'ln Itabi. 9 ) 

3m £iebesleben ber Slpler fpielt bas (ßafjlgefm, Jen« 
fterln ober Brenteln eine große Holle. Wenn ber lebige 
Sauernburfdje bes Haasts r>or bem Jenfter eines XHäbdjens 
um (Einlaß tvirbt ober motjl audj ftdj für üerfdjmäljte £iebe 
rädjen, bas ttl&btyn oerfpotten ober necfen mill, re3itiert 
er mit leifer Stimme unb in monotoner JDeife murmelnb 
fogenannte „(gaßlf prüdje", „(gafjlretme" meift fpöttt* 
fd?en 3 n ^^s. (Unter (gaffe oerfietjt man ben freien piatj 
oor bem Qaufe, mo gemötmlid? eine Banf angebracht ift. 
Srentlerin = Sennerin, baljer brenteln, beim £iebd?eu 
nädjtlidje 3efua?e maajen.) 

2fufl fteig'n, eint fdjaun, 
ilribrent'ln, a nit trau'n. 
IX fold?er Sua, foll ft' 
Ilm fa Dianble umfdjaun 

geigt's im £at>anttale. IH. V. Süg bringt in feiner Samm- 
lung Sal3burger Dolfslieber unb Dr. XPerle in feinem 



x ) mbj>. lit, lides, stn — Detfel (im fd?riftbeutfd^ett 
lüorte klugen lieb erhalten). 

*) 2luf ber legten Silbe betont. 



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<H — 

21lmraufo> (Seite 335) einige fola?er (Safjlfprfiaje. (Hin 
Beifpiel aus meiner Sammlung: 

X- 

ffl\a*T» is beim (Dbermoar bin g'me*n, 

3s beim Untermoar <Edn3 g'meft, 

Ed t^db* i' mein' fedtfefmftroaflge Bohrt dng'bdbt, 

VOtil V bie $ofen ffdb' trdg.'n, 

Fjdt a jeb's Pianbl mi' moll'n lySb'n; 

3afct, meil i' bie §ofen tjdb' griffen, 

WoWns von mir a nij mefjr miffen. 

2. 

(Eijbufayn, (Eajbufayn, 

fjäft mi ; g'bfat 3'nad# ba^ertufa?'n 

ITTtt mein' fafrifdjen ^eberbufa^'n? 

3' geh/ baljer, i' fnia batjer, 

y treib' an dlt's pdar Stier batjer, 

21 n jungen unb an dlten; 

*)dnl Dirnb'I, mdgft mi' gdr nit galten? — 

IKandjer £efer mirb bereits gefunben faben, baß bas 
Gebotene etmas ftarf „milble". IPollen mir es nur offen 
einbef ernten. (Ein fjauptttjema bes älplerif d?en Dolfs» 
gefanges ift bie finnlidje £iebe, unb es merben in gar 
mandjem £iebe gefdjledjtlidje Derlfältntffe mit einer (Dffen* 
Ijeit befprodjen, bie bem mobernen Kulturmenfdjen, ber fid? 
bas erftemal in länbliaje Kreife magt, fjödjft anftößig cor* 
fommen. ZTamentlidj ftnb es manage IPorte, bie basjenige 
bireft nennen, mas bem (Sebilbeten in ge3mungenen Wen* 
bungen Faum an3ubeuten gemattet ift. Iftöge man fid? ba 
3unäcb(t £efftngs IDorte ins (Sebädjtnis rufen: „(Es ift 
feinesmegs eines reinen f>er3ens unb einer lauteren (Ein« 
bilbungsfraft, ftd? burd? bie groben, plumpen IDorte, bie bas 
Un3Üa>tige gerabe3u ausbriitfen, beleibigt 3U ftnben, mäfyrenb 
man gegen bie fdjlüpfrigften (ßebanfen meit nad?ftd?tiger 
fei, menn fie nur in feine, unanftößige Worte gef leibet ftnb." 

Unb wie ftefjt es benn mit ber Kunftbtdjtung? Stefyt 
nidjt audj bei ifjr bie £iebe, unb 3mar nid?t nur bie plato» 
nifdje, im Ittittelpunfte bes 3 n tereffes? Unb mte ift es 
benn in unferem £eben? Die ftanb aufs fyvs, ifn* Herren! 
Unb fort mit ber fonpentionellen £ügel ^fretltc^ ift bas, 
mas mir alle miffen unb perfteljen, obroob.1 mir alle tun, 
als ob mir es nidjt oerftünben unb nid?t müßten, ein 



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d$QTjrov, b. t. ein ungefaßtes, ungefprodjenes unb bodj allen 
benutztes (Seheimms. Befteht es barum aber etroa nid^r, 
meil nnr uns pellen, als fäben mir es nia>t? Spielt bas 
(ßefdjledjtsDerljältnis in ber HIenfa>enmelt nidjt jene roidjtige 
Holle, bie Schopenhauer („Die Itfelt als Wille unb Dor« 
Teilung", II. Bb., IV. Bud?, Kap. <*2) fo Dortrefflid? fd?tU 
bert? „(Es ift bie Urf ad?e bes Krieges unb ber groecf bes 
friebens, bie (Srunblage bes Truftes unb bas §iel bes 
Sdjenes, bie unerfdjöpflidje Quelle bes tüitjes, ber Sdjlüffel 
3U allen 2lnfpielungen unb ber Sinn aller geheimen JPinFe, 
aller unausgefprodjenen Einträge unb aller rerftohlenen 
Blufe ... ber alle3eit bereite Stoff 311m Sa?er3, eben nnr 
metl ihm ber tieffte (Ernft 1 ) 3ugrunbe liegt. Das aber ift 
bas pifante unb ber Spa§ ber XPelt, ba§ bie fjaupt« 
angelegenhett aller menfdjen ^eimlid? betrieben unb often« 
fibel möglia>(t ignoriert mirb. 3n ber (Eat aber ftefjt man 
biefelbe jeben 21ugenblicf (td? als ben eigentlidjen unb erb« 
lid?en ^errn ber tDelt, aus eigener ntad?tDoüFomment}eit 
auf ben angeftammten (Efyron fe^en unb i?on bort fyerab 
mit höt?" c " ocn Blicfen ber 2Jnftalten lad?en, bie man 
getroffen hat, fte 3U bänbigen, ein3uFerFern, menigftens 
ein3ufd?ränPen unb roomöglid? gan3 »erbecft 3U galten, ober 
bodj fo 3U bemeiftern, ba§ fie nur als eine gan3 unter* 
georbnete Hebenangelegenheit bes £ebens 3um X)orfd?ein 
fomme." 

Dr. 2Jnton JPerle hatte aus feinen 4000 Sdmabahüpfln 
200 birePt obf3öne ausgefdneben (alfo nur 5°/ 0 ) unb in eine 
eigene fleine Sammlung 3ufammengeftellt, ber er ben (Eitel 
„iütlblinge" geben mollte. 3a) \\abe fte alle gelefen unb 
gau3 wenige unter ihnen gefunben, meldte nur gemein 
maren. Die allermeisten befpradjen allerbings Serualia in 
berber, aber faft burdjmegs äugerft mitnger 2Jrt, unb es 
mar nidjt bie <Dbf3önität, fonbern ber IPitj bie £}auptfad?e 
in ihnen. 2Ln (Drten, bie r>on bem Strome ber Der« 
gnügungsreifenben befpiüt werben, Faun ber DolFsliebforfdjer 
letber allerbings öfter bie (Erfahrung madjen, ba§ feinen 
fragen nad? bolFsIiebern, Sdmabahüpfln unb bergleidjen 
bie 2Jbftd?t unterf droben wirb, als fudje er gepfefferte IPare. 
Unb gar leidet ift es, ben £euten foldjes §eug ab3ufragen, 
roährenb Befferes 3U erlangen oft fehr fdnuer ty&lt Wenn 
man mir berartiges bargeboten hatte, fyabe id? mid? meift 



*) Die (Erhaltung ber (Sattung. 



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— — 



mdft weitet barauf eingelaffen , fonbern burd? bie trotfeue 
Bemerkung: „Pas fann man nidjt brncfen lajfenl" meine 
£ente rafdj auf anbere (SebanFen gebraut. 

Das Polfslieb im allgemeinen ift auaj bort, wo es 
gefdjledjtltdjes leben berührt, nidjt unPeufdj. (Es betfanbelt 
Siefen (Segenftanb mie irgenb einen anbeten als etwas 
tTatürlidjes, unb £üjterntj>eit ift iljm fremb. tüte n>ir 
es ja gatt3 unanjtögig ftnben, wenn fleine Kinber, bie ben 
<5efd?led?tsunterfd?teb nodj nidjt Pennen, ftdj nacFt 3eigen, 
ebenfo unanftögig foüten ipir bte Berührung gefd?led?tltdjer 
Perljältnijfe im PolPsliebe finben. JJal Piefe PolPslieber 
ge^en oft naeft, aber fo, mie es bie f leinen Kinber tun, 
ofme jebe 2Jbftdjt unfere Sinne 3U Fibeln. Sie ftnb narft 
mie bie Blumen es ftnb, bie ifjre <Sefd?led?tsorgane unbemugt 
bem Strahl ber Sonne 3umenben. Xüir uerfünbtgen uns 
fdm>er an ber PolPsfeele, wenn mir fte biefer Öatftffett 
megen fdjelten. „Wxx Wilbe ftnb bodj beffere Ittenfdjen", 
Pönnte manches Kinb ber Berge mit Seume ausrufen, 
bejfere ITTenfdjen als ifjr Stäbter aus bem (Enbe bes neun* 
3e^nten unb bem Anfange bes 3man3igften 3afjrfmnberts, 
bie ifjr prübe bie ZIafe rümpft über manches etjrlidje aber 
berbe IPort, mätfrenb ifjr bie 2Jusmüd?fe bes Pertsmus 
mobetörtdjt bemunbert. 

„SJusgefdjloffen" fei aber 3um minbeften oon unferen 
Ausgaben, bie für ben ebelften (Teil unferes Polfes beftimmt 
finb, „alles (Db\$ne, was bte £uft am poff entsaften unb 
Sdmtuij, metft erft beim Perfall ber PolPspoefie, fn'^u« 
gebradjt tjat. Dag 3meibeuttge unb gerabe3U fdjlüpfrige 
äusbrüefe unb Perfe in PoIPsltebern mit unterlaufen, Pann 
nidjt geleugnet merben. Solare gan3 unterbrüefen ober 
änbertt, fließe bas PolP felbft fälf d?en." (£. ITT. Böfnue 
21b. £bb. IX.) Dem abjtd?tftd?en tfuffpuren bes Ordnen 
in £ieb unb Dichtung bes PolPes aber foü burdj bas (ßefagte 
Peiuesmegs bas IPort gerebet merben. 

Dod? td? bin ernft gemorben unb wollte plaubern! 
(Sellen mir fdjnell 3U einer neuen 2Xrt polPsmäfjigen Staffens 
über, 3U ben Polfstä^en. 

Polfstän3e finb gottlob in unferen 2llpen unb nament« 
lief? in ber grünen StetermarP, mo ber tjerrltdjfte aller 
PoIPstän3e, ber innige „fteirifdje Can3" entftanben ift, 
noefy fjäuftg genug an3utreffen. Das (Etgentümliäje ber 
fteirifdjen 4an3mujtP beftetjt barin, baß gemöfmliä) eine im 
8 / 4 tLaU getjenbe, ad^ttaftige €an$wetfe im 3tueiten (Teile bes 



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— <$7 — 

da^es metjt „mörtltd?", b. i. Hote für Xlote, jeboc^ in ber 
nädjjt leeren (Eonart nriebertjolt toirb, worauf bann ber 
erjte (Teil in ber urfprünglicfyen (Eonart folgt. 2XIs 21b- 
fd/lu6 (ganjen folgt ein fu^es, tneift oier ober noa> 
weniger (EaFte umfaffenbes Sätzen, ber fogenannte Tins* 
gang. 3 n &kf er Greife finb faft alle ftetrifajen H&n$t 
qtbant (Ein 3eifpiel möge bas (Sefagte erläutern. 



P 





E 




3—1 





□ llftD. 

tme I, 
jeboefy 

in 
A-bur 



III. IPieberfyolung bes I. (Teiles. 



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— *8 - 



IV. Ausgang. 




' 8 » j. i i ' i 

I * 

Der tner angeführte „Steirif cfc»e" ift einer Sammlung 
oon U9 folcfyer ÖCän3e entnommen, bie mir ber $err (Dber» 
leerer (Sfcfyaiber in £anbl an ber (Enns (Steiermark freunb- 
licfyft überlaffen hat. Sie ftammen aus ^labnitj bei paffail 
unb mürben gar oft bafelbft beim 2lngermirt unb (Eeidjen» 
mirt auf ber (Eeidjalm in ber altfteirif d?en Befetmng, (Seige 
unb fjaefbrett, gefpielt. (Eine anbere, ebenfalls reiche 
Sammlung fteirifdyer (Eän3e, angelegt dou 3- XIT- faefner 
im 3 a ^ re 1859, oerbanfe id? ber (Süte bes £jerrn Dr. Kauff« 
mann, praftifdjer 2Ir3t in ber Deitfdj. (Er t^atte bie beiben 
Klarinettftimmen in ber prein, feiner Heimat, ermorben 
unb mir 3iir Derfügung geftellt. 

Diefe Steirifd^en ftnb in fpäterer §eit ent^tanben unb 
3eigen nid?t mehr röllig bie alte (Einfachheit. 3a? teile im 
uadjfolgenben Hr. 57 unb 58 biefer Sammlung in 3n>ei« 
ftimmiger Raffung mit. Die Begleitung mirb man ftdj 
leidet ergät^en tonnen. 





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folgt entwebet I. ober es fliegt fofort ber folgenbe 
vLanj an. 



gnrücf tjaltcnb. J i 



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g: [T~~i~r~i — BEB 



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- 50 — 




2luger ben yvei oben bereits angeführten Sammlungen 
befitje id? uod? eine große §ar|l alter fteirifcfyer Cän3e, im 
gan3en ryeute über 3000 , einige barunter niebergef abrieben 
von meinem rerftorbenen (Srofjpater mütterlicher Seite, 
teurer fran3 £ecb,ner, einem gebürtigen Södjauer. Per 
tDirt fran3 21 flauer in Hlirternborf im Rüterberg (fo 
nennt man bas (Eal, meines fiel? nörbltdj com (ßrimming 
3mifa7eu Steinadj=3 romn 9 «tafftf ausbermt) ■ er3ätjlte 
mir im l^erbfte *8<H, er fjabe über 800 fteirifdje Cän3e 
aufgefet/rieben gerjabt, tjabe bie Sammlung aber cor einigen 
3afyren als 3U „nidjts metjr nütje" oerbrannt. IDie riel 
mitunter roertrolles unb föftlicfyes Dolfsgut mag auf foldje 
ober boä> auf älmlid?e IPeife 3ugrunbe gegangen fein! 
IPeldje Sct/ä^e mögen baron noa? ba unb bort in meltoer« 
geffenen (ErbeuminFeln ©ergraben liegen! 

Per fteirifd?e (Ean3 felbft, ben idj oben als innig 
be3eidmet fjabe, ift wo\\l ber fet/önfte unb ausbruef 00 Ufte 
ZTattonaltatt3, ben es überhaupt gibt. (Er mufj burdjiuegs 
recr^t gemäa^lid? langfam gefpielt unc* Qctan$t merbeiu 
£eiber ift feine Pflege fefyr in 2Jbnatjme begriffen. 2ln 
einigen (Drten, namentlid? in ben Stäbten, roirb er mot^l 
audj fdjablonifiert, quabrilleumaßig einjtubtert unb per* 



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- 51 



tun fielt. — £enau mar von if^m begeifert; er bef abreibt 
tfm in feinem <Sebia>te „Per Steyrerta^" ((Bebidjte von 
ZT. £enau, 2. Banb, \. Budj). 

Per betannte Heifenbe 3. <S. Kotfl fällte über ben 
ftetrifd?en <Ean3 bas folgenbe Urteil: „3d? muß gefielen, 
baß, was Tlnmnt, Slnjtanb unb <5emtitlid?fctt betrifft, mir 
nidjts ben fteirif djen ZTationaltan3 3U übertreffen fdjetnt. 
(Er ift ber nädrfte Bruber bes (Etroler ZTationaltan3es unb 
bes öfterreidn'fdjen £ä'nblers, bod? ift er nodj anmutiger als 
jener, unb mannigfaltiger, bebeutungsooller unb reifer als 
biefer. Pte Bewegungen ftnb fo langfam, n>ie fle, um 
fdjon genannt 3U merben, fein müffen. Pie Figuren unb 
Stellungen ftnb lauter 3arte unb finnige 2Jnfj>ielungen auf 
bie fügen <5efiil|le ber Siebe. Dabei mirb eine bebeutungs« 
Dolle ITCtmif aufgemanbt, meldte ben <£t^arafter gemütüoffer 
Jröfjlidifeit atmet unb beroeifi, baß ber Steirer ben dan3 
nia>t Wog als eine XlTotion ber füge, fonbern als ben 
rjödtften nnb fdjdnfien SJusbrucf ber Seelenempftnbungen in 
bem gan3en ent3Ürfenben Spiele ber (Slieber aufgefaßt tjat." 

3n uortrefflidjer IDeife fpielen uodj fjeut3Utage bie 
„HToosfirdjner" edjte fteirifdje Cän3e. IKoosfirdjen liegt 
3toif djen Doitsberg unb tbilbon in Steiermark 3" biefem 
(Drte bilbete ftdj vot ^ah^ven aus Bauern ein Heines lä'nb« 
lidjes (Drdjefter. Pie £eute u>aren tptebert^olt in IDien in 
ifjrer uralten fteirifd?en (Lradjt, mit ben großen, breitfrem* 
pigen fjüten unb ben, bis faft an bie Knödjel reidjenben, 
langen, bunfelgrünen Kocfen. Sie fpielten unb fangen 
beibe ITtale im Perein ber beutfdjen Steirer unb im Peutfdjen 
Polfsgefangoereiue unter großem Beifall. 2Iußer biefen 
Kretfen aber blieben fte unt>erftanben unb Rauben menig 
2lnFlang. (Einmal fehlte es gar an Heifegelb jur Hücfreife 
nnb fle mußten ftdj im IPiuter oon (Drt 311 (Drt 3urütf* 
flebeln. 

(Ebenfalls faft unnerftanben blieb bie 3arte Slusftitjrung 
oberöfterveid?ifd?er Sänbler burd? bas £äublerter3ett Blüm* 
linger aus 2Jnborf in (Dberöfterreidj, bas ftdj im 3 a ^ re 
^895 beim fünften Ufjlanbabenb bes Peutfdjen Dolfsgefang« 
ueretnes im Kleinen IHuftPrereinsfaale probii3terte, obrootiJ 
es fein unb dyarafteriftifa? fpielte. (Einige ob er oft er* 
reia>ifd>e länbler f^at 2lnton Hitter pon Spann irt 
feinen „<&fterretdnfd?en Polfsmeifen" reroffentlidjt. 

(Es märe febr 311 roünfAen, baß ftd) ein Kunbiger an 
bie Sammlung unb Verausgabe edjter im PolFsliebe felbft 

4" 



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— 52 — 



entftanbeuer älplcrifdjer (Ean3mufiF magte. 2Jber wo ftnbet 
fidj ber mutige, felbftlofe Perleger?! Das oom Unterrichts- 
iniuifterium "ins leben gerufene unb bisher 3ielbeuuif$t 
geförberte Unternehmen, „Pas PolFslieb tu töfterreia?", 
toirb nun mobl auch biefür Baum unb fylfe febaffen. 

21m feltenfteu unter allen <£r3eugniffen ber PoIFsmufe 
begegnet bem Sammler ein burdj mehrere Strophen in 
^orm einer Bai labe ober eines liebes tnnburd^gefütjrtes 
cinljeitlidjes CCbema. Unb bodj ift gerabe barauf bas f?aupt» 
augenmerF aller Sammler gerichtet. Diefe form oerfucfyt 
mau and? am fyäuftgften Fünftlia? nacbjubilben unb bie 
(Sefabr, Surrogate für ed?te IPare bj^unelnnen , ift bes« 
halb gerabe lu'er am größten. 21m beften lernt man jebod? 
Unedles oon (Eltern burdj eiugefjenbe Befcfyäftigung mit 
biefem unterfaSeiben. Befonbers bas ed?te Kärntnerlieb, 
„biefe buftige Blüte an bem oieläftigen Baume beutfdjeu 
PolFsgefanges", ift bura? oorbringlidje Zladjatnnung tjart 
bebräugt unb nab^e bavan, bureb Künftelei, <£ffeftr?afd?crci 
unb loiUFürlicfye Peränberungen 3ugrunbe gerietet 311 
toerben. 

Dem mu§ 3unäd}ft vorgebeugt toerben 1 Das edjte im 
PolFe felbft entftanbene Kärntnerlieb ftnbet ftdj mit ITTelobteti 
in reicher 21usmal)l in ben folgenben brei Sammlungen: 

\. (Ebmunb ^reiljerr oon Berbert unb Jratt3 
Detfert: Kärntner PolFslieber für eine Singftimme 
mit Begleitung bes pianoforte. Klagenfurt bei lieget, 
.fünf £}efte 311 je 25 liebem, preis bes Heftes 2 K. 

2. Hecffjeims Sammlung: 222 edjte Kärntnerlieber. 
Sa£ für oier Ittännerftimmen. gtoei Abteilungen, preis 
je 2.50 K. Perlag bes Deutfdjen PolFsgefangoereines itt 
WittU — 3. 2lnflage. 

3. Dreigig ed?te Kärutnerlieber, gefammelt unb 
für oierftimmigen IHänuerd?or gefegt oon Karl lieb- 
lettuer. preis \ K. = \ I1T. Wien, Perlag bes Deutfcfyen 
PolFsgcfangoereines, 1903. (Die „8. f lugfdjrift".) 

211107 Haber, Beiner unb IPeibt traben edjte Kärut* 
uerliebcr herausgegeben. Diefe Sammlungen ftnb ber 
Bearf)tung aller Jreunbe echter PolFspoefte toärmjtens 
empfohlen, befoitbers bie oon Heiner. 

Wittes Oer 3artefteu lieber ift bas lieb „Unter ber 
liube". gu ben Ijodjpoetifdjen IDorten ftimmt oortreffltd? 
bie 3arte buftige^IPeife: 



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\. Un.fr b'r Stn.b'n bin i gfö-fn, un«t'r b'r 

2. Don ber Set=fn, ron ber £ei • t'n *) Ftmmt a 

3. £>ta 3 möd?t i tyUt wtf . f n, foll t 




1. Ctn^b'n fit$ t gern, bd fSn ma, n>dnns redjt 

2. fa?eans3üab-le — rjer, Ijäts EjüaMe auf bcr 

3. blet»b*n, foll t geafyn, bä*s 33üab = le ts fo 




1. n>inb*fttü* ts, bäs fjer3 flop»fen Ijern, bd 

2. Set * t'n, unb f djaut flau üer»3ir>icf t ljer, tjdts 

3. Hab, — — unb bte Welt ts fo fdjean, bas 




1. fdn ma, rodnns redjt n?inb=fttü ts, bds 

2. §iiat*le auf ber Set • • t'n unbfcbaut 

3. Süb • ie ts fo Hab,. — unb bte 



*) = Berglehne. 



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{. Ber3 flop * fen fjern. 

2. flau oer - ^w'xdt ijer. 

3. IPelt is fo fdjean. 

21 nm. Die *?auptmelobie ftetjt in ber Unterfrimme. 

2lus Ej. Hetftjeim 222. <Ed?te Kärntnerlieber. Dgl. 
Hr. 80 ber Kärntner Dolfslieber»Sammlung r>on Herbert 
unb Detfer unb „Drei Kärntner £teber, mie fie im £anbe 
gefungen merbeu", Satj für t>ier ITTännerßunmen von 3<>f- 
Heiner. 4. ^eft, Hr. 2. 

Uns ber Hecffjeimfajen Sammlung madje idj auf 
folgenbe £ieber befonbers aufmerffam: 

Hr. 3: Dianble tua nar lifn Iof'n, Hr. Unb 3t»a 
fdmeemeifje (Eäubalan, Hr. \o: Sijft fdjon fönt, btft fdjon 
ba, Hr. \2: 2luf ber ^labni^er 3tfma, Hr. *3: 2Iuf ber 
älm is fa (Trauer, Hr. 32; Über b' &lma, übers Ejälma 
(wirb aud? in Steiermarf gefangen), Hr. 37: Da brau§'n 
im lt>älb, Hr. <*o: Seim Cifcblan is gfeffan, Hr. b\: Wo 
i geff, mo i ftefj, Hr. 52: 21 <Söfd>le muagt Ijäb'n 3um 
2Su§lan rergräVn, Hr. 56: Dianble muaßt nit launig fein, 
Hr. 62: 2llma IPafferl (r»ou BInmel gan3 f unnötigermeife 
neu fomponiertl), Hr. 63: 3 tyäb bir in b' Üuglan g'fa^aut, 
Hr. 72: HTei Ittuatta fagats gern, Hr.,?*: Sianble, mei, 
mei, muaft nit gär a fo fein, Hr. 84: Übern (Sräb'nbädj, 
Hr. 98 unb 99: Du rerpannter (Suggu (unoerfofdjatet!), 
Hr. \\\: IDänn i bäs faggrifdje Dianble nit fjätt. — Dod? 



mie id? merfe, baran bin, bas gan3e 3nt^aItsoer3eia>nis ab« 
3ufd?reiben. 

dt^arafteriftifd? für bie mefn-jtimmige Befjaublung bes 
Kärntnerliebes ift ber fogenannte llberfd?Iag, b. fy. über ber 
fjauptftimtne liegt eine fyöfyere Begleitftimme. Dauon mar 
fdjon bei ber Sefpredmug bes 3°blers bie Hebe. 2Judj in 
beu übrigen Sllpeulänbern, namentlich in Steiermark unb 
(Eirol rjat biefe 2lrt ber Begleitung, bas fogenannte Über- 
fragen, (Eingang gefuuben. Dod? gewinnt ber Überfdjlag 
namentltd) in Steiermarf felbftäubigeren <£fjarafter, fo baß 
er mitunter für bie fjauptftimme gehalten mirb. €s fann 




Des Dortreff lid?en ift fo r>iel, bafi id?, 



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55 



gerabe3U als ein Xenn$e'\d)en ber €tyheit eines £iebes 
angefeheu merben, wenn es fid? „feFunbteren", b. i. in ein« 
fadjer IPetfe in ben fogenannten tPalbhorntönen , (Ee^en, 
Quinten unb Sejten 3meiftimmig fingen ober gut über» 
fdjlagen läßt. Ittan fielle einmal mit irgenb einem foge« 
nannten „£ieb int färntuerif a?eu PolFston", etwa mit 
Kofdjats „Perlaffen" biefe probe an, unb man mirb feine 
IPunber fehen. 2lber bas PolF mei§ ftd? 3U Reifen, menn 
es berartige £ieber in feinen £ieberfd?at5 aufnimmt/ mas 
mitunter porfommt. 2Jls ich mit meiner Familie unb mit 
einigen guten (freunben im Jahre \8S0 von Habegunb bei 
<Sra3 einen Ausflug ins fteirifche Haabtal unternahm, t?örte 
ta> ans einem mogenben Kornfelb ein £ieb erflingen. (Eine 
Schnitterin fang es. Jd? blieb flehen unb ^ora)te unb 
badjte fd?on, auf ein echtes PolFslieb geftogen 3U fein. JTlit 
gekannter 2lufmerFfamFeit laufa?te id? ben Klängen ber 
fernen Sängerin. 33alb Fonnte id? aud? bie XPorte unter» 
fdjeiben. Sie fang l^od?beutfd? mit geringer munbartlid?er 
Färbung bas Sdjmöljerfcfye £ieb: „Die Berge h°ä? an <£r3en 
reich". Dodj bie IHelobie mar nicht mehr 3U erfennen. 
Das PolF hatte fte ftd? munbgered^t gemalt unb fang bas 
£ieb nun nad} feiner IPeife. — Später hörte id) in Hotten« 
mann Sdwiöl^ers „lllmfrieben" 3meiftimmig fingen. Per 
erfte (Eeil lägt fidj gan3 gut „feFunbieren", aber ber 3tt>eite 
Ceti bereitet harmonifdje Sa>mierigfeiten. Da machten bie 
£eute menig Umftänbe, fie legten fidj ben Schluß 3ured>t, 
mie er ihnen paßte. — Durch fold?e lebenbige ITtitarbeit 
bes Polfes mirb aus einem Kunjtlteb ein „polfstümlid?es 
£ieb", bodj niemals ein mirFliches PolFslieb, mie in bem 
Porhergehenben bereits ausgeführt ift. 

Solare oom PolFe gefungene unb umgeftaltete 
Kunft lieber fönnen auch ben erfahrenen Sammler täufdjen. 
3n Seeham am (uummerfee tyvte ich im Jahre *883 
häufig bas £ieb „(D bu r^imtnelblauer See" fingen. Die 
ItteloSie 3eigte gan3 merFnnirbige PerFnr3ungen unb ben 
bem PolFslicbe mitunter eigenen (EaFtmechfel. Jd? bemühte 
mid?, bie IPeife mit allen biefen UnregelmäßigFeiteu genau 
fo niebersufchreiben, mie id? fte tydvie. paßte 
nicht übel 3ur (Drtlidjf eit , menn ber (Erummerfee aua> 
gerabe nicht blau genannt merben Faun. — Das £icb ftammt 
aber aus IHiüöcfers 0perette „Das peru>uufd?ene Schloß", 
ITlan mirb mich tjoff entlief? nicht für Funftfeinblid? h a ^ e11 » 
wenn ich ber Fetjerifdien 2lnjtd?t iusbruef gebe, bas PolF 



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— 56 — 



habe burd? bie Kürzungen, bie es angebracht, XTTillöcfcrs 
Schöpfung rolFstümlicher, lebenbiger unb 311m minbeften 
iittereffanter gemalt. 1 ) Solchen Verarbeitungen gegenüber 
heißt es nun freilief? fej?r r>orfta?tig fein. 

Steter mar F ift nid)t fo glücflicb,, mufiFaltfcb fo hoch- 
ftcheube Polfsliebfammlungen 311 befiften mie "Kärnten. 
IDerles SUmraufch, tejtlich feryr retd?, namentlich an 
Sdmaberhüpfcln, ift in feinem mufifalifa?eu (Teile, meuigfteus 
tuas bie eigentlichen £ieber anbelangt, 5tcmlid? bürftig unb 
nicht üöüig verläßlich,. Dasf elbe gilt nem 5 d? 1 0 f f a r s großer 
Sammlung „Pentfdje DolFslicber aus SteiermarF", 
roas ben mnfifaltfd?cu (Teil anbelangt. 3n beiben Samtip 
lungeu läuft manche unechte iüeife mit unter. Sd^Ioffar 
bringt and? Dichtungen namhafter fteirifd?er Didier unb 
nicht bloß DolFsgut. Die Stöcflfcben Bearbeitungen ftei^ 
rifeber DolFslieber für mänuerd?or ftnb gut, aber leiber 
mitunter etmas fteif Ijarmouifiert. Die £ieber Hr. \% 26, 
28, 3\, 39 unb 40 3eigen nicht nur, mie Stöcfl meint, Der- 
tr>anbtfcf)aft mit ben Kärntuerlicbern, fonbern finb wirflia? 
foldje, werben aber auch in Steiermarf feit bem Anfang ber 
fed^iger 3arjre häufig unb gerne gefungen. Dom mufi- 
faltfdjeu StanbpuuFt bie befte Sammlung ift „fteiberta? 
unb peterftamm", 25 fteirifd^c DolFslieber, gefammelt 
unb eingerichtet für Klarier von Dicto r §acf (brei 6efte). 
ZTamentlia> bie 3u>eite .folge enthält nur" (£d>tes in treff* 
lieber, meift echt rolFstümltchcr Bearbeitung. ' HTan fpielc 
ober finge bod? einmal aus bem 3n>eiteu fjeft bas alte £teb 
„Wia Infti i's im Hinter" (Hr. u)! Schmöker hat 3mölf 
fteirifche DolFslieber herausgegeben (1860 bei Kaimt tu 
£eip3ig), boa> ift nicht alles ed?t baran. 2Ju<h mar er ber 
2lnftcht, bas Dolf beft^e menig mertrolle £ieber unb es 
hanble ftch barum, für biefe einfachen IHenfchen fold?e Fünft« 
mäßig 311 fdjaffen. 3« einem Briefe an feinen Kunftgenoffeu 
£ubmig Karl Seybler, ben Schöpfer bes Dacbfteinliebes, bas 
manche mit tinrecht für ein ftetrifches DolFslieb im engereu 
Sinne halten, meint er: „mit ben (Testen geht's nicht 



*) 3d? b^be lUillöcfers Kompofttiou unb bie Singart ber 
Seehamer feiuer3eit tu ber geitfdirift „Das beutfehe DolFs- 
lieb" einanber 311m Vergleiche gegenübergestellt, mir gefällt 
bie 2Irt, roie ftd? bas Dolf biefes l£ieb 3itrechtfang, beffer 
als bas millöcferfche (Driginal. Hiesiger beFlamiert ift ber 
(Eert beim DolFe ftcherltch- 



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— 57 — 

red?t, biefelbcn finb teils aar 3U berb ober fonft nxdbt von 
Belang" (1). 

Schindler rjattc eine 311 geringe Uleinittig oon bein 
mirflichen Polfsliebe unb t^ielt 3U grofje Stütfe auf unfere 
(Sefangpereine. 3n bem angeführten Briefe erflärte er 
es als einen Do^ug unferer §eit, ba% bie Sängeruereine 
ejiftieren; „bas finb unb bleiben" nach Schmökers IHeinung 
„bie Qäter unferes Siebes". (Serabe bas (Entgegengefetjte ift 
Ieiber mahr. Wo fta? einmal ein ITtänuergefaugoerein auf« 
getan hat, ift's mit bem Singen im Polfe porbei. Das Pol! 
fdjämt fid? bann feiner einfachen, 3meiftimmigen IPeifeu, 
unb ba es nidjt tnerftimmig fingen fann, fo fdnueigt es 
lieber gau3. Dag unfere beutfchen (Sefanguereine bie h<>h e 
Aufgabe tyabtn, bas eaite Polfslieb als unferen föftlidpeu 
nationalen öefttj $« aa)ttn, 311 fammeln unb liebeooll 3U 
pflegen, bas mill ben meiften Siebertaflerföpfen noch immer 
nicht in ben Sinn. Was ift ihnen (ßoettje, ber ba fagt: 
„Dergleichen (Sebidjte finb fo mahre poefie, als fte irgenb 
nur fein fann", unb tPagner, ber behauptet: „Das Polfs» 
tümlid^e ift r>on jeher ber befrucbteube (Quell ber Kunft 
gemefeu"?! fjaben fie etwa bie XPorte bes gemütnollen 
Jreunbes unferes Dieters Stifter, bes oerftorbenen 21 n ton 
Hitter üonSpaun gelefen unb in fia? aufgenommen?: 
„IPir füllen uns nid?t gebrängt, bie lebeusfrifd?en Polfs» 
meifen gefammelt, 3U papier gebraut, ausgetrocknet, mtc 
ein Herbarium r»on 2Jlpenpflan3en , auf bie tfadjtuelt 311 
bringen; aber r»erpflan3en möchten mir fie mit ber rollen 
<8lut ber Jarben, mit bem foftlicfyen Duft, ber ihnen eigen 
ift, auch in anbere Kreife unb £ebensoerhältniffe, um ber 
2lrmut an lebensfrifa^en ITtelobien auf3uhelfen, unb Klänge 
tiefen tTaturgefühls unb ungetrübter fjeiterfeit in mufifalifa^e 
girfel ei^uführen, bie permölntt finb, oor3ugsmeife ben 
Pe^errungen ber ieibenfa^aften in (Tönen unb Korten 511 
{mitogen." 2Jua? ßoffmann oon Fallersleben prebigt 
tauben (Dlnren, wenn er ftdj gegen bie SJnmagung tuenbet, 
Polfslieber bieten 3U mollen. Sie folgen ihm nicht, wenn 
er fagt, bas Pol? fei r>iel poetifa^er „als biejenigen poeten, 
bie in bestimmter ITlunbart Perfe machen, unb menn fie 
alle platten Pol? sausbrücf e , alle uerborbenen unb unge« 
fdjlachten Eigenheiten ber HTunbart angebracht höben, 
glauben fönnen, bas feien bie eigentlichen, mahren Polfs« 
lieber". 

Sd>m 013er mußte 3ubem erft mühfelig ben clharafter 



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— 58 — 



bes fteirifdjen Polfsliebes ftubieren, um i^n 3U Fennen, rote 
er tu beut autogenen Briefe an Seybler eingefteljt. fjeini 
von Steier (IPaftian) er3äblt in feinem Sebensbilbe 
5d?möl3crs: €iu £?ammcrfduuieb in Kinbberg, oou (ßebnrt 
ein Kriegladjer, namens (Thomas fjärbtner, fyabe Sdnnöl3cr 
erft auf bie Keun^cidieu bes edjten Steirerltebes aufmerf» 
fam gemadjt. Piefem fdilidjten UTanne fyabe es Sdnnö^er 
311 bauFen, ba§ er ein Steirerlieb von einem Kärntnerlieb 
ober einem anbereu (Sebtrgslieb 3U uuterf Reiben t>erftanb. — 
SaSmö^er r>erfud>te tyier etroas 311 leiften, roas nur in ben 
roenigften fällen uu3n>eifelfyaft feftgefteüt roerben Faun, 
nämlid) bas f^eimatslanb eines Dolfsliebes nad^uroetfen. 
Pa maren Hof egger unb Hellberger fd>on rorfidjtiger, 
wenn fie in itjrer f leinen f \&72 erfdneuenen Sammlung 
„Dolfslicber ans Steiermark', lieber aus SteiermarF 
unb nid)t fteirifdje PolFslieber 3U geben oerfpradjen. 
„3dj fanb bie £iebcr eben im fteirifdjen £>olFe," fagt 
Hofegger im Dormorte, „unb bas gibt mir bas Hedjt, fie 
DolFslieber aus SteiermarF 3U nennen/ Per Urfprung 
eines PolFsIiebes ift, wie Hofegger richtig bemerFt, über« 
fyaupt fer^r ferner 311 beftintmeu. 3d? habe fteirifdje DolFs« 
lieber tu (Tirol unb Kärnten, (Tiroler« unb Kärntnerlieber 
in SteiermarF unb alpenlänbifdje (Sefänge überhaupt tu 
XTorbmätjren unb fclbft im (Egerlanbe gefnnben. <£s ift 
fclbftrerftänbltd?, ba§ id? einen geroiffen Unterfdueb in 
Sang unb Pid>tung ntd?t leugnen mili. über Sdjmöl3er 
mar getrif} 311 änaftlid? unb fterfte bem Steirerliebe 3U enge 
<Sreu3en, tnbem er blinblittgs an ben Kenn3eid?en fefttjielt, 
bie tijm jeuer fjammerfajmieb angegeben ifatte. So Fam 
es, baß er niebt fiel mebr als 3mölf lieber für ed?t fteirifd) 
crFlären Fonute, unb oavon ift faft bie rjälfte — bod? nidpt 
edjtes, mirFlid?es DolFsgutl 

2lud? Sdunö^ers IHetfyobe, nad? DolFsliebern 311 
forfd?cu, fd^eint uidjt immer bie riditige gemefen 3U fein, 
wie Hof eggers <£r3äfyluug oou feinem erften Befucfye beim 
Vermalter Sd^mö^er auf Sd^lojj (DberFinbberg 3eigt. — 211s 
uttfer trefflicher fteirifeber Ptdjter nod> bas eble Sdmeiber« 
banbmerF betrieb, liefj ben jungen Sdmeiber eines (Tages 
ber fyodnnögenbe Dermaltcr burdj einen Boten 311 ftd? aufs 
Sdjiog entbieten, n?as Hofegger in argen Scfyrecfen üer» 
fetjte, benu bie §eit, in ber ber Bauer in ben Banben ber 
rjörtgFctt gefdnnad^tet rjatte , wav uod? unoergeffen. 3^? 
laffe nun Hofegger felbft bas IPort: „Pas ftattlicfye Sd?lo§ 



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— 59 



liegt auf ber 2Xnl?Ötjc unb leuchtet roeit hinaus ins (Eal. 
3d? ftieg Innan unb jtanb am (Einfahrtstore unb im *?ofe 
auf bem Steinpftafier eine tDeile fo unfidper nnb unfdjlnffig 
um^er, bis ein Dogt ober bergleid?en fam unb midj fragte, 
mas idj wolle. tTun mar bas fjübfd?. 3d? moüte nid?ts, 
aber üon mir wollte man etmas, nur roufte ia? nidjt, mas 
unb mer. niedrere £eute famen 3ufammeu unb rieten fo 
eine IDeile tun unb her, bis es plötjlidj einer alten <frau 
einfiel: ,Pas ijt geroig ber Sdmeibergefelle, ben ftdj ber £jerr 
Permalter beftellt tjat. (Hin tPunberfdmeiber, ber allerffanb 
£iebein madjen fann. Kann (Er bas?' — ,iüegen ein paar 
liebeln werbe idj nodj nid?t betteln gehen,' mar meine Ant- 
wort, ,bie mad?' ia? mir fd?on felber.' — ,<Er ift esl' rief 
bie 2Jlte unb führte midj eine formale (Treppe hinauf in bas 
(Sebäube. €in großes gimmer mit Dielen (Semalben, ZToten» 
heften unb einem Klimperfaften. (Ein ftattlidjer iftann in 
grauem, grünansgefdjlagenem 5teireran3uge. Pas ijaupt 
etmas vorgeneigt, oon ber Stirne maren bie langen, fdjon 
fdjimmeligen ^aare nadj rütfroärts gefämmt, im breiten, 
einäugigen (Seftdjte ein bufdjiger, grauer Sdmurrbart. Pas 
mar ber Derroalter bes Stoffes (Dberftnbberg, ber ftetrifebe 
£ieberromponift 3afob Sa? m 013 er. Schmöker trat auf 
mid? ju unb als er erfahren hatte, ba§ es ber fdjöngeiftige 
Sdmeiber aus bem (Sebtrge fei, ber cor ibm ^tanb, fdpüttelte 
er bas fjaupt unb reifte mir bie Jjanb. ,3ft es roa br, 
ba§ 5ie (5ebia?te madjen?' fragte miä? Sdmiö^er, nadjbem 
mir uns auf Stühle gefetjt Ratten. — ,3a — manchmal/ 
antmortete \<b r>erfa?ämt. — ,Pa miffen Sie roohl aua? redjt 
Diele Bauernlieber, fo (S'fangelu, mie fte bie 8urfd?eu ben 
Pirnbeln oorftngen, ober bie Pirnbeln ben 23urfd?en, ober 
bie Bäuerinnen beim Spinnen, ober bei ijodtfeiten, £ eidjen« 
begängniffen unb 3U uerfdjiebenen feften. tPiffen Sie 
fold?e?' — ,Pas fd?on!' mar meine Antwort. — ,21ua^ 
Sd?elmenftücfeln, Die^eilige, bie rea>t l?nbfa>e IPeifcu 
l^aben?' — ,(D ja,' fagte id?. — ,<£i bitte,' fpraa? ber 
perr Dermalter, »fingen Sie mir etlidie r>or!' — 3^? blirfte 
ihm lange ins (Seftdjt. Podj feltfam, ba§ ein Permalter 
bittmeife fommtl Ünb autroortete enblid>: ,Per Berr roirb 
beim Unrealen fein. Per Sdmeiber £ins 3U Jifd^baa? Faun 
fdjön fingen. 3<*? fann i\alt nidnV — So möd>te idj ihm 
bie £ieblein roenigftens corfagen, menn tdj fo gut märe! — 
,So gut bin idj gerne/ mar mein Befdjeib. — ,Tla freilief?/ 
ladete er, unb herauf imb idj an 3U fagen unb er 31t 



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fcbreibeu. 2lber es ging armfelig mit bem Diftieren; man 
roeiß es ja, bei folgen üeberu fällt einem ber Ceyt nur 
ein, wenn man ihn finat- 3<*? mußte, um meiter3uFommeu, 
mir immer bie IHelobie pergeaeumärtigen, unb bas tonnte 
icb, ohne Stimmittel nid?t." Da forberte Sc^nö^er bas 
Sdmetberleiu auf, ihm einige Dolfsmcifen auf bem Klavier 
uorjufpielen, natürlich ohne (Erfolg, beun ber Sdmeiber per« 
ftaub fid? barauf nid?:. <£nbltd) perfucr/te es ber rjerr Per« 
»alter mit einem anberen mittel. €r ließ bem jungen 
meujdjeu ein (Sias Bier auftifeben, um ihn in bie richtige 
Stimmung 311 bringen, beim bas ift bas Mernndjtigfte. Unb 
nun matten fte fieb nneber an bie Arbeit. — „Um beu 
(Eert 311 ftuben," er3ärjlt Kofegger roeitcr, „tpifperte idj fo 
ein nientg bie ITtclobie cor mid? l]in." 

,!t>as, Sie rönnen pfeifen?' rief Schmöker, ,bas ift ja 
prächtig! So pfeifen Sie mir bie Itteifeu por.' »pfeifen 
ift feine Kunft\ meinte td ? , ,aber — 1 ,lum?' ,3* muß 
m uicl lachen babei unb ba aerjt bei* Sdmabel auseinanber. 
\lV\v muffen nod? ein (Sias" Bier trinfen / riet er unb 
fünfte ein. Unb mit folgen Kuuftftücfen brachte er es 
richtig foiueit, baß id? anbub, allertjanb Dolfstueifeu <m 
pfeifen, ohne baß babei ber Sdmabel auseinaubergiug. €r 
ließ bie Saiten fieb roieberboleu unb febrieb bie Polfsroeifeu 
in ttoteu auf papier, baß fie ber lUtnb nicht pertragen 
rennte. CEuMicf? hnb id?, mutig geworben, gar an 311 fingen, 
benu finaen fanu eublid? jebeunanu, roeuu gefungen — 
gefuugetf ift. 3* fang Sieb um £icb, u?ie fie pon metner 
Mutter, pou meinem Sebrmeifter, pou Jiebesleuten unb 
frommen (Jlhrifteu gehört ruorbcu tuaren, unb Sd?mol3er 
fdjrieb mit fTinfer Banb bie 5etd?en auf." 

Hub nun fpielte Sdnuöl3er bas 2Iufgefd?riebene bem 
Dcrrounberten unb et^üdfteu jungen fjanbroerfer in per« 
febiebeneu Birten por. 

„,lttund>en lio^bauer unb Miltner, manche Sennerin 
fanae"idi, tpie tcb Sie heute gefangen, unb rpenu bie 
Berken fonft utdjt Hingen wollen, fo ftoße id? mit einem 
ibetn« ober Bterglafe au biefelbeu unb fie Hingen ficb.erlicb. 
2Ufo pfüeae id? btc PolFftuetfeu 511 fammeln, auf3umerfen 
unb bann in ber ZUeit 311 perbreiten.' fd>lofi Schmöker." 

Piefe allerliebft erzählte (Sefdncbte ift in mancher 
Besiehuug lebrreidj für uns. Docb 3eigt fie, trofc iljves 
günftigeu Sdilußerfolgcs, eiacntlidj mehr, wie man es nta>t 
machen öürfe, wenn man bte 2lbftcbt l>at, tu ben Befitj 



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61 — 



edjter Polfsmeifen 3U fommen, als mie mau babei ©or« 
3iigeben fjabe. IHan merfe erftlidj: ITT 1 1 bem Komman- 
dieren unb 2lnfdjaffen, mit bem gureben unb 
Bitten geht's nia>t, bas fyat in ber Kegel ben entgegen« 
gefegten (Erfolg, oerfa>üd?tert bie Seilte unb es fällt itmen 
bann gar nia>ts merjr ein, (Ein föftlidjes (Erlebnis erßäbje 
idj, um 3U 3eigen, baß felbft bie Anrufung militärifdjer 
Pissiplin fruchtlos fein Faun. (Es galt, idj mill niajt fagen 
mo unb mann, ein ll>of}ltätigfeitsfeft im großen Stile 3U 
reranftalten. Bei itmt follten älplerifdje £ieber unb Cän3e 
3ur Dorfüljrung fommen. (Ein befreunbeter (Dffoier — 
ZIamen unb (grab perfdjmeige idj, meil id? nidjt meiß, ob 
es bem fjerru redjt märe, menn man ifyn erriete — lub 
mid? unb meinen freunb in bas ITIufif^immer ber Kafeme, 
mobin er ein3elne Solbaten, t>on benen er mußte, baß fie 
almerifa) fingen unb tan3en fönnen, beorbert fyatte. öalb 
maren bie £eute oerfammelt, nur 3mei IHann ließen auf fidj 
warten. 2lls fie enblidj erfdjienen, fabelte fie, bie natür* 
lid? militärifa? falutierenb ftramm baftanben mie Ittauem, 
itn* ungebulbiger Dorgefetjter suerft tüd?tig ab unb fufyr 
fie bann fur3 unb barfdj an: „2Jlfo was fönneu Sie, fingen 
ober tansen?" „(Landen" fam es über bie Sippen bes einen. 
„Singen, 3U Befehl, fjerr — I" fagte ber anbere. Da fjerrfdrte 
ber f leine, quecffilbern unruhige (Dfftier ben 3meiten an: 
„2llfo fingen Siel" (Crotj aller militärifdjen Strenge er» 
tjielt ber (5efürd?tete oon bem ftramm falutierenbeu Solbaten 
jebodj bie ausmeidjenbe 2lntmort: „§u Befetjl — aber idj 
fann nidjt — ia) bin Reifer". 2Jus bem HTanne mar fein 
Hon fjeraus3ubriugen , unb ia> glaube, menn es um fein 
leben gegangen märe, er märe fhtmm geblieben mie ein 
f ifa>. Hid?t aus Crofc ober IDiberfefclidjfeit; er mollte ja, 
bas fafy man tbju woty an, aber er fonnte eben nidjt, mit 
bem beften IDillen nidjt. Der furd?tbare pfydjifcfye Drucf, 
unter bem ber Zlrme ftanb, mirfte mie lätjmenb auf itm 
unb ließ ntdjt bas unfcfyeiubarfte Sdmabatyüpfl über bie 
Sdjtuelle feines Bemußtfeins treten. Da id? mußte, moran 
es fefyle, fügten mir ben geftrengen ßerrn Kommanbanten 
fort3ubringen. (Es gelangt Halbem ber (Sefürdjtete oer» 
fd?umnben mar, ließ id? ein paar Doppelliter Bier bringen 
unb fragte ben einen unb ben anberen, mober er benn fei. 
Hatürlidj mußte idj bann, mo ber (Drt liege, ober mar 
felber bort gemefen unb nannte motjl gar ben Hamen biefes 
ober jenes €inmolmers, unb als ia> bann erft mein 3<>oler» 



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— 62 — 



bücfylein aus ber (Eafctye 30g iinb 3°^ cr auffchlug, bie ta? 
in ben genannten Orten ober in beren Umgebung gefatnmelt 
hatte unb ben Acuten bie genauen Bezeichnungen ber Junb« 
orte unb meiner (Seroäbrsmänner porrotes, bie jebem 5<>bler 
in meinem Büchlein geroiffenbaft betgefetjt jtnb, ba roebte 
ben £euten etwas roie fjeimatluft entaegen, bas (Eis roar 
gebrochen, 2Jngft unb Verlegenheit oerfdjrounben, unb felbjt 
bie ^eiferfeit roar glütflidj überrounben. Die £eute fangen 
unb tan3ten unb roaren fröhlich, roie 3Ü £)aufe unb balb 
br&ngte ein £ieb bas anbere. — 3a, ja! Die Stimmung 
macht eben aHesl Wtt bte £eute in bie richtige 
Stimmung 3U oerfetjen öerfteht, bem geben fie 
roillig, roas fie an Biebern traben. 

Da ijt nun aber 3U Schmökers oben ausführlich, bar* 
gelegter Sammelmethobe noch etroas 3U bemerfen: tPill man 
feine $eute in ber richtigen Stimmung treffen ober bodj 
unter Umjtänben, bei roeldjen man fie leidet unb nnmerflid? 
in bie notroenbige (Semütsoerfaffnng oerferjen fann, fo barf 
man fie nkfyt 311 fidj in eine ihnen frembe Umgebung 
entbieten, fonbern mau muß 3U ilmen fommen unb Jte auf« 
fudjen, an Sonnabenben ober an Sonntagen oormittags 
nach ber ^rü^mejfe, am beften aber an Sonn«, unb Jeier« 
tagen bes 2lbenbs in ben oon ihnen mit Dorliebe befudjteu 
(Saft ha* ufern. Da ftnbet man fie audj fd^ön beifammen, roie 
fie ftd? 3ueinanber gefeilt Ijaben. Die Slper fingen ja nicht 
„Solo", es fei bemt, baß es nid?t anbers fein fann in ber 
(Einfamfeit bes Hochgebirges, fonbern 3U 3roeien (f eltener 
3U breien) ober im <£§ore. Wenn man einen ei^elnen oon 
i^nett oornimmt, fo ift er fo unbeholfen, roie roir, roenn 
roir bie redete panb in ber Sämlinge tragen muffen. (Es fehlt 
ihm bie €rgäit3ung, ber Sangesgenoffe, mit bem er feine 
£ieber eingeübt hat unb mit bem er fie gewöhnlich ftngt, 
fein „(S'fpctn" ober bie „<S'f pd nin", roie es almerifdj 
heißt. IDie fagt bodj %rber? — „(Sefang liebt Wenge, 
bie §nfammenftimmung oteler." 

Unb brittens roollen roir nod? anmerfen: Der tPeih 
ift ja ein oortreffliches 2lufheiteruugsmittel unb ein aus» 
ge3eidmeter Stimmungmacher, aber ber Wein allein tut's 
nid?t ober bod? nicht immer. tflit geiftigen Mitteln ijt noch 
mehr aus3urichten als mit ben phYfifdjen, mit Bier, XDein 
unb Branntroein. ^eiterfeit, Jfreube, <Ehrgei3, tDetteifer 
oermag uns meift oiel beflfer 3U förbern als alle Birten 
alkoholhaltiger (Setränfe. Unb fd}ließlia> muß mau aua> 



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— 63 — 

gerabe bas richtige Quantum 2Uf obol in 2Inmenbung bringen. 
3ji's 3U menig, fo fommt bie Stimmung ntdjt, tft's 3U ptel 
— getjt' 5 aua> nidjt. 

XPanbelte id? ba im 3afyre 1890 von £eifaa> im 
puflertale mieber einmal auf einfameu (gebirgspfaben mit 
meinem freunbe, bem HTaler ^einria> HTayer, uadj meinem 
geliebten Bannberg. UTaurer Senfter, audj einer meiner 
Dolfslieblieferanten, r^atte in bem <5ebirgsborfe 2Irbett unb 
mar fdjon einige (Tage oor mir fjinauf ge3ogen ; er fyatte mir 
perfprodjen, für ben 2Ibenb meines (Eintreffens bie Sann« 
berger Polfsliebfunbigen in bas (Semeinbemirtstjaus 311» 
fammen3ubeftellen. Kur3 nach bem (Sebetläuten fam mein 
HTaurer batjer, unb allmäbjia? fMten ftdj aud? bie Bann« 
berger Bauern ein, etma adjt an ber gaijl. €tma befonbers 
3u nennen märe 3ngenuin pebretfdjer, ein fdnnädjtiges, 
bemeglicb.es OTännd?en, in ben Diesigem fteljenb, mit 
inteUigentem Zlngejtdjte, italienif d?en SJusfefyens; ber ältere 
21nton Sitnmerleitner, ber ben fdjmeigfameu Beobadjter 
fpielte, unb ber Bauer Kreuzer mit blonbgelocftem Raupte 
unb bem liebensmürbig läd?eluben dirolermunbe. 

Sie festen ftd} alle auf unfere 2Iufforberung um ben 
(Eifdj, an bem mir fafjen, unb obmo^l fie mußten, ba§ es 
fpäter freituein geben merbe, beft eilte }i(b bodj jeber 311 er ft 
fein Viertel Hoten ober fein (Släsdjen Sdmaps. (Es mar 
flar, fie moüten fia? nidjt aushalten laffen, fte moüten 
3eigen, bafj fte itjre §ea)e felbft bedien fönnen. Die Unter» 
Haltung mürbe anfangs natürlich von ben £euten im f lüfter» 
tone ober bodj nur tjalblaut geführt, unb mir hüteten uns 
moljl, uns brein3umifd?en, fonbern pertieften uns in bas 
Stubium unferes 21benbeffens. 2hiä> ermarteten mir nodj 
ben Sdjaffyirten 2lnbrä Kreuzer, ben Bruber bes anwe^nben 
Bauern gleichen Hamens, oon ber Bannberger 2Jlm, ber 
als ber tücfytigfte Sänger galt unb 3ugefagt fyatte, pou 
feiner über \eoo m fyodj gelegenen §ntte nad? Bannberg 
tjerunte^ufommen. Dodj mir follten lange märten. 3d? 
wanbte mia? an ben nerftänbigen pebretfeber unb an ben 
Reiter bliefenben Bruber bes (Ermarteten unb fragte um 
biefes unb um jenes £ieb, ftimmte felber einige 3obler an 
unb 3eigte mein 3oblerbüd?el. Balb mar bie erfte Per« 
legetttjeit übermunben unb bie ZIeugier ber £eute erregt, 
pebretfdjer magte fid? als ber erfte felbft mit Hoblern fyeraus. 
34 mar bereits mit 21uffd?reiben befd?äftigt, als mir aus 
meiter (ferne einen gellen, langge3ogenen 3udrfd?rei per« 



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- 6* - 



nahmen, bem balb ein smeiter unb britter folgte. — (Er 
mar es, ber lang erwartete Schafhirt oon ber Bannberger 
2llm, ber in mächtigen Sätjen unferem Dorfe 3ueilte unb 
fein Kommen burdj fdjöne 3 ud ? c 3 cr anfünbigte. tlun trat 
er ein, ber (Erfetmte, mit brö'hnenben, mächtigen Stritten, 
eine r^ot^e, Magere, jebodj fräfttge IHannesgeftalt mit metter* 
gebräunten §ügeu, ben puftertaler Spitjtmt auf bem Kopfe, 
frifdje klugen unb eine edjte (Eirolernafe in bem ausbrutfs« 
sollen, bärtigen (Sefid?te. Dod? als er ber groben geroatjr 
mürbe, ging eine plötjliche U mannt d hing in feinem gamen 
Wtfen cor fid?. Der einfame Solm ber Berge fefcte fta>, 
feine fta>tlid?e Befangenheit naa> Kräften befämpfenb, ans 
änßerjte (Enbe nnferes Cifcbes. HTit einem Blicf fjatte ia> 
bie Situation erfaßt. ITun fn'eß es, flug fein unb ben ITTann 
möglict/ft unbeachtet laffen, bamit fein IDille bie (Dbertjanb 
über feine Schüchternheit gemtnne. XPir plauberten meiter, 
als ob nichts üorgefaüen märe, unb liegen „5pe3ial" an- 
fahren, bie £eute fingen an marm 3U merben, c£horlieber 
fliegen unb ein3elne r>erfud?ten ftd? bereits im ibettgefange. 
(Es mar fdjon fpät gemorben unb noch immer fämpfte ber 
UTann ba unten mit fta? fei ber. Ztuit mußte er bran, menu 
mir l\e\üe von itnn überhaupt noa? etmas erfahren mollten. 
&uf unfer 2injtif ten forberte itm fein Bruber auf, audj 
etmas 3U fingen. Doch bem IHanne mollte nichts einfallen, 
mas er feinen Kopf auch 3ermarterte. Da erhob er fia> 
plötjlid) unb verließ bie Stube. Sein Bruber fagte uns, er 
fa>äme fid? unb ärgere fid?, baß er nichts 3itmege bringe 
unb molle brausen üerfud?en, ben miberfpenftigen (Seift in 
feinem Jnnern niebe^uringen. (Er fetjrte balb mieber, bodj 
feine Bemühungen maren uergeblich gemefen. Hun er* 
grimmte er gegen fid? felbft unb geißelte feine Brujt mit 
Schlägen unb fluchte, baß es feine 5rt hatte. Ellies um» 
fonft! Was er aua> com roten (Eiroler in ftdj ijtneiftaoftj 
unb mieoiel Sdmäpfe er aua? barauffefcte, es griff nichts 
au bei ihm. ^eute mar bie Schlad^ nicht mehr 3U geminnen. 
c£r geftanb uns, beoor er ging — IHitternadjt mar be* 
reits lang oorüber — baß er ftdj nicht gut genug oor» 
bereitet habe. Wenn mir nod? einmal h*rauffämen, merbe 
er fd>on beffer rorforgen, mir follten's ihm nicht pertibeln, 
baß er uns feixte nichts gebraut hotte. Wxv rerfpraa^en, 
in ad?t (Tagen mieber3ufommen, unb ich gab bem Scheiben* 
ben uod? gute Hatf daläge mit auf ben JPeg 31t feiner ein* 
famen Sennhüte, er möge {ich bie fommenbeu (Tage, meun 



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— 65 — 

ihm irgenb ein £ieb ober 3°&te r einfalle, ein paar Cejrt« 
morte nteberf einreiben ober ben Hamen bes Siebes ober 
3oblers ober fonft ein §eidjen, bamit er jidj bas nädjfte 
mal baxan galten unb feinem (ßebädjtniffe nadjhelfen fönne. 
(Er t>erfpradj 31t tnn naa> meinem Hate unb flieg in ber 
Sternenhellen ljerrlia>en Sommernaajt ben Peilen XPeg 3U 
feinen fdjlummemben 5a)afen empor. 

Had? adjt (tagen famen mir mieber. 21ud? ber Sdjaf» 
tfirte r»on ber Bannberger 2IIm {teilte jidj pünftlid? ein. 
(Er hatte ftdj gut vorbereitet, mie er fagte, aber nidjt in 
bem Sinne, in bem tdj es ihm empfohlen tjatte. Bevor er 
3U uns herniebergeftiegen mar, hatte er eine beträd?tlid?e 
ITTenge von feinem Bergfdmaps 3U fidj genommen, in ber 
Hoffnung, er merbe bann nidft mieber fo übel befielen cor 
ben fremben Herren, mie bas erftemal. £etber hatte er 
ftdj im Quantum ©ergriffen, §atte er ftd? bas erftemal ju 
menig vorbereitet, fo hatte er biesmal bes (ßuten 3uoiel 
getan. Befangen mar er nun mohl ntdjt, aber mas anberes 
(Uhlanb hat für ben guftanb, bes <5rafen platen IPort« 
bilbung „bebiabemt" oerfpottenb, bas tPort bebiabufelt 
gebraust)« Dodj meifterte er ftdj mit ftarfem IDillen. Wav 
ihm bas erftemal nidjts eingefallen, fo fiel ihm jefct 3ttr»iel 
auf einmal ein. Kaitm hatte er ben einen 3obler 3U (Etrte 
gefungen, fo trat ihm fdjon ein anberer vor bte Seele unb 
in 11 fite h erails unb fort ging r s in fltegenber (Eile unb alles 
Bremfeu half nidjts. 3d> hatte mit bem 2Juffd?reibcn 
meine fernere Hot. Verlangte idj oon ihm, um meine Hiebet* 
fdjrift ridjtigftellen 3U fönnen, eine IPieberbolung bes £iebes, 
fo fang er bas 3meitemal fidjerlid? mefentlidj anbers als 
bas erftemal, fo bafj bte Ausbeute, mas feine perfon anbe* 
langt, leiber nur eine geringe mar. 3d? habe mir feft vov* 
genommen, nodj ein brittes UTal bas ftille (Sebirgsborf auf« 
3ufud?en. Wenn Jlnbrä Kreutjer bann nod? Sdjafhtrt auf 
ber 211m ijt, mirb er fidj mir mohl audj mieber 3ur Per» 
fügung ftellen. fjoffentlidj trifft er bann bie ridjtige ITTttte 
3mifd}en bem §umentg unb Zuviel in feiner Vorbereitung. 
— Das ift bie (gefdjtdjte von bem Jllfohol im Dienfte ber 
Dolfsliebforf dmnq. 

(Eine Bemerfung m3d?te id? an biefer Stelle 3ur (Ehren, 
rettuug unferes (Bebtrgsvolfs madjen. Wo id? nodj £ieber 
fammelte, in Sal3burg, in (Dberöfterreid?, in Steiermarf unb 
in (Tirol, liegen es ftdj bte £eute mohl gefallen, menn id? 
Bier ober Itfein attf3ntifd?en befahl, aber (Sott bemahre, 

\2. $lagfd>rift. 5 



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— 66 — 

bajj irgeubeiner r>ou ilmen, namentlich in (Eirol. mtdj iu 
grojge Unfoftcn gcftiir3t hätte! Sic iparcn in ihren 2Jn» 
fprücheu burcr/megs fehr befcr/eiben. 

ilus Hannberg trug icf? bamals trotj allebem einige 
loertoolle £icber unb 3oblcr mit nad? £}aufe. Die letzteren 
ftehen in meiner 3n?citen ^oblerfammlung (222 3- unb 3- 
IPien bei Kobitfcbef, \893) unter Xlv. 2—^, 38, [\\ unb 
U2, namentlich ber wehmütige unb ber leicht beroegte 
58. feien hervorgehoben; ron ben £iebem ermähne idj.ein 
eebt humoriftifer/es Hecflieb auf ben IPeiberüberflug, mit 
einer im 3U>eiten CEeil fidj übermütig aufbäumenben, jaudfter« 
artig abfdjlieftenben Weife, bas leiber für unfere Dertr>öfyrtten 
(Dl]reu etroas 311 berb ift 2 ), — bas Flaugcolle „ITT ei liabe 
Agatha" mit feinem prächtigen Sd?lu§ jobler unb bas ur- 
alte: „Die £iabafte" mit feinen föftlidjen Schlufjftrophen: 

Der Pater bat an §u>öfchbenbam, Ve- 
rein gar fcr/Öane gmöfchbeleiu brein. 
<2v h^t a brei fcb ( öanc (löcbterlaul 
£i ja, i möd : f a, i möcb/ a babei fein. 

_ / . , . • • ■ 

Die (Sretl, bte n>ar ma's bie SchöauafteV 
Die Katfyel, bie \]ät Iduge Jüa§. 
Die IHaibel, bie mar ma's bie £iabafte, 
IPeil fie fi fdjön ummabrah'n Haß. 

ibeibe feitrjer crfa?tcneu in ber Sammlung: Deutfdje unb 
beu tf cbö ft er r ei ebifebe Dolfslieber für pierfttmmtgen 
2Tläuuercrior, r>. £?eft, Wien, bei Kobitfcb t ef], unb bas leicht» 
befebmiugte v fr Urnings« 21 Im lieb mit feinem poettfehen 

(Eingang: 

Kimint ba faSoane ,fruahliug balb, 

3nd)e, juebe mit Schmalen l «t\p % 



1 ) 2i\s Sdmabcrln'ipfeliueite rermeubet finbet ftdj btefer 
itannberger 3°bler in bem £iebe „3" Dnj, au fchian Cal" 
f. f. Kohls Sammlung: „£djte (Tiroler £ieber". IDien 

2 ) v£s ftebt 3uerft im Sa^c für vier inännerfttmmen 
in ber Seiften flugfchrift bes D. P<S. P.: „\6 Polfslte&er 
ans ben beatmen 2Upen", Perlag bes D. P<ß. P., XPien, 
I897 unter £ieb3ar/l U nnb ijt r>on ba in (f. J. Kof^s 
Ciroier £ieberfammlung übergegangen. 

.." 

.... 



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— 67 — 

(2<* beutfd?e Polfslieber für gemifdjten <Ofor; <*. (flugfdjrift, 
Wien, Perlag bes Deutfd?en Poltsgefangoereines). '£rvat 
ntdjt aus Bannberg, aber bödj aus (Eirol, unb 3tuat aus 
<Dbertten3, bradjte id? bamals nodj bte $me'i rortreff Hanert 
lieber fyeim, bas 3t»etftimmige „$ Iorian unb lene", bas 
idjfamt feiner ^funbgefdjidjte im erfien ßefte bes \. 3aljrg. 
unferer geitfdjrtft „Das beutfcfye Polfslieo", IKat ^899 unb 
im 3^l?rbu4e bes Sdjeffelbunbes peröffentlid^te, unb bas 
djarafteriftifdje „$ üfirmanuslieb". Der <f ufyrmann rütmtt 
bas fufjrmannsleben, feine fdjon angef abirrten pferbe, ben 
roofylgefügten, mit mertooller XDare belabcnen JPagen. €s 
ift nodj „bie gute, alte §eit", in ber es nod? feine <£ifen« 
bahnen gab. Wo er einfeffrt, mu§ es fyodj fyergefyen. 
iPenn bie Kellnerin feinen PeitfdjenfnaU rernimmt, lägt 
fte (ßäfte (Säfte fein, eilt bem Kommenben entgegen unb 
begrüßt ttm mit Sdjmeidjelreben. Sie bringt Bier unb 
tPetn unb fefet fta> 3um fuljrmann unb oerftdjert ilm ifyrer 
aufriajtigen «Seftnnung. 2Iber ber €rfafyrene lägt ftd? ntdjt 
täufdjen, bie (Ereue ber Kellnerinnen ift ifmt befannt; bodj 
läßt er fidj ifyre Sajmeidjelreben gefallen. IPer eine Kellnerin 
liebt, ber ift betrogen. Sie fdjmeidjeln jebem, ber fommt, 
mit gemanbter Hebe. Drum rät ber $ ufjrmann niemanbem, 
mit einer Kellnerin fidj einjulajfen. Die fufyrleute freiließ, 
fo fdjliefjt bas lieb rejlgntert, bte finb auf bie Kellnerinnen 
angemiefen. — 3^? taffe nun ben edjt lutmoriftifdjen IPort» 
laut bes liebes folgen. Die HTelobie ift eine ber frifd?eficu 
' PoLfst»eifen, bie ia> renne 1 ). 

>) Sie (tefjt in ber Seiften $ lugfajrift bes D. P<S. P., 
IPien 1897 unter gatfl \5 baraus in f. f. Koljls Ctroler 
lieber fammlung abgebrurft unter Ztr. 5 auf S. \ \ ff. 
(Eine Sttmmenausgabe ift baoou erfd?ienen in „XPirflidje 
beutfd?e PolFslieber in <Eht3elausgaben". Satj für UTänner- 
djor. Perlag bes D. P<S. P. in IPien, VI. Sumpenborfer- 
ftrafje \5\. f. Koljl überliefert in ber 3meiten Hadjlefe 
3U fetner <£irolerlieber«SammIung unter galjl \s ein anberes 
f uljrmannslieb, bas gar nid?t übel ift, aber in IPort unb 
IPetfe hinter bem Bannberger (fu^rmannslieb 3urücfftet?t. 
<£s flammt nad? feiner Angabe pon bem Bauernbidjter 
£fjriftian Blattl aus St. ^otjann in (Eirol. Der Permutung 
Kotfls, bajj and} bas Bannberger fufyrmannslieb oon Blattl 
tjerftamme, famt tdj nidjt beipjlia?ten. Sie grünbet ftay nur 
auf bie Überemftimmung in eintgen fpradjlidjen IPenbungett, 

5* 



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— 68 — 



ufjrmannslub. 

Koaft feineres £öb'n auf ber IDelt fdnn's nöt göb'n, 
IPte b'jfubrlent fydb'nt mit bem Jdbr'n auf bem £dnb. 
Sdjöne Hoff', a fdjön's <S'f du' rr, bas bringt oan reajt tjerfür, 
Unb an 3'fdmmeng'ftd'Hten IPdg'n unb a guate IttaY brauf 

tydben. 

3n tDirtsljäufern a jufdjt not gär ßu fläglidj fein, 
3an>ant burdjen bring' is a an tPein 1 ). 

IDdnn bie (Soagl fndflt, baß' in tüirtst^äufern fa>dllt, 
Die Kellnerin cernimmt, baß a ^utjnndnn 3tt>egnfimmt, 
Sie laft von (ßäfdjten baoon, a jd, rennt fydts mi' fdjon, 
(Sriiafj bi <5ott! fdjreits von fern, g'rdb fjeut' fied? t bt fo 

gern. 

3 fydb' bt Idng g'fyofft, ben gdtt3en ddg auf bt benft, 
IDdnns b' mir ausblieb'n marft, dft tfätt's mi fränft. 

Sie fdjenft mir glei ein a ITCddfj Bier unb an XPein, 

5ie fetjt ft 3U mir unb ift ljufdjttg bds n>ia 2 ). 

Sie tfdt g'rebt, ba§ an freut, t>on ifn* Slufridjtigfeit, 

3 tjdb's dba glei rennt, baß g'rdb' Sdmieidjelreben fenb. 

ZVrum tjdb' i mi g'ftellt dls mia olme Derftdnb; 

Keüuerin»(Ereu, bö ifdjt mir fdjon befdnnt. 

S' Keünerin«liab'tt ifdjt 3un Buama oejier'n, 
tüenn fte oana 3'meng fennt, mia üerrieb'n, baß fte fenb, 
(5'rdb 3U beni feins nöt faul, g'rdb an jeben mddjen f's 

XTTaul, 



bie aber ebenfogut aud? allgemein gebräudjlidj fein fdnnen. 
2htdj bie 2Innatjme ber Übertragung biefes Siebes von 
St. 3ofamt im leucfentbale, ber Heimat Blattls, in bas 
rom Derfeljre fo gut u>ie abgefdmittene, weltferne, {200 m 
über bem XTteere gelegene (Sebirgsborf Bannberg im pufter» 
tale bura? manbernbe IDeber ift ja möglidj, aber nidjt ger abe 
maljrfdjeinlia}. 3d? Fann eben nidjt glauben, ba§ ein unb 
berfelbe Didier ein unb benfelben Stoff bas eine ITCal in un« 
übertrefflidjer, gerabe3u genialifd?er IPeife, bas anbere fllal 
3mar aud; gut, aber im Dergleidje boa? meit meniger treffeub 
unb frä'fttg follte befjanbelt traben. 

*) (Öfters 3um fjerumtrinfen IPein 3afjlen. 3« i*n>ant 
ift bas i t>ofal, ia = bem mljb. gmieiaut ie. 

2 ) hurtig als nrie. 



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- 69 - 



Wenn an dnb'rer fimmt, fdjmetcfyeln f' a mleba g'fd?mtnb. 
v rum rät' i 's tan änbern a Kellnerin nit ein. 
Bein fufu-leut'n mua§ es iamant 1 ) fein. 

X)iefes £ieb, fomie bie oben angeführten, fehlen in ber 
bei (ßrofj in 3 ntts ^ ruc ^ unter bem (Eitel: 43 (Eiroler 
Hationallieberin brei 33änbd?en erfdn'enenen Sammlung. 
Hidjt alle lieber biefer 2lusmat}l finb äberbies edjt, bod? 
bie meijten ber erften beiben öäubdtyen. Das britte 3änb» 
d?en bringt wenig mirflicfye Polfslieber. fjerDo^ufjeben 
mären im erften 33änba>eu bas fedjfte Sieb „21 Büdrferl anf n 
Hütfen" nnb Hr. *3 „£ein fein, beinanber bleibV. 3m 
3meiten 3änba>en Hr. \7 „'s Ewel", Hr. 19 „£?äb i nit 
a fdjöan's Dianberl", Hr. 2$ „Der Ejofenlupf" unb Hr. 25 
„£}eut gia'n mirs auf bie 2llma". <5emi§ unedjt ift jebodj 
Hr. 26, 27 unb 29. 3m britten 33änbdjen ift gut Hr. 38 
„Der (Samfenjager von (Eirol", uned?t bagegen bas triel« 
gefungene „Dianbt mie is oam fo mofjl auf ben Bergen 
in (Etrol (Hr. 33), „Sing, füge Had?tigall" (I) (Hr. 35) unb 
Hr. 40 „Hur einmal nodj im £eben meine fyimat mödjt 
idj ferj'n". Sefjr lefjrreidj märe für ben Heuling bie Per» 
gleidmng biefer von mir als unecht be3eidmeten mit ben 
als edjt erfannten liebem. 

Sind) in ber Sammlung (Eiroler Dolfslieber 
ron <5rein3 u. Kapferer finbet ftd? €d?tes unb Unedles 
fritiflos nebeneinaubergeftellt. Diefe Sammlung enthält 
jebodj feine ITTelobien. Sentimentalität unb (Sefnfjlstänbelei 
ift ein flaueres Kenn3eidjen ber Uuedjtljeit. (Semiffe Hebens* 
arten, bie bem bäuerlichen (Sebanfenfreife fremb finb, ©er» 
raten bem Kenner fofort, bajj bas £teb nid^t bänerlid?en 
llrfprungs iß. Sagt etma ber 23ua: „Sobalb idj meine 
liebfte Sdjmagerin gefunben tjabe, trag i tfjr mei' Ber3 
glei on" ober „Drum mo i gealj, mo i bin, ba fdjroebt 
mir uor bie Sennerin?" (<Srein3 u. Kapferer, I. S. 48 ff.). 
Diefes herantragen unb Scnnerinporfo>meben ift ein 
tt>arnungs3eicb i eu für ben ^orfdjer. ItTan ftelle biefem t>cr» 
3ärtelten Siebe bas urmüdjfige „Der ^enfterftoef " (<Srein3 
u. Kapferer, I. S. 62) gegenüber mit feinem allerbings etmas 
311 aufrichtigen Sdjluffe. Wie fab unb mafdjlappig ift „Die 
fjodföeit auf ber illm" ((Srein3 u. Kapferer, I. S. 67ff.)l 
(Ein edjtes tiroler Dolfsfängerliebl HTan traue nur ja 



x ) oftmals. 



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— 7 CT — 



ben (Eiroler l*>olFsfängergei'clltd?aften uid?t! Was fte bringen, 
tft 311 neun gebnttcilen eigene (Erftnbung , Iäpptfctj nnb 
gc3iert, ber (Sefang meift anf ben bloßen (D^rcnFi^el bc« 
rechnet. 3°? l?örtc noa> fetitersett bie beFaunte <5efellfd>aft 
bes alten Kaiucr nnb erhielt fpäter (£inblirf in feine £ieber» 
fammlung. 3d? fyattc mir eine reiche Ausbeute r>on eebten 
Biebern erhofft, bas (Ergebnis mar aber anwerft ärmlidv 
Dor 3 a »7 rcn r?örtc ia? bic Sängergefellfdjaft (Eber nnb WaiFl 
nnb ärgerte mid? meiblia? über bas rerFüuftelte, unechte 
§cng, bas fte bcn alles für ed)te ITTünjc uclnneuben Z?orb* 
beütfd?eu in einem 3»nsbrn<fer £afe rorfübrten. 2Ufo 
nodnnals: Aufgepaßt, uamentlia? 3ty r Herren norbbeutfdjen, 
bie 3b.r bes DialcFtes nuFunbig feib! Vor biefen Sänger« 
gefellf djaften wirb gewarnt! Bei ilmen tyört man faft nur 
bas Fünftlid? fjerrorgebradjte, oe^ierte nnb rer3ärtclte, 
tirolerifa? tjerausgepuftte PolFsfängerlicb. 

£in mabres £abfal gemährt bagegen bas alte Spingefcr 
Sd?laa>tlteb aus bem 3<^^c [797 (<5rein3 tu Kapferer, 
5. 89 ff.)- 

Wie fdnuädUio] nnb meltfdnnet^lia} Flingt es aber, 
wenn ber (fcirolerjüngling ((ßreitn, n. Kapferer, S. \20) 
beFennt: 

3m IPalb bin t g'feffen, 's fje^ war mir fcfywar, 
Bab' benFt: wenn i g'rab von ber IDelt wegga war! 

2luf Seite 122 3ätjlt ber „treue 23ua" gar alle Stern» 
lein unb es Ijat itma nidjt eines gefehlt, mit 2Iusnatmte 
iljrer blauen 2lugenl §nm abfdjrecfenben Seifpiel laffe tcb 
bie beiben folgenben Strophen fyier folgen: 

Der OTonb Ijat od?a g'leuajt't, ijat il?re (S'ftalt be« 

leud?t't, (!) 

IPias mt erwarte nb (!) ts am Jenfterl g'loant; 
3 Icxf afs Stübal g'f a?minb t^tn 3U mein liab'n Ktnb. 
^ab's büßt, tjab's g'lje^t, fjab's g'liabt, cor ^reub Ijat's 

g'woant. 

3 fjab' mt fruat? aufg'maait, liab'n all bie Blüamalu 

g'lad)t, 

Unb ifjre Köpfaln aus'n (Srafal fürag' reeft. (!) 
3 fab' mi nit raweuFt, fjab' an mein Dianbl benFt: 
lUia's a ifjr Köpfal fjat beim Jenfterl außer- 

g'ftecFt - (!) 



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- 7\ — 

Unb biefer erbä'rmlidje Sdjmadjtlappen foll einen fer« 
nigen, frif d?en CEiroler 3um Pater Ijaben? 2Iuf foldyes 
elenbes geug paffen bie IPorte ber Porrebe bes £iia?leins 
fdjledjt: „Bei ber 2lusmar|l mürbe ia? r>on bem <Seftd?ts» 
pnnfte geleitet, baß nur ^rifdjes, Urf prünglidjes unb 
Polfsttimlidjes 2lufnafyme finben bitrfe. ((Sreim u. 
Kapferer, I. XVI.) 

Seite {<k2 fjeigt es oe^ärtelt: 

„<£s blüeljt in mein' fyv$tn bir aber a Straug: 
Pergijjmeinnicfyt! fyoafjt er, melft emig moffl nie(l) — 
Unb roillft bu bas 5träu§erl, nimm 's Qers mit ber Blüetjl" 

3n Steiermarf fpricfyt bas Polf einen äfmlidjen <5e- 
banfen in folgenber einfacher ZPetfe aus: 

Dirnberl, am £jer3 roadjjt a greaner §meig, 
Brief? bir'n ab unb frifdj b'xvxx einl 
tDirft es fdjon feg'n, mia er blüat unb treibt, 
2lba treu muafjt mir a fein. 

(Eine Hätf elf rage: Drei uon biefen geilen mürben mir 
aus bem Polfsmunbe überliefert; bie merte, auf meldte fid? 
mein <Semäb.rsmann nid?t befmnen fonnte, habe ia> fpäter 
im Perein mit Dr. H. IHudj nad? eigenem <2rme(fen ergän3t. 
IPeldje Seile ift bies? Dem Kenner mirb fte pa> Ieid?t 
oerraten 1 ). 

Sidjerlid? uneajt ift bas £ieb „Die luft am (Sefange" 
(5. 160). IPie gefdjmacflos unb unappetitlich lefen fta> bie 
fdjäferlidjen feilen: 

21 fdjean's, a füe§ Bufferl unb nU offne Saft, (i) 
(Sibt ben Blümerln i^r* frtfd?en, ben Büeberlu ihr* 

Kraft. (1) 

„tttet Hanbl t?at g'fagt't" (5. m ff.) ift uon Stel3* 
bamer, mas meber fjerr (Srein3 nod? fyxx Kofdjat aemufit 
fyat, ber bas Sieb unter bem (Titel „Die UTonbfdjemigfeit" (!) 
oerbaütjornt tjat. IPeber Hanbl nodj liferl, wie Kofcbat 
will, ifi bie Sprecfyenbe, fonberu bie 2Jtynl ((Srogmutter) 



M Seither fjabe idj bie febleube $tüe gefunben. 
Das Polt* fingt gan3 einfad?: Brocf bir's (bas §meig) ä, 
fo g'fyörts bein. 



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— 72 — 

ift es, bie tlfren €nfel ^rau3 matnt, aus einem Kruge 311 
trinfen, in ben ber fltonb fdjeint. (Er werbe babnrdj monb« 
füa?tig. 

„ITTuefj't frajeln unb fteig'n 
ttba Ceitern unb «§äun\ 
(fen(terl aus, ^enfterl ein 
llnb foa IKenfdj barf nöt fd?reinl 

Unb es fa?reit a foa ITTenfd?, 
ITtei! in ITTenfdjern is 's redjt, 
U\nut ma Fravelt unb fteigt, 
Da§ ma's (g'uacf brödja mödjt." 

Diefen triftigen Sdjlufj Stel3hamers mit bem boppel- 
finnigen Worte IHenfd? (älplerifdj — Iiiagb, Dirnbl) Ijat 
fterr Kofdjat simperlia? meggelaffen unb fo bas gan3e £ieb 
um feine pointe gebradjt. Bei iljm trirb f ran3 oon bem 
CruuFe trirflid? monbf üdpttg unb bamit bafta 1 — (Eine gan3 
trefflidje ITTelobie von f. §öt}rer 3U Ste^ljamers <Sebid?te 
&efjt in meinem fieberbud? für bie Deutfajen tu 
(Dfterreid? 5. ULufL. unter Ztr. \8<k. — Dod? mir motten ben 
Kela? bis auf bie ileige leeren, ben uns <5rein3 n. Kapferer 
!rebett3t traben. Unedjt ijt tjödjftmaljrfd^einlid? aöes, mas 
in bem Büdjlein von Seite 176 an folgt: „Die Hoa§ ins 
märmere £anb", „Ittei Hlüatterl", „Die Botfajaft", „(Eirolers 
fjeimmel}" (^ort fein 3U muffen, bös maajt mir riel £eib, 
ber brobn tut's triffeu . . .)# „Die IDalbblüamaln" (€s is 
a <5enn%, wenn fo 31t mein <fuaß a Deigerl, fdjöan blau, 
tuat glätt3en im (tau . . . uno's Deigerl fo 3art auf mt 
beimlid? mar t . . , 's is' a gar b'fonbers (S'fütfl, 
menn's Bad?erl bort raufdjt, mit ben 33lüamaln ffiafj 
plaufdjt. Dann ermeitert fidj's fjer3, man pergi§t 
jeben Sd)tner3 . . .), — 0 über biefe Üje^ermeiterung l Un« 
glaublid? gefd^macflos unb natürlia? unecht ift bas £ieb 
r-oin „Kur3en Hödel" (S. J86) mit feiner lujtemen 3meiten 
Strophe unb bem blöben Sdjlnffe: 

Sdyliefjt ftd? ber Sargesbetfel, 

Dann bleibt mir rjalt nadj ifjrem (Eob 

3^r liebes fu^es Hörtel! 

Unb bas f ollen eajte Polfslieber fein?I 2Irmes (Lirol, 
nodj ärmeres Dolfsliebl 



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— 73 



<5retit3 fjat nod? ein 3roeites 33änbdjen „(Eiroler 
Polfslieber" erfd?einen laffen, (£eip3tg bei 21. <S. Siebes- 
finb ;893). (Es ift niajt fcfcied?ter, aber aua? nia?t beffer 
als bas crfte, foeben befprod?ene. <Hd?tes unb Unechtes, 
(Sutes unb IPertlofes ift fritiflos nebeneinanbergejtellt. 

f. p. Ejörmann perfprad? fdjon \89^ am Sd?luffe 
feiner „Sdjnaberfyüpf ein aus ben 211pen" Qnnsbrud 
bei IPagner) bie Peröffentlidjung einer „SJusmatjl ber be* 
fannteften unb fdjönjten Ciroler Polfslieber mit ifyren 
Singmeifen, aus bem Polfsmunbe gefammelt". Seitbem 
finb 15 3 a *? re perfloffen, bas Perfpredjen rourbe leiber nid?t 
eingelöft. Da trat rafd> entfdjlojfen („bis dat, qui cito 
dat") 1899 KobJ mit feiner Sammlung „<Hd?te 

diroler-Sieber" cor bie Öffentlidjfeit. 3a) f)ätte gar 
mandjes gegen biefe etn?as eilig fjergeftellte publifation 
ror3iibringen: Die Pierftimmigfeit nimmt einen piel 31t 
großen Haumein in biefer bem beutfdjen Polfe Tirols 
geroibmeten unb für bie breiten Sd?ia?ten bes Polfes 3u» 
näd?jt bejtimmten Sammlung. Das Polf fingt ja bodj in 
ber Hegel aua) in (Tirol nia)t pierftimmig, fonbern 3U>ei- 
{timmig; es foll and? 311m Pierftimmigftngen gar nia)t an« 
gehalten merben. Das ift Sad?e ber (Sefangpereine, für fie 
finb pierftimmige Ausgaben befrimmt. Pierftimmig foü 
m<bt alles unb jebes, fonbern nur ein fold?es £ieb gefegt 
werben, bas naa> feinem gan3en tPefen unb 3nfyalt, naa) 
IDort unb XPeife biefe fjarmonifdj reidjere unb pollere 
Befyanblung förmlia? perlangt. §temlid? oft ftnb Sieber 
burdjaus männlia)en Cfjarafters für ben (Sefang pon grauen« 
ftimmeu bearbeitet (für S. A. T. u. B.); bie fjarmomfierung 
ift uid>t immer eimuanbfrei, bie naa)träglia) als fpc^icll 
für ben Satj bes (Eirolerliebes gültig inngefteüteu (Srunb» 
fätje finb in bem 23ud?e felbft nia)t beobaa)tet, 3 rr * umcr 
in ber (Latiaxt unb ber (Tafteinteiluttg finben ftd? por uftp. 
21ber bas alles ift Hebenfadje gegenüber bem unleugbaren, 
gan3 aufjerorbentlia) großen ^ortfdjritt, ben bas 8ua) ben 
bisb.in erfd?ienenen Sammlungen gegenüber bebeutet. 3d> 
ftelje n\d}t an, bie XPorte In'er ausbrücflia) 31t tpieberfjolen, 
bie id? bei einer anberen (Selegentjett barüber gefa>rieben 
tjabe: 

„(Erobern ia) mit ber Satpetfe mandjer lieber nia)t 
pöllig einperftanben bin . . . erfannte unb erfenne ia), ab» 
gefetjen bjerpon, ben fyofyen XPert biefes Buddes gern unb 
neiblos an, feiner (Ereue, feiner (Senauigfeit unb PerläfjliaV 



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— vk — 

feit tu tPort unb IPetfe unb feines retten, tertlidj mie 
mufifaltfdj feljr mertpollen Jn^ites roegen, 2<k fal** &«f* 
Sammlung für eine gerabe3ii bemnnberungsmürbige 2lrbett 
unb fdjäfce fte überaus Jioa>." 

Unb nun mollen mir roieber meiter manbern unb edjte 
Polfslieber fammelnl gum Keifebegleiter nehmen mir uns 
biesmal bas Scfyriftdjen von metlanb 21 n ton Httter von 
Spaun über bas „öfterreidnfdje" Dolfslieb (\. flugfdjrift 
bes Deutfdjen Polfsgefangpereins „Sur Kenntnis unb 
Pflege bes . beutfdjen Dolfsliebes"). . 

„Das Sammeln foldjer originellen tDeifen," 
fagt Spaun Seite \7 ber ermähnten portreff lidjen Schrift, 
„ift fdjmieriger, als man meint." Der ^rembe, ber 
Stäbter, meldjer glaubt, foldje auf einer flüdjttgen XDan» 
berung burdj bas (Sebirge mie im pflüge ertjafdjen 3U 
fönnen, mürbe fia? fetjr täufdjen. Selbft mit reidjlidjen 
(ßelbfpenben mürbe er nidjt 3U feinem giele gelangen; 
benn nidjts ift ber Zlatur unferer £anbbemotmer mefyr ent» 
gegen, als fta? por Jremben fyören 3U (äffen unb um (Selb 
3U fingen. Der (Sefang ift bei tfmen Sadje ber (Empftnbung, 
Sie fte burdj Be3attlung 3U entweihen glauben; fte fdjämen 
ftdj, ir^ce (ßefütfle 3ur Sd?au 3U tragen, unb nur, metin 
man länger unter iljnen gelebt, ftdj tijr zutrauen ermorben 
fyat, ftnbet man fte ßur Mitteilung bereit. IPie oft mußte 
idj Käufer, in benen idj mußte, baß Sänger unb Sängerinnen 
meilten, bereu Bemolmern unter anberen Umftänben eine 
f leine (Selbgabe fetjr millfommen gemefen märe, perlaffeu, 
nadjbem id? meine gan3e Berebfamfeit erfdjöpft fjatte, obne 
meinen §merf 3U erreichen ; — aber mein Unmut mürbe 
meiftens balb perfötmt; benn in ber (Entfernung folaten 
OTäbd?en unb Unabtn meinen Stritten unb fangen oem 
Sdjeibenben irjre beften tPeifen lange ttadj, otme bag es 
mir möglid? mar, fte bttrdj meine Hütffeljr 3um Steden 
3U bringen." Setfr fdjön unb fefjr mafn*! lÖieber fefyen 
mir, mit (Selb ift nidjts aus3uridjten unb mit bem §ureben 
audj ntdjt, es mag nod? fo etnbrtnglid? gefajetfen. 

Das lefotere mußte td? im Safoburgifdjen por 3«^en 
3U meinem leibmefen erfahren. 

Dor ad^efm jähren perftanb id? mtd? mofyl audj fdbon 
fo 3iemlidj aufs Dolfslteberfammeln unb glaubte es mit* 
unter redjt gut 3U maajen. 2lber.idj mar nodj nidjt aus« 
gelernt bamals. 3^ ^ am mit einem jungen Begleiter 
burd? ben paß £uftenftein bei ftrömenbem Hegen naa> 



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— 75 



St. Ittartin bei lofer. Weitet tonnten mir nia?t, bes 
EDetters wegen, nnb fo mußten wir benn hjer ßalt mad?en. 
Die 2Xusftd?t auf einen cerloreuen llbenb unb auf einen 
eben folgen fommenben (Tag ftimmte nns gerabe nidjt 
Reiter. Halbem wir es nns in unferen Simmern bequem 
gemad?t Ratten, fudjte id? nad? IHenfdjen, bodj oergebensl 
Das fjaus fdn'en wie ausgeftorbcn. ja? fet3te midj in bie 
geräumige, menfdjenleere, bämmerige (Saftftube unb rertrieb 
mir bie Seit mit Brieffdjreiben. Da fydrte idj burd? beu 
Spalt ber nur angeleimten (Eure aus ber Küdje 3mei 
Ktnberjtimmen leife oor ftd? Anfingen. 3^? tyordjte auf 
ben (Sefang, fförte ein Sieb von einem lDilbfd?ü0en unb 
einem 3äger, ein anberes oon einer Krämerfamilie, bie 
burd?'s lanb 3ter?t unb bem 3üngften, ber nod? nichts 
gelernt fmt, bas Stellen leln*t, bamit audj er fein fort» 
fommen ftnbe. 

€s waren bie beiben rjalbwüdjftgen (Eöd?ter ber iPirts» 
leute, bie ba braunen 311 ihrem eigenen, unb ohne baß fte 
es mußten, audj 3U meinem Dergnügen Dolfslieber 3wit» 
faserten. 3^? fatte mir bas eine ober bas anbere Sd?lag» 
wort rafdj niebergefdjrieben, unb als bie Kinber oerftummt 
waren, lieg idj fie mir bnra? bie Kellnerin fyeretutjolen. 
Pater unb ITTutter waren nid?t 3U Ejaufe, fonbern auf einer 
Ittarftfaffrt begriffen. Dodj bereu SeibUfe beburfte es mdjft, 
ltfirtsfinber fmb an frembe gewöhnt unb fo Famen fie benn 
3war etwas befangen bod? olme tDiberftreben 3U mir herein. 
3a> fragte nadj bater unb IHutter, uad? ber Schule unb 
bem teurer unb tifd?te einige Sd?ulfpä§e auf, bis bie 
Kinber fyeiter unb unbefangen würben. Dann rfiefte id? 
mit meinem Anliegen heraus, was benn bas für lieber 
gewefen feien, bie fte früher gefungeu hatten, unb ob \d> 
fie mir rid^tig auf gef abrieben hätte, unb ick fang ihnen 
vor, was unb fo gut idj es mir eben gemerft tjatte. Da 
fdjüttelten fte benn bie Köpfe unb wußten ba unb bort was 
aus3ufefcen unb fdjlieglidj fangen fie mir bie beiben lieber 
nodnnals oor, fo ba§ id? fd?on eine leiblid? braudjbare 
XTieberfdjrift 3nfammenbrad?te. 2luf meine frage, oon 
wem fte benn biefe lieber gelernt rfätten, erfuhr tdj benn, 
bafj bie Kinber fte r>on einer Kellnerin, namens Ctjerefe 
prey, bie jetjt in lofer fei, einer tüdjtigen Sängerin, ge- 
hört hätten. Sofort ftanb mein €ntfd?Iu§ feft, biefe Kell« 
nerin auf3ufud?en. 3^? fragte bie beiben ITTäbd?eu nod? 
aufs genauefte über ifn*e (Djerefe aus, unb als id? einen 



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— 76 — 

ganj ausfii f?rltd?crt Sted Brief über fle beifammen Ijatte, 
entließ id? bie Kinber mit Panf. — 2Jm näd?ften morgen 
ftrebten mir gegen fofer, boa> ba mar unfere Kellnerin 
ntebt mehr an3utreffen, fte fjatte fta> metter norbmärts nadj 
Unren gejogen, wo fte beim IPirte Kaltenbrunner in Dtenft 
freien follte. 2luf naa> Unfen, btefi es benn, unb bei 
Kaltenbrunner eiugef efjrt ! 

2Ils mir unter ber jüffrung einer tftagb ben geräumigen 
Dorfaal bes erften Stotfmerfes burd>fd}ritten, bemerkten mir 
eine in bie bortige £anbestrad?t gerietbete, nidjt mefyr gan3 
junge ^ranensperfon gefdpäftia, tfin unb Ijer getjen. XDer 
bas fei, fragte idj unfere ^utjrerin, bie uns in unfere 
gimmer geleitet hatte. „Die Kellnerin", perfekte fie. XPte 
rjetgt fte? „(Etferefe", mar bie Hntmort. (Es ift bie (ge- 
fugte, permutete ia>. XDährenb id? meinen Hudfatf ans- 
parte, erflang auf einmal Pom Dorfaale tjer mit falber 
Stimme gefungeu ein fauberer 3 0ö ^ r « 3**?* ra f°? ent ' 
fdjloffen, pfeife itm nadj. Die Sängerin ftutjt unb perftiimmt. 
ZIadj einiger ZPeile befommt fte bie Stimme mieber nnb 
fingt einen neuen 3°°l er » aua ? ° er fdjallt iljr buraj 
bie abjtdjtlidj nur angelernte (Eür meines gtmmers 3urütf. 
Da erfdjeint bas faubere 21Täbd?en auf ber Sd?mette, ftefyt 
midj permunbert an unb mad?t fid?, ba idj mir nichts merfen 
laffe, im gimmer 3U tun. Pas offene Jenßer ift ihr gtel, 
bem fteuert fte 311. (Ein rafdjer Blief ins Jreie Wärt fie 
auf. Sie Ijatte offenbar permutet, bafj ein ihrem Qer3en 
pielleidjt nafjefteljeuber Surfte unter bem Jenaer ifyre 3ob* 
ler beantmortet fjabe. (Enttäufdjt manbte fie mir ifjr <Seftd?t 
311 unb bliefte mid? permunbert unb fragenb an. Z>oaj nur 
einen 2lugettblicf, bann wollte fie leid?tfüfjig bas (SemaA 
mieber perlaffen. Dod? ba fieüte idj mid? trjr breitfpnrig in 
ben tt)eg. 

Sie ftnb tjter bie Kellnerin, fagte idj. — „IDirb mob.1 
fo fein", antmortete fie etmas fdmippifa? unb funkte an 
mir porbei3ufommen. — Sie Reißen (Efjerefe, — Cfferefe 
prey, niept mab.r? inquirierte ia> meiter. — „3amobJ, 
gnäbiger Ejerr", fagte fie etmas betroffen. — Unb maren 
früher in £ofer bei bem unb bem unb porfyer in St. War* 
tin? — „3a, ja freilidj mobj", flang es etmas fletnlaut 
3urücf. — Unb früher ftnb Sie einmal mit einer (Etroler 
Sängergefellfdjaft ge3ogen. — „3<J/ Qerr, mot^er mtffen Sie 
benn alles bies", fragte fte geängftigt unb bas IDeinen mar 
ttn* fidjtlid> nätyer, als bas fadjen. — 3^ n>ei§ «oa> meljr, 



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— 77 — 



fagte tdj; — iäj meig, bag Sic fefyr gut fingen fönnen. — 
„3s nidjt meit fjer", mehrte fie ab; bodj idj ließ nidjt 
lorfer. — 34 merbe 3^ nen fogar fagen, mas für lieber 
Sie gerne fingen, fegte idj fort, nidjt maljr, bas lieb: ber 
tDilbfd?iig nnb ber 3a9*rtoni unb bas lieb oon ben 
fieben (S'fdj miftr at? 

3egt mar's mit itfrer Hufye 311 <2nbe. Sie fdjauberte 
förmlidj ©or bem alfmiff enben Jremben. Dodj rafdj fagte 
fie ftdj mieber unb x>erf ud?te 3U ladjen. „<D, idj meig fdjon, 
gnäbiger I^err, oon mem Sie bas alles traben; nidjt mafyr, 
von meinem Bruber?" 34 wachte ber Sadje ein <£nbe unb 
oerfpradj tfn* alles auf3itflären, menn fie mir jene 3u>ei 
lieber porfingen wolle. Da fyatte fie benn natürlid? feine 
§cit ba3u, oertröftete mtdj auf ben 2lbenb unb trafd? mar 
ber Doge! orangen. Der 2lbenb f am , mir ftiegen in bie 
(Saftftube hinunter, bodj ba gab's (Säfte unb lautes (Befprädj, 
bas fta> um bas Sdpgenf eft breite, bas am nädrften (Eage 
auf bes IDtrtes ZPiefe gefeiert merben follte. Das pagte 
mir nun freilidj nidjt in ben Kram, bodj idj verlegte mia? 
gebnlbig aufs WaxUn, unb martete rutjig, bis bie legte 
Vorbereitung 3um fefte getroffen mar unb ber legte (Saft 
bas Qaus uerlaffen Ijatte. Doaj ba mugte bas iftäbd^en 
nod? bies unb jenes beforgen, unb mas fo bie 21usreben 
maren, bie ilu* gerabe einfielen. 2Iber idj mar nidjt fo 
letdjt Ios3ubringen unb faß mie eine fflauer. (2nblidj mugte 
fie bodj fertig merben mit itjrem Hegifterl ZTun griff fie 
3um 2lllermeltsausfunftsmittel: Sie fönne tjeutenidjt fingen, 
fie fei Reifer. — So fofle fte mir menigftens auf ber gittjer 
porfptelen. (Eine foldje lag auf bem Xlebentifdj. Dag fte 
^ttfyer fpielen fönne, Das mugte idj ja audj. Da begann 
fte benn mit f aurer IfTiene bie gittjer 3U ftimmen, unb um 
ilu* bie Arbeit 3U erleidptern, ergriff id? eine (Sitarre unb 
tat besgletd^en. €nblid? mar audj bies oollbradjt. Hütt 
fpielte fie ein paar (Tafte, unb idj follte fie begleiten, mie 
107 cerfproa^en Ijatte. 34 fonute bamals moljl (Sitarre 
ftimmen, aber nidjt fpielen. Seither fyabe id? allerbings, 

§enrigigt bnrdj biefen $aü, biefe fernere unb für ben 
ammler fo midjtige Kunft leiblid? erlernt. 

„IDann ber fjerr nit mitfpielt, fo fann td? aua) nid?t", 
fagte fte, fror?, enblia) los3ufommen. Da griff id? benn 3um 
legten Wittel, ifjre Sdjeu 3U be3mingen, nadjbem alles §u« 
reben unb Bitten rergeblid? gemefen. Fjilf Sllfotjol, In'lf, 
rief es in meinem 3nnern, unb ia> lieg eine neue fytlbe 



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— .78 



bes teuerem Weines, ben ber Wirt im Keller fjatte, auf« 
marf gieren. 3d? gab aber ben feurigen Hotmein nicht, 
mie Sdnnö^er es getan t\ätte, meiner Kellnerin 3U trinfen, 
f ortbern befann mich auf meine Stubenter^eit, bie nun 
freilich lättgft porüber mar, unb go§ (Sias auf (Sias, fo ba§ 
es (Eherefe merfen mußte, hinter bie Sirtbe. tPafjrfyaftig, 
ich l^atte bie alte 5tubenten3eit noch ttiajt pergeffen. ITTeine 
(Etjerefe fah mir permunbert 3U, unb balb fdjien ihr ber 
(frembe etmas mehr bei fleh 3U traben pon bem flüfftgen 
Hot, als itjm gut mar. Um es fur3 3U machen: ta? jtellte 
mid? etmas oermifd?t, mie ber Stubentenausbrucf r\ti%t, unb 
iu biefem guftanbe übte ia> betm auf bie Keltert« feinen 
frcmbeti beängfrigertbert (Hirtbrurf mehr aus. IDas ia> früher 
mit allen IHitteln ber Überrebungsfuuft nid^t 3U erreichen 
permochte, bas fang fie mir in biefem meinen ifjr pertrau« 
liieren guftaube ungebeten unb aus freien Stürfen. 2Xls 
ich fyatte, mas ich moüte, mar aud? ber gut gefpielte Dufel 
mieber perflogen. <Sro§ mar bie Ausbeute jener Had^t 
3mar nidrt\ aber mas idj niebergefchriebeit hatte, mar ber 
illülje mert: Der Kaltenbruttner jobler (252 3- u - 3-« 
Xlv. 48), ber oben angeführte Bauernjobler (252 3« u - 3-# 
llv. $9) unb bie beiben bereits genannten trefflichen £teber, 
bie feiger im f elften §efte meiner Sammlung: Deutfdje 
unb beutfd?öfterreid?ifd)e Dolfslieber für pierfttmmigen 
ITTännera>or bei Hebay & Hobitfd^ecf erfa>ienett ftttb. 3d? 
mill mit ber ^ä'hluttg biefes 5ammelgefdjid?td?ens nia>t 
etma fageu, baß id? bamals ben für3eften unb beften tüeg 
eingefchlagen r\aüe, um in ben Befttj biefer Kleinobien 311 
fommen. 3 m (Segenteile, ich mürbe heute mohl Ptel ein» 
fad?er unb leidster 311 meinem Siele fommen als bamals. 
ITTau lernt eben nie aus. — 

l\id}t immer mirb einem, (Sott fei Panf, bie Saa?e fo 
febtper gemacht. Pas fctyalftjafte £ieb „(ßreatte Jenßerl" 
(im Safce für merftimmigen ITTännerchor bei £eucfart in 
Scipsiö/ für gemifchteu £tjor in ber brittert ^lugfchrift bes 
Peutfd>eu Dolfsgefang=Dereines erfd^ienen) hatte ia> im 
3af?re 1886 auf oiel leichtere IPeife iu meirtett 8efttj ge* 
bracht. Pie Scbmoagerin IHerta (Philomena ITtittenborfer 
aus Hoith bei <£benfee) Yiatie mir biefes £ieb, als id? fie 
mit meinem, mie für eine fiochtour ausgerüsteten, biefen 
^reunbe W. in ihrer Sennhütte befugte, bie fajt an ber 
Straße itt ttächfter £lä'he bes faiferlichett 3agbryaufcs am 
(Dffenfee liegt, mie ein 2Jbr<ofat in bie ^Jeber biftiert. 3°? 



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- 79 - 

faß an bem <Etfa)e cor ifyrer Qfitte, bte fdjlanfe, fdjön» 
gemadffene, ntajt mehr gan3 junge, aber nod? immer faubere 
Sd?moagerin jianb t}od?aufgerid|tet neben mit unb fang mir 
bte tDeife ror, inbem jte nadj tebem 3weiten (Eafte, wie es 
eben ber Bau ber HTelobie mtt ftA braute, anfielt unb 
wartete, bis id? bas (Sefungeue aufge3eid?net tjatte. ÜTit 
i^rem fjellen Derfianbe unb mit flauerem mnftfalif oben 
(Sefufjle fjattc jie bie lüeife in flehte Säfcd?en geteilt. (Etne 
weniger intelligente perf on hätte naa? jeber folgen IDarte» 
3eit non Dorne anfangen müffen, IHena fjatte aber bies 
nidjt notn>enbig. EDie fie bemerfte, ba§ idj ben eben 
gefungenen (Ceil fertig gebraut blatte, fetjte fie üöllig ridjtig 
ein unb fang mir ben näd>ßen mnfifalifd?en 2Xbfat^ t>or. 
Unter fo günftigen Umftänben wirb es audj bem Anfänger 
leidet, lieber nieber3iif abreiben. 2lber bie wenigjten £ente 
rerfiehen fia) auf biefe ein3ig ridjtige 2Irt mufifalifdjen 
Diftierens. Diele uermeinen es befonbers gnt 3U madjen, 
wenn fie einem bie ITTelobie (Eon für fLon oorftngen unb 
überfein gan3, baß H^yt^mus unb (Eafteinteilung bei 
einem foldjen Öorgange odllig ccrloren gelten. 

Hur eine perfon habe idj feit etwa 27 3 a *t ren att f 
meinen Sammelftreif3Ügen gefunben, bie es nod? bejfer per- 
ftanb als HTena. €s mar bies bie fdjon ermähnte Stocferin 
aus -2llt(affing in Steiermark Pon meinem Stanb» 
quartiere Hottenmann aus mar ta? im 3 a ^ re * 8 9 5 naö ? 
£af(tng gemanbert, um bort lieber auf3ufd^reiben. Z>er 
Cafftnger leerer 3°^ a «u gegenwärtig in Brunnborf 

bei IHarburg angebellt, intereffterte fia>, eine lobenswerte 
2lusnabme unter feinen Stanbesgenoffen, lebhaft für Polfs- 
leben unb DolfsmuftF unb unterftütjte mid? in meinen 
Begebungen beftens. (Er hatte für ben llbenb fopiel Sänger 
unb Sängerinnen, als er in bem fröfylidjen laffingertale 
auf3utreifen .permodjte, in bas (Sagaus in Jfltlafjtng 3u« 
fammenbefteflt. 2lls idj in feiner Begleitung im 2Jbenb« 
bunfel pon Saffing (,,Kird}en"«£affmg) ans bas dal burd?» 
querte unb auf bas an ber anberen Calfeite am übfyang 
bes IHttterberges gelegene Zlltlafftng 3ufd}ritt, hörte id? in 
ber Häb^e bes (Saftbaufes im freien einen munberbar fein 
3ufammengeftimmten Nobler fingen, ohne ba§ xa) ber Sänger 
anftd?ttg 3U werben permod)te. (Es war bie Stotferin mit 
ihrem HTann unb Sonne unb nodj mehreren anberen, bie 
ftdj 3U ihr gelten. 21us ber l&trtsfhtbe bagegen tönte mir 
ber berbere (Sefang einer anbeten, jüngeren Sängergefellfdjaft 



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— 80 



entgegen. (Es Ratten ftdj offenbar $wei Parteien gebilbet. 
3dj wollte Feine mijfen, unb ber 6err teurer mußte bie 
Stocfergefellfdjaft enbüd? audj 3U bemegen, fta? ebenfalls in 
ber (ßaftjtube, naturlid? an einem anhexen (Eifere, nieber« 
3ulaffen. llnb nun fangen bie beiben <Sefellfd?aften, mit- 
einanber abroed?felnb, £ieb um £ieb. 3d? fd?rieb, mas idj 
fdjreibeu fonnte, unb trottete nadj lttöglia>feit, beiben 
eifernben Parteien menigjtens fd?einbar bie gleite 2Juf= 
merffamfeit 311 mibmen. So fdjrteb tdj benn balb an jenein, 
balb an biefem (Eifdje, ba§ midj bie Ringer fdjmer3teu. 
211s idj einmal nadjeinanbex mehrere oou ber Stocfergefell« 
fdjaft gefungene lieber aufge3eidmet ^atte, tjörte id? Don 
bem Zlebentifdje bie halblauten beleibigten IPorte: „ße^t 
fajreibt er bort nod? eins aufl" unb id? mußte natürlid? 
eilenbs mia? mieber ber anbern (Sefellfd^aft 3umenben, moüte 
idj Streit permetben. 2lls bie Unterhaltung bann im $ luß 
mar unb es in ber Stube immer lauter unb lauter mürbe, 
fdjlidj id? mia? uerftoljlen in bie Küdje unb ließ mir bie 
Stocferin tjerübertjolen, um mit iljr bas 2lufgefdjriebene 
nochmals burd^ugeljen unb wenn möglidj nod? Heues r>on 
irjr 3U erlangen. Da 3eigte fta? bas lüeiblein erft in iln*er 
gan3en muftfalifdjen (Eüdjtigfeit. Sie biftierte nidjt nur 
ebenfogut mie bie Sdnuoagerin am (Dffenfee, fonbern fie 
fontroüierte audj mit fdjarfen 2lugen, fie mar ja Ktrdjen- 
fängerin gemefeu, mas id? nieberfdjrieb, unb wenn ein (ton 
ifyrer fd?macr/en alten Stimme, oon bem £ärm, ber r»on ber 
(ßaftjtube 3U uns fyerüberbrang , unuernebmbar gemacht, 
r»on mir unriajrig niebergefdjrieben morben mar, ba futjr 
fte mit iffrem fnöa>erigen Ringer flugs auf beu Zlotenfopf 
los unb rief: „c nidjt d, fjerr profeffor" ober: „ein 2la>tel, 
nid?t ein Diertel". — Das mar am 2(. 3uli bes 3a^res 
^895 gemefen. 

21 m 6. 2Juguft besfelben 3afjres befugte id? mit meinem 
^reunbe unb ehemaligen Sdjüler, bem roatferen Cfjormeifter 
bes Deutfdjen Dolrsgefanguereines, 23ürgerfd?ulle^rer Karl 
£iebleitner, nod? einmal bas £ affingtal. Diesmal blieben 
mir in Kird?en-£af fing. Der 2lbenb mar fajön unb 
mann, mir gelten im freien unb festen uns in bie ge- 
räumige glitte ber Kegelbatm. Balb fallt aud? bie Storferin 
mit iljrem ITTanne unb t^rem Sohne au, bie mir tynbeftellt 
Ratten, unb nun ging es ffittf ans Xtieberfdjreiben. Der 
(Befang Iodte balb mefyr unb metjr £eute aus ber bumpftgen 
lUirtsftube heraus 3U uns in bie laue Had?tluft. llnb balb 



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— 8\ - 



war bie fjütte fo roll von guftörern unb Sängern, als es 
nur möglidj mar. ZTun fang nidjt mein* bloß bie Stotf crin, 
nun fang, toas fingen tonnte, unb ba meine Kraft nidjt 
mein* ausreißen tonnte, teilten u>ir uns in bie Arbeit bes 
2Inf3eia>uens. Die fa>öngemacbfene junge IPirtin, bie nod? 
por menig 3afjren als Brentlerin auf ber Kamplaim bei 
Hottenmann großes Unheil unter ber verliebten jungen 
ITtännermelt angeridftet tyatte, — es follen audj etliche 
Stabtfferren 3U ber fauberen Bretttlertn hinauf gepilgert 
fein, mte bie Sage e^äfjlt — bie faubere tüirtin alfo 
brachte uns enblid? audj tffre Dietnnagb unb Brentlerin 
Wartha 3ur Stelle, r>on ber es betannt mar, baß fie trefflidj 
jobein fönne. Unb als bie ifjre „(Sfpanin" Katl^el gerbet» 
gerufen fyatte, ba liegen bie beiben ITTäbdjen 3 0ö ^ er au f 
3obler erflingen. Die Ausbeute jener 3mei ilbenbe mar 
eine bebeutenbe; 29 Hummern trug idj am nähten (Lage 
mit nad? fjaufe. — Die Stimmung, ja bie Stimmung, bas 
ift bie Qauptfadjel Unb mit bem Dolfe muß man oerf eljren 
fönnen. Meine reid?fte (Ernte Ijeimfte id? aber 3U (Dftern 
1893 ein, mo id? in tpenigen (Tagen in £anbl, <Eifener3, 
Porbernberg, St. UTidjael unb Hottenmann (tjier fei nament» 
lidj ber Unterftütjung meines Jreunbes Dr. <5o$mats 
banfenb gebaut) nidjt meniger als 70 ZTummern auf3U« 
fd?reiben rermoc^te. 

21m meinen fHmmt, mas Sammelmettjobe anbelangt, 
mit meinen (Erfahrungen <E. J}. IPolfram in feinen 
naffauifdjen Dolfsliebem (Berlin \89<0 überein. 

2luf Seite \s bes genannten Wertes ftnbet ftdj bas 
JDefentlidje für ben angefjenben Sammler fer^r gut 3ufammeu« 
gefaßt in ben IPorten: „Be3Üglidj ber Mitteilung feiner 
lieber r>ertjält fid? bas Dolf 3temlid? fdjeu unb abgefdjlojfen. 
(Es glaubt, fie anberen als feinesgleicfyen nidjt anüertrauen 
3U bürfen, unb bematjrt fie audj mofyl aus bem (Srunbe 
ängftltdj, meil es fürd?tet, es fönne Sd?er3 unb Spott bamit 
getrieben werben. Wo bie Sänger bagegen ein mirflidjes 
Jntereffe unb Siebe für iljre einfad?en IPeifen flnben, ba 
ftnb fie in ber Mitteilung unermüblidj. §u leidjterer <Ent» 
fcfyließung ceranlaßt man fie, menn mau ilmen gleid? von 
2lnfang an 3eigt, baß man iljre lieber fdjon tennt. Mit 
biefen mir betannten £ieberu fing idj an, ben (Sefangreigen 
felbft 3U eröffnen unb nun fprubelte ber Quell ber münb* 
lidjen Mitteilung bei meinen Sängern balb in unerfdjöpf* 
lieber tPeife, uno ein £ieb reifte fidj an bas anbere." 

12. Älugfdjcift. 6 



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— 82 — 



Wie man ein Dolfslteb finbet, bas biirften 
meine lieben £efer nnb leferinnen aus biefen geilen nun 
moffl entnommen traben; audj mas ein DolFslieb ift, unb 
rootjl audj, was auf biefen (Ehrentitel feinen Slnfprudj Ijat. 

3d? (abliege meine piauberei mit bem I£>unfd?e, es 
möge mir gelungen fein, meine Cef er unb Seferinnen, von 
benen gar Diele begeifterte ^reunbe ber Ijelfren 2llpemr>elt 
ftnb, aud? für ben lebfrifdjen, ä'lplerifdjen Dolfsgefang 3U 
erwärmen. Sollte ber eine ober ber anbere r>on iljnen ftdj 
auf feinen tPanberungen 3um 2luff abreiben ed?ter Dolfsmnftf 
üeranlafjt fefyen unb mir bie ^rüdjte feines Sammeleifers 
fenben 1 ), fo füllte idj mid? reidf belohnt. 3 C & C / aU£ *? °* e 
geringfte (Sabe, roirb banfbar angenommen. 

x ) Zlad) Wien, XII/ \, Sdjönbrumterftrage 282. 



Drurf von Qeffe & Öecfer in Ceip3ig. 



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fces Deutfdjen Dolfsgefang-Dereins in tPien. 

3m Sinne beä § 2 ber ©afeungen mürben t>otn 
$)eutfdjen&olf8gefang*8eretne herausgegeben, finb 
in feinem SBeretnfrSerlage, SBten, VL, ©umpenborferftrajje 151 
erf Lienen unb au$ bur<$ Slbolf föobttfä^et, SBten I. 
#räunerfrraf$e 2, bejiefjen: 

$fagfdtriften unb €iefceri>efte mr Kennini» unb 
pflege bcz Deutfc^eu Vol t sücb es: 

3cr. 1. 9a» dfterreidjif d?e Po» »lieb. S8on rueilartb Slnton JR.».@ nun. 

SRtt einem 9ia errufe bort abalbert Stiftet. 8. Äufl. — $r. 20 h. 
Kr. 9. Ciebertjeft be» Deutzen Polfsaefans-Pereine*. — Bei* 

griffen. 

Rr. 8. 22 Deutle t>oIf »lieber für aemif ritten dtjor. «uSgen>ä$It 
öon Dr.Joi.^ontmer. - $rel8 60 h. 6. »erbefferte &uflage. 

SRr. 4. 24 Deutfcfje Volts lieber für aemif dit«n <Xbor. ttu8geroaqlt 
öon Dr. Sofef Pommer. — $rel8 60 h. (gortfefcung ber 

8. glugfärift.) 8. berbefferte Äuflage. 

9er . 6. IPegroeifcr burd} bic Ci tt cra tu r b«» beutf djen Polf »liebe». 

»on Dr. 3 of. Sommer. — $ref8 40 h. 
9h;. 6. 16 Polt »lieber au» ben beutf d?cn Ulpcn. Mu8getoä$It unb 

für bterftimmigen SRÄnnerdjor gefegt Don Dr. 3of ef Pommer. 

$ret8 60 b. 

9fr. 7. 55 Dentfd}C Polt* »lieber für aemifdjten «bor. HuSgetoäblt, 
erläutert unb mit Quellenangaben berfeljen bon Dr. 3ofef 
Pommer. — Sßxtii 1 K. (ftortfebung ber 8. u. 4. &lugfcf>rift.) 

9. berbefTerte Äuflage. 

Kr. 8. 50 ed}te Kärntner r>oif»lieber. ©efammett unb für öter* 

fttmm lg en Ttänn er $ or gef ebt Donftarlßiebleitne r- — ^rets 1 K. 
9er. 9. M Dciuf erje Dolfslieber für gemif djten Sbor. ausgewählt, 

erläutert unb mit öemerlungen über bte Duellen ber Siebet 

toetfe$en bon Dr. Qofef kommet. — Vtel» l K 20 h. 
Kr. 10. 21 ecfjte beutle Volt »lieber, gür biet HRännerftimmen 

gefebt bon grlebrttf) (Stirer- StuSgeroablt unb burtfcgefeljen 

Don Dr. 3 o f ef $ ommet. — $ret8 60 h. 
9tr. 11. 3rcanjig ecfjte alte 3obler. gilt gcmifdjten unb Spännet« 

d)ot eingerichtet bott Dr. 3ofef Pommer. 
Kr. 13. 27 Dcutfdie Volt »lieber für gemif d^ten <Xl?or. «uSgetoäfjlt 

unb mit «nmetrungen berfeben »on Dr. 3ofef kommet.— 

greift 60 b. 



mvtUQe beutle »olfältebct. 

3m <5afce für toter Sftännerftimmen. (SinjelauSgaben 

8 $efte. 

$ret3 ber Partitur 60 h (Pfennig). SßretS eine« DuartettS 
60 h pPfenntg). ?ret« einer etngelnen ©tlmme 15 h ($f.). 



ri.fi .• •! • • - ■ . e ■ 1. 1 ..i - m sj -k ■ J 

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4<>8: _ 

8u «a 



.222 «$te ^fatitnerfieb«, 

gefammelt unb für biet SRännerfttmmeu gefefrt bon 

Unter SJiittutrlung bon Dr. 3of. Pommer IjerauSgegeben. 
3. Auflage. — 3n jwei Hbtetlungen $u je K 2.50. 



Secfjj'g 
für 4 HR&nnerfttmmen gefegt 

bon 

Dr. Sofef Pommer. 

mit 89 Beiern . b. Scoöolb ft ainrabl. 
VartlturauSgabf 8.60K = 33Karf. 
©timmenauSgabe 4.80K = 4äRarI. 
S)ie etn$.©ttmme i.2oX = lSRar!. 



CieiKtpri}(t Silttlirker 

unb t>ott$tümli$e ©efänge 

gefammelt bon 

ttagufta Bender. 

Hteberfdjrift ber SSetfen 

bon Dr. 3. Pommer. 
IRit Uti terftüfeung 6t.!gl.$o$elt beS 
®ro6b,crjog§ grie brtdj bon ©oben, 
^ bfl- bort bem Deutf dj ■ CoCttgefang* 
Beretn in «Sien, 1908. 

fprei« 8.60 K m 8 2Rarl. 



444 ^obf« unb gitd^er 

au8 €>tetcrmarf unb bem ftetrtfcfcöfterr. ©renjgebiete. 
©efanimelt Don Dr. 3. Pommer. . 
$rei8 K 3.—. SBien, 1902. 
SBefteHungen nimmt entgegen: Änton Saumann, Äu$* 
"äu&mltglleb beS 3). M.3& ©ten, VL ©umbenborfer* 
e 151. 8u$$änblettföcr Vertrieb bur<$ tttbolf SRobtt* 
fdjef, SBten, I. »r&nnerftraje 2. 



NM 



Stte gcttWrtft: 



„$a* beutle ^offcsfteb" 



Herausgeber: 

»er $)eutfdje $oi «gefangner ein 
in Böten. 



©d)rtftletter: 
Dr. 30fef Wo mm er, 
fcanfl&raungntberu.Jc.fltüufuB. 



Sie Äenntni« beB eckten beutfd&en CoIIMiebe« *u berbrelten unb ju 
berttefeu, feine oerftänbniSboIIe Pflege «i förbero, feine gfrinbe, ba« Un= 
etbte, ©d)Ied)ie, Unbeutfdje, mit aller Offenheit unb boller ttntfcbicbenfjett 
SU betämpfen, totxb nad) mie bor bie Aufgabe btefer ßettfdjrtft fein. 

»n alle ftreunbe bei erfUeu beutfeben 8olt&ttebeS ergebt hiermit bie 
fcöflidjc Sinlabung jum ©ejuge biefer SRonatöfärift 

1908: 10. 3<i$rgang. — *ret8 für ben Safjrgang 5 fronen. 

ßu beiie^en bur* bte Bermoltuna, «Bten IV/., SRüijlgaff- 
83 ud) t) ä n b ler t f dje r «ertrieb : aifreb$Ölbet. 



2>rucf bon Qcffc A »etfer in fietbitg. 



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